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Mensch Je älter, desto zufriedener – ein Paradox, das glücklich macht

Wenn Sie glücklich alt werden wollen, gehen sie nach Grossbritannien. Zu diesem Schluss kann kommen, wer die neuesten Resultate einer britischen Langzeitstudie betrachtet: Mit zunehmendem Alter, nimmt die Lebenszufriedenheit der Briten nämlich zu.

Ein älterer Herr mit weissem Haar und Kopfhörern lehnt sich lächelnd zurück.
Legende: Am zufriedensten sind wir im Alter zwischen 65 und 74 Jahren – das gilt nicht nur für Briten. Imago

Je näher der 70. Geburtstag rückt, desto besser geht’s uns. Nicht nur im Vereinigten Königreich. Was die 3‘000 befragten Männer und Frauen zu Protokoll gaben, ist nämlich kein ausschliesslich britisches Phänomen. Aber eins, das mit den aktuellen Resultaten einer einzigartigen Langzeitstudie eine besonders solide Basis erhält.

Die Kohortenstudie «National Survey for Health and Development» läuft nun schon seit März 1946 – also genau 70 Jahre. Tausende von Menschen wurden damals als Neugeborene rekrutiert und im Verlauf ihres Lebens immer wieder zu ihrer Gesundheit und ihrem Wohlbefinden untersucht beziehungsweise befragt.

Zufriedener trotz chronischer Krankheiten

Dabei zeigte sich, dass die Lebenszufriedenheit insbesondere ab 60 im Durchschnitt deutlich zunimmt. Gemessen wurde die Lebenszufriedenheit mit der Warwick-Edinburgh-Wohlbefindensskala, Link öffnet in einem neuen Fenster. Die Teilnehmer gaben beispielsweise an, wie optimistisch sie in die Zukunft blicken, wie sehr sie sich geliebt fühlen, wie nahe sie sich anderen Menschen fühlen oder wie stark sie sich noch für Neues interessieren.

Das Ergebnis der gross angelegten Befragung stützt das aus der Entwicklungspsychologie bekannte Wohlbefindens- oder Zufriedenheitsparadox, wonach Menschen im Alter zufriedener mit ihrem Leben sind als in jungen Jahren. Dies, obwohl 70-Jährige in der Regel mindestens eine chronische Krankheit wie Arthritis, Diabetes oder Krebs haben.

Das Gleiche gilt für die Schweiz

Dieses Phänomen gilt auch für die Schweiz: Hier nimmt die Lebenszufriedenheit ebenfalls ab 60 zu und ist in der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen am höchsten, in jenen zehn Jahren also, da der Arbeitsstress vorbei und die volle Last körperlicher und geistiger Altersgebrechen noch nicht eingetreten sind. Vier von fünf Personen in dieser Gruppe sind mit ihrem Leben zufrieden oder sogar sehr zufrieden, hat das Schweizer Bundesamt für Statistik, Link öffnet in einem neuen Fenster errechnet.

Bei der britischen Studie, wie bei den Schweizer Statistiken handelt es sich immer um Mittelwerte. Denn einem kleinen Teil der älteren Menschen geht es mit zunehmendem Alter auch schlechter. Die steigende Suizidrate im Alter, Link öffnet in einem neuen Fenster zeugt davon, dass sich mit den Lebensjahren eine Art Zufriedenheitsschere auftut.

Warum werden wir immer zufriedener?

Warum die meisten Menschen mit den Jahren zufriedener werden, hat verschiedene Gründe. So wächst mit zunehmender Lebenserfahrung die Fähigkeit, die Widrigkeiten des Lebens zu relativieren und zu akzeptieren. Zentral ist die so genannte Selbstregulation, das heisst die Fähigkeit, sich an neue Bedingungen anzupassen und Veränderungen selbstwertdienlich zu interpretieren. So dass trotz vielfältiger Verluste – zum Beispiel der Tod nahestehender Menschen oder zunehmende körperliche Einschränkungen – das Bedürfnis nach Kontrolle über das eigene Leben bestehen bleibt.

Das kann auch bedeuten, langgehegte Ziele aufzugeben oder an die gegenwärtigen Möglichkeiten anzupassen und neue Ziele zu definieren. So hat sich in der Heidelberger Hundertjährigen-Studie, Link öffnet in einem neuen Fenster gezeigt: Die Glücklichen unter ihnen haben durchaus noch Ziele – und zwar erreichbare, wie die Geburt des Urenkelkindes zu erleben. Zudem gelingt es ihnen, selbst Verlusten etwas Positives abzugewinnen und beispielsweise die eigene Pflegebedürftigkeit nicht nur als Abhängigkeit zu erleben, sondern als Möglichkeit, regelmässig mit jüngeren Menschen in Kontakt zu sein.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Meier, Basel
    Es ist wohl viel eher so, dass man sich mit zunehmenden Alter mit weniger zufrieden gibt und langsam erkennt, dass man nicht mehr alles erreichen und haben kann. Man akzeptiert seine Schwächen und Gebrechen.
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  • Kommentar von Charles Dupond, Vivis
    In der Schweiz sind die Altersrentli deutlich tiefer als das Arbeitseinkommen, aus dem sie fliessen. Sie reichen immer weniger fuer das Notwendige, geschweige denn Ausgang, Ausfluege oder gar Ferien in Rimini. Vor den offenen Grenzen fuer Lohndoemper hatten Alte auch auf dem ersten Arbeitsmarkt noch Chancen fuer Aushilfsstellen. Heute gibts fuer "alte Saecke" hoechstens noch Trinkgelder, fuer die sie sich gar mit richtigem Namen und Adresse bei den Billigststklavenhaltern prostituieren muessen..
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