Projekte der Grossforschung – ein Klumpenrisiko?

Das «Human Brain Project» unter Leitung der ETH Lausanne soll in den kommenden Jahren mit einer Milliarde Euro gefördert werden. Die Freude ist gross – doch Wissenschaftspublizist Gottfried Schatz zweifelt am Erfolg solcher Grossprojekte.

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Bildlegende: Biochemiker und renommierter Publizist: Gottfried Schatz. Universität Basel

Heute wurde in Brüssel bekanntgegeben, welche zwei Grossforschungsprojekte in den nächsten Jahren je 1 Milliarde Euro erhalten sollen. Gewonnen hat einerseits das Projekt «Graphen», wo es um die Erforschung dieses extrem leichten Werkstoffs geht. Andererseits ist das «Human Brain Project» unter Leitung der ETH Lausanne in die Kränze gekommen. Die Forscher in diesem Projekt wollen nichts weniger als das menschliche Gehirn im Supercomputer simulieren.

Die Freude über den Zuschlag ist hierzulande gross, nicht nur bei den beteiligten Forschern, sondern auch beim Bundesrat. Auch der emeritierte Biochemieprofessor und Wissenschaftspublizist Gottfried Schatz freut sich über den Schweizer Erfolg. Im Interview mit SRF zeigt er sich allerdings skeptisch, was den Nutzen solch grosser Projekte in der Grundlagenforschung betrifft.

Neuerungen kämen oft von aussen, von Querdenkern, so Schatz. Gerade diese hätten aber in Grossprojekten keinen Platz. Die Organisation eines solchen Riesenprojekts hemme die Innovation mehr als sie zu fördern. Wolle man Durchbrüche in der Forschung herbeiführen, dann müsse man eher viele kleine Projekte unterstützen. Für Schatz sind Grossprojekte wie das «Human Brain Project» deshalb ein Klumpenrisiko: Sie seien «too big to fail».