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Legende: Bereits sauberes Wasser und Seife könnte das Leben vieler Säuglinge retten. Getty Images / Chip Somodevilla
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Neuer Unicef-Bericht Zu viele Säuglinge sterben

Frühgeburten, Ersticken, Infektionen: In armen Ländern sterben viele Neugeborene. Das liesse sich mit einfachen Massnahmen verhindern.

«Sie sind eine Hebamme. Vor Ihnen liegt eine 16-Jährige. Ihre Wehen haben eben begonnen. Es ist dunkel. Sie haben Ihr Handy zwischen die Zähne geklemmt, um etwas Licht zu haben. Im Ambulatorium gibt es weder Strom noch fliessendes Wasser. Kaum Medikamente und Verbandsmaterial. Für die Jugendliche in Wehen sind Sie die einzige Hoffnung.»

So beschreibt ein neuer Bericht des Uno-Kinderhilfswerks Unicef den Alltag einer Hebamme in einem afrikanischen Dorf. Die Folgen solcher Zustände: Tag für Tag sterben auf der Welt etwa 7000 Babys bei der Geburt oder im ersten Monat danach.

Es fehlen sauberes Wasser und Seife

Stefan Peterson ist Gesundheitsdirektor der Unicef. Er hat selbst in Afrika gearbeitet. Er sagt: Man bläue den Frauen in den Dörfern Afrikas und Asiens ein, sie sollten ihre Kinder unbedingt im Ambulatorium oder Spital zur Welt bringen.

Dort sei die Geburt sicher. Doch oft stimme das nicht, so Stefan Peterson: «Alles was die Gebärenden vorfinden, ist ein Bett mit einer dreckigen Matratze. Vielleicht ist da eine Pflegerin, aber diese kann nicht einmal ihre Hände waschen, weil es weder sauberes Wasser noch Seife gibt. Ihr fehlen die Medikamente und der Beatmungsbeutel, um das Baby wiederzubeleben, sollte es nicht zu atmen beginnen.»

Im schlimmsten Fall stirbt eines von 25 Babys

Die Folge: Jedes Jahr sterben zweieinhalb Millionen Neugeborene im ersten Lebensmonat. Dazu kommen noch einmal so viele Totgeburten. Diese Last ist sehr ungleich verteilt auf der Welt.

Im schlimmsten Fall stirbt in einem Land eines von 25 Babys, so in Pakistan, Lesotho und der Elfenbeinküste. Im sichersten Land für Geburten, in Japan, stirbt ein Baby von 1000. In der Schweiz eines von 300.

Einfache Mittel gegen Sterblichkeit

Drei Ursachen treiben die Todesrate in armen Ländern in die Höhe: Frühgeburten, Ersticken und Infektionen. Gegen alle drei lässt sich etwas tun – auch ohne teure Hightech-Medizin.

Für sauberes Wasser und Seife sorgen, zum Beispiel. Wenn Mütter möglichst rasch mit Stillen beginnen, sind ihre Neugeborenen besser vor Infektionen geschützt – gerade auch Frühchen, die besonders anfällig sind.

Kleinen Babys geht es besser, wenn sie auf dem Bauch der Mutter oder des Vaters warm gehalten werden, statt in einem Bettchen zu liegen. Einige einfache Mittel wie Antibiotika und Beatmungsbeutel können viele weitere Babys retten.

Audio
Mütter- und Baby-Gesundheit in Tansania
07:15 min, aus Wissenschaftsmagazin vom 27.02.2016.
abspielen. Laufzeit 07:15 Minuten.

Drastischer Mangel an Ärzten

Manche ärmeren Länder setzen bereits konsequent auf solche Massnahmen – mit Erfolg. «Ruanda, Malawi und Bangladesch haben in den letzten 15 bis 20 Jahren die Sterblichkeit von Neugeborenen halbiert», erklärt Peterson.

Viele Länder waren weniger erfolgreich. «Die meisten Staaten, in denen viele Neugeborene sterben, investieren weniger als ein Prozent ihres Bruttonationaleinkommens für Gesundheit.» Das obwohl die UNO mindestens fünf Prozent empfiehlt.

Die tiefen Investitionen führen zu einem drastischen Mangel an Ärzten, Hebammen und Pflegepersonal. Für Peterson ist klar, dass gerade in ärmeren Ländern das Geld knapp sei. Darum komme der internationalen Hilfe einen Platz zu. Peterson fordert trotzdem: «Die betroffenen Staaten müssen selbst mehr investieren. Viele haben das längst versprochen, aber nicht gehandelt.»

Menschen sollen Verbesserungen einfordern

Die Unicef startet darum eine diplomatische Offensive und geht jene zehn Länder an, in denen absolut gezählt am meisten Neugeborene sterben. Dazu gehören Pakistan, Indien und Nigeria.

Stefan Peterson sagt zwar, er sei zuversichtlich, dass die Regierungen dieser Staaten ihre Verantwortung erkennen. Aber er setzt nicht nur auf sie: «Die Unicef will mit ihrer Kampagne die Menschen in den betroffenen Ländern informieren und sie dazu ermutigen, von den Politikern Verbesserungen einzufordern.»

Verbesserungen, die Millionen von Neugeborenen das Leben retten würden.

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Legende: Getty Images / Bildmontage

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10 Kommentare

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  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Es ist sehr tragich und auch traurig aber auch total unverständlich, dass gerade in Entwicklungsländer "mehr Kinder geboren werden als ernährt werden können" und das noch im Jahr 2018! Familienplanung schein ein "totales Fremdwort" zu sein!
    1. Antwort von marc rist  (mcrist)
      Hier haben ganz klar die sogenannten Entwicklungshilfe-Organisationen versagt.
  • Kommentar von Walter Liechti  (Walimann)
    Die Geburtenrate in den Entwicklungsländern ist viel zu groß. Das Elend könnte durch die Anwendung von hoch wirksamen Verhütungsmitteln und allenfalls Abtreibung unter hygienischen Bedingungen gelindert werden.
  • Kommentar von markus aenishaenslin  (aenis)
    Es ist tragisch aber in deren arme Länder herrscht eine über Population. Viele von den kleinen Geschöpf bleibt eine Armut und immer zu wenig zum Leben erspart. Vor 200 Jahren in den arme Schweizer Großfamilien, hat mehr als die Hälfte der kleinen Kinder die ersten Jahre nicht überlebt. Die hohe Kindersterblichkeit im 18th und 19th ist zwar traurig, jedoch wahrscheinlich als normal angesehen worden, schon aus dem Grund, daß der Rest von der Familie überleben konnte.
    1. Antwort von Hanspeter Müller  (HPMüller)
      @ Aenis: Dieser Fatalismus ist nicht korrekt. Es ist erwiesen, dass die Geburtenrate sinkt wenn die Kindersterblichkeit reduziert wird. Die Reduktion der Kindersterblichkeit hilft darum sogar die Population zu regulieren.