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Hormone in den Wechseljahren Mehr Lust und Energie: Hilft Testosteron wirklich?

Testosteron für Frauen gilt als neuer Trend in den Wechseljahren. Es verspricht mehr Energie und Lust – doch hält es, was es verspricht? Während der Effekt auf die Libido belegt ist, bleiben viele andere Hoffnungen wissenschaftlich ungesichert.

Als bei Jeanette Kuster Mitte vierzig die Wechseljahre anfingen, litt sie sehr: «Ich war extrem erschöpft und probierte alles Mögliche aus: Nahrungsergänzungsmittel, Vitamine, Magnesium. Ich habe viel Geld ausgegeben, doch nichts hat richtig genützt.» Schlussendlich entschied sie sich für eine Hormonersatztherapie.

Die Journalistin und Buchautorin recherchierte weiter und entdeckte, dass man neben den gängigen Hormonen Östrogen und Progesteron zusätzlich auch Testosteron nehmen kann. Sie liess bei der Ärztin ihren Testosteronspiegel messen und der war fast bei null: «Erst mit zusätzlichem Testosteron verschwand mein ‹Brain Fog›, meine Energie kam zurück und mit der Zeit auch meine Libido.»

Wirksamkeit von Testosteron ist fragwürdig

Auch Gynäkologin Susanna Weidlinger von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde am Inselspital Bern wird immer öfter von ihren Patientinnen auf Testosteron angesprochen: «Ich bin da offen, mache aber keine falschen Hoffnungen.» Denn es gibt keine wissenschaftlichen Belege, dass Testosteron bei Frauen in der Postmenopause für die Konzentrationsfähigkeit, muskuläre Fitness oder die Stimmung hilft.

Es gibt nur Nachweise, dass Testosteron bei Libidoverlust wirken kann, also wenn man Lust und Interesse am Sex verliert und sehr darunter leidet. Dies hat sogar einen Namen: HSDD, die Abkürzung für eine hypoaktive sexuelle Luststörung.

Entsprechend wird eine Testosteron-Ersatztherapie bei Frauen in der Schweiz noch selten gemacht, denn die offiziellen Leitlinien der Fachgesellschaften empfehlen aufgrund der dünnen Datenlage Testosteron nur sehr zurückhaltend. Auf keinen Fall darf eine Frau das Männerhormon nehmen, wenn sie noch Kinder möchte. Denn Testosteron kann das Ungeborene schädigen.

Testosteron für Frauen muss extrem niedrig dosiert sein.
Autor: Susanna Weidlinger Gynäkologin

Trotz unsicherer Studienlage und fehlenden Wirksamkeitsnachweisen ist für Jeanette Kuster klar: «Seit ich Testosteron nehme, bin ich wieder die Alte.» Sie lässt ihr Testosteron-Gel extra in einer Apotheke herstellen. Denn in der Schweiz sind keine Testosteronpräparate für Frauen zugelassen. Darum muss man das Gel in einer spezialisierten Apotheke auf Rezept herstellen lassen, das nennt man eine Magistralrezeptur. Auch übernimmt die Krankenkasse die Kosten meistens nicht.

Achtung bei der Dosierung

Die Frauenärztin Susanna Weidlinger von der Frauenklinik am Inselspital Bern warnt: «Testosteron für Frauen muss extrem niedrig dosiert sein und der Testosteronwert soll regelmässig getestet werden. Man darf auf keinen Fall in den männlichen Normbereich geraten, sonst drohen Bartwuchs oder eine tiefe Stimme.»

Verabreicht man Testosteron jedoch in der richtigen Menge, gibt es wenige Nebenwirkungen, erklärt Susanna Weidlinger: «Es kann zu fettiger Haut oder Akne kommen und die Körper- oder Gesichtsbehaarung kann minimal zunehmen.»

Thema Wechseljahre

Zahlen, wie viele Frauen in der Schweiz eine Testosteron-Ersatztherapie machen, gibt es nicht. Fakt ist: Der Trend entstand im angelsächsischen Raum und Testosteron für Frauen wird zunehmend auch hierzulande wahrgenommen und nachgefragt.

SRF 1, Puls, 8.6.2026, 21:05 Uhr

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