Generation Alkohol?

Dazu gehören, sich stärker fühlen, Hemmungen verlieren: Wenn sich heutige Jugendliche betrinken, sind die Gründe dafür vielfältig. Der eigentliche Rausch ist nur ein Motiv von vielen – und nicht das Wichtigste.

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Mit Alkohol die eigene Unsicherheit überspielen.

1:04 min, aus SRF mySchool vom 7.1.2013
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«Wie war das erste Mal?» oder «Ist Kiffen gefährlich?» – offen, ehrlich und sehr direkt berichten Jugendliche über ihre Lebensweise und Erfahrungen während der Pubertät. Zentrale Themen in dieser Reihe sind Beziehung, Sexualität, Ernährung, Bewegung und Drogen. mehr

Ob Bier, Wodka oder Tequila – wenn Jugendliche heute zur Flasche greifen, tun es die meisten aus sozialen Beweggründen. Man trinkt vor allem, um eine Party zu geniessen und dem Zusammensein einen gewissen Kick zu geben. Dies zeigt die Studie «Health Behaviour in School-aged Children» (HBSC), die alle vier Jahre in mehr als 40 Ländern, grösstenteils in Europa, durchgeführt wird. Hierzulande sammelt Sucht Info Schweiz die Informationen. 2010 wurden dazu mehr als 10'000 Schülerinnen und Schüler befragt.

Nur eine Minderheit trinkt laut der Studie wegen des Rausches. Mehr als die Hälfte der befragten 15-Jährigen konsumiert laut der Untersuchung Alkohol, um eine gewünschte Stimmung zu erreichen oder zu verstärken. Um sich aufzumuntern oder Probleme zu vergessen, greift dagegen nur knapp ein Drittel der Jugendlichen zur Flasche. Solche Bewältigungsmotive werden häufiger von Mädchen (33%) als von Jungen (29%) genannt.

Die Pubertät als riskante Lebensphase

Sowohl für Mädchen als auch für Jungen steckt die Pubertät voller Entdeckungen und Herausforderungen. Für viele ist diese Zeit von Unsicherheit bestimmt. Diese Erfahrung hat auch die 16-Jährige Daniela gemacht, die im Video-Interview (siehe oben) berichet, dass sie damals unsicher war und keine positive Beziehung zu sich selbst aufbauen konnte.

Entgegen herrschenden Vorurteilen konsumieren Jugendliche noch seltener Alkohol, um von anderen gemocht zu werden oder um zu einer bestimmten Clique von Gleichaltrigen zu gehören. Solche Vorteile finden sich eher in Organisationen wie Sportvereinen. Auch Tamara, 16, scheinen derartige Beweggründe nur wenig zu kümmern. Statt mit ihren Klassenkollegen in den Ausgang zu gehen und zu trinken, gibt sie alles für ihren Lieblingssport, den Fussball.

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Dem Gruppendruck widerstehen.

0:55 min, aus SRF mySchool vom 7.1.2013

Bizarre Rausch-Techniken entwickelt

Fazit: Die Gründe für den Alkoholkonsum Jugendlicher sind vielfältig – und entscheidend für die Ansätze in der Prävention. In Medienberichten sieht, hört und liest man allerdings häufig über die ausgefallenen Methoden, mit denen sich eine Minderheit der Jugendlichen in Rauschzustände versetzt.

Um möglichst schnell einem Alkoholrausch zu verfallen, sind mittlerweile allerlei Methoden üblich. So wird beim so genannten Eyeballing hochprozentiger Alkohol direkt ins Auge geschüttet. Andere wiederum tränken Tampons in Alkohol oder entwickeln Methoden, um Tequila zu inhalieren.

« Jugendliche trinken heute weniger Alkohol. Wenn sie allerdings trinken, dann eher Hochprozentiges, vor allem Wodka. »
Ein Jugendliche und ein Jugendlicher mit Zigarette und Bierflasche in der Hand gröhlen betrunken während eines Botellons in Zürich. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Feierlaune aus der Flasche: Die Schweizer Jugend trinkt nicht mehr als frühere Generationen, dafür aber lieber Hochprozentiges. Keystone

So entsteht der Eindruck, die heutige Jugend sei im Wesentlichen damit beschäftigt, sich zu betrinken. Doch stimmt das überhaupt? War der Nachwuchs früher seltener berauscht? Nein, sagt Katrin Trüssel, Fachmitarbeiterin Prävention und Gesundheitsförderung beim Blauen Kreuz: «Jugendliche trinken heute weniger Alkohol. Wenn sie allerdings trinken, dann eher Hochprozentiges, vor allem Wodka.»

Die Zunahme beim Spirituosenkonsum bestätigt auch die internationale HBSC-Studie von Sucht Info Schweiz: Er hat sich zwischen 2006 und 2010 in der Altersgruppe der 15-jährigen sowohl bei den Jungen als auch bei den Mädchen etwa verdoppelt – und damit steigt auch die Gefahr gesundheitlicher oder seelischer Probleme.