Krabbeltiere auf dem Teller – aber welche?

Insekten essen - das ist in vielen Ländern ganz selbstverständlich. In der Schweiz hingegen gelten diese Tiere nicht als Nahrungsmittel. Das Gesetz verbietet sogar, sie zum Verzehr kommerziell anzubieten. Das soll sich nun ändern – doch die Auswahl der Arten ist umstritten.

Insekten sollen helfen, ein drängendes Problem zu lösen: Der weltweite Fleischkonsum nimmt rasant zu, und das Futter für die Tiere stammt zum grossen Teil aus nicht nachhaltiger Produktion – von Soja zum Beispiel.

Insekten seien ein hervorragender Ersatz für Fleisch, sagt Paul Vantomme von der Uno-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO. Insekten hätten einen hohen Eisweissgehalt, brauchten wenig Land, wenig Wasser, weniger Futter und vor allem oft solches, das die menschliche Ernährung nicht konkurrenziere.

«Mit Insekten kann man mehr essbares Eiweiss produzieren, mit weniger Schaden für die Umwelt», sagt Vantomme, der das Thema «essbare Insekten» vor zwei Jahren mit einem Bericht auf die internationale Agenda gebracht hat.

Insekten = Schädlinge

Doch in der Schweiz sind solche Tiere auf dem Speiseplan bisher schlicht nicht vorgesehen, weil sie als Schädlinge gelten. In der revidierten Lebensmittelverordnung, die bis Ende Oktober 2015 in der Anhörung ist, sollen nun drei Arten als Nahrungsmittel zugelassen werden. Dafür gibt es viel Lob.

Mehlwurm, Heimchen und Wanderheuschrecke – für die Auswahl dieser drei Insektenarten hingegen gibt es Kritik: Denn diese würden mit menschlichen Grundnahrungsmitteln wie Getreide oder Soja gefüttert, sagt Daniel Ambühl, ein anerkannter Spezialist für essbare Insekten.

Kritik: ein falsches Signal

«Es wäre falsch, mit diesem Signal in diese neue Ära zu starten, wo wir doch gerade die Probleme aus der Produktion von Fleisch lösen möchten damit», sagt Ambühl.

Zudem enthalten Heimchen und Wanderheuschrecke relativ grosse Anteile des unverdaubaren Chitins. Und: Die Tiere hätten beim «Schlachten» noch einen Darminhalt. Und der könnte ungesund sein.

Fehlende Daten zur Sicherheit?

Warum also sollen gerade diese Insekten erlaubt werden? Mark Stauber vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen: «Wir haben erst diese drei Arten beurteilt. Alle anderen Arten haben wir noch nie toxikologisch analysiert. Uns fehlen einfach die Informationen.»

Daniel Ambühl kontert: In anderen Ländern stünden viele andere Insekten ja schon seit Jahrtausenden auf dem Speiseplan. Zudem gebe es in Asien durchaus Forschung zum Thema; nur leider sei die bei uns schlecht verfügbar.

Maden von Honigbienen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Alternativer Vorschlag: Maden von Honigbienen-Drohnen. Imago

Bienendrohnen-Maden als Favoriten

Geeignete Kandidaten wären für Daniel Ambühl und seine Kollegen von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften die Puppen von zwei Seidenspinner-Arten und Bienendrohen-Maden.

Die Imker in der Schweiz schnitten, so Ambühl, jedes Jahr etwa 50 bis 100 Tonnen Maden und Puppen der Honigbienen-Drohnen von ihren Stöcken weg. Dabei seien die Maden in Asien eine hochbegehrte Spezialität, vergleichbar mit Kaviar bei uns.

Ein Haufen Puppen des Maulbeerseidenspinners auf einem Tisch. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Alternativer Vorschlag: Puppen des Maulbeerseidenspinners. Imago

Alle drei vorgeschlagenen Insektenarten haben im Puppen-Stadium einen geringen Chitin-Gehalt, einen leeren Darm – und sie fressen keine Nahrungsmittel des Menschen: Pollen und Nektar die Bienen, Maulbeerblätter und giftige oder sogar invasive Pflanzen die Seidenspinner.

Vorerst wohl keine Zulassung

Trotz dieser guten Gründe ist es unwahrscheinlich, dass diese drei Arten zusätzlich noch in die Verordnung aufgenommen werden; das lässt Mark Stauber vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen durchblicken. In einem späteren, zweiten Schritt sei man jedoch offen dafür.

Doch das kann dauern.

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Grillen statt grillieren

13 min, aus Einstein vom 20.12.2012

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