Zum Inhalt springen

Header

Legende: Einen gentechnisch veränderten Embryo in eine Frau einzusetzen sei «derzeit unangemessen», sagen einige Forscher. imago/stocktreximages
Inhalt

Reparatur am Embryo «Derzeit unangemessen»: Forscher mahnen zur Vorsicht

In den USA ist es Forschern gelungen, ein krank machendes Gen zu ersetzen – nun melden sich kritische Stimmen: Wissenschaftler aus aller Welt fordern einen vorsichtigen Umgang mit Gentechnik bei Embryonen.

Gestern wurde bekannt: Erstmals haben Forscher ein defektes Gen, das für eine Erbkrankheit verantwortlich ist, aus menschlichen Embryonen entfernt.

Das Echo auf die Meldung war geteilt: Ein wichtiger Schritt zur Prävention von Krankheiten oder ein gefährlicher Weg zum Designer-Baby?

Embryo einzusetzen wäre «derzeit unangemessen»

Nun haben sich elf grosse Wissenschaftsorganisationen zu Wort gemeldet. Gemeinsam sprechen sie sich für eine vorsichtige, aber engagierte Herangehensweise bei der gentechnischen Veränderung menschlicher Embryonen aus.

Konkret sagen die Organisationen: Einen solchen Embryo in eine Frau einzusetzen und somit eine Schwangerschaft herbeizuführen, sei «derzeit unangemessen». Dies schreiben sie heute Donnerstag in der Fachzeitschrift «The American Journal of Human Genetics».

Es gebe aber keinen Grund, eine Genveränderung im Reagenzglas «mit angemessener Aufsicht und Zustimmung» zu verbieten. «Während die Grundlagenforschung zur Bearbeitung von Genen in den kommenden Jahren voranschreiten wird, fordern wir alle Beteiligten dazu auf, diese wichtigen ethischen und sozialen Diskussionen zusammen zu führen», sagte Forscherin Kelly Ormond von der Stanford University.

Breite Unterstützung für die Erklärung

Die Erklärung wurde unter anderem unterzeichnet von der American Society of Human Genetics, der Canadian Association of Genetic Counsellors und der International Genetic Epidemiology Society. Auch länderübergreifende asiatische Verbände sowie solche aus Grossbritannien und Südafrika schlossen sich an.

Die Organisationen gehen zwar nicht direkt auf die Studie ein, in der Forscher einen Gendefekt in einem Embryo geheilt und diesen später zerstört hatten. Sie verweisen aber explizit auf die Möglichkeiten und Gefahren, die durch die genutzte Genschere Crispr-Cas9 entstanden sind.

Sendung: Radio SRF, Rendez-vous, 3.8.2017, 12.30 Uhr

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Kurt Wirz  (kw)
    Das krank machende Gen ist vielleicht weg aber wer weiss schon, was sich an dem Embryo nach dieser Manipulation sonst falsch oder nicht korrekt entwickelt. Wir sollten aufhören, an unserem Erbgut herum zu doktern.
  • Kommentar von u. Felber  (Keule)
    unsere Egomanen Gesellschaft will Gottspielen. Wo das hinführt kann sich jeder mal ausdenken!
    1. Antwort von Willi Meier  (wm)
      @U. Felber: Es kann bei bestimmten erblichen Krankheiten zu gesunden, nicht belasteten Kindern führen. Vielleicht wäre es aber einstweilen schlau, dafür zu sorgen, dass sich derart genmanipulierte Individuen nicht vermehren können, bis man genügend sicher ist, dass keine Risiken bestehen.
    2. Antwort von Hanspeter Müller  (HPMüller)
      "dafür zu sorgen, dass sich derart genmanipulierte Individuen nicht vermehren können, bis man genügend sicher ist, dass keine Risiken bestehen. " Sie reden von Menschen! Sie können nicht einem Menschen verbieten Kinder zu haben, nur weil vor seiner Geburt seine Eltern und ein geltungssüchtiger Forscher Gott gespielt haben. Es wäre wohl adaequater schon im Vornherein kein solches Risiko ein zu gehen und diese Manipulationen zu unterlassen.