Schöne Weihnachten – gewusst, wie!

Bei den Kleinen steigt die Vorfreude und selbst reservierte Zeitgenossen singen rührende Weihnachtslieder. Das Fest der Liebe hat auch aus Sicht der Forschung viel Gutes – wenn man richtig damit umgeht. Nützliche Tipps vom Advent bis zur Bescherung.

Kinder mit Kerzen in der Weihnachtszeit. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die schönste Zeit des Jahres? Bei vielen Kindern sorgt der Advent mit dem Finale Weihnachten für grosse Augen, Vorfreude – und hohe Erwartungen. Colourbox

Lieber selbst (mit)singen

Die Ohrwürmer in Geschenkshops und am Glühweinstand zeigen bald Wirkung. Schon im November geht nichts mehr ohne «Last Christmas» oder «Do they know it's Christmas». Selbst Weihnachts-Miesepeter erwischen sich manchmal beim Mitsummen – doch wer lauthals mitsingt, lebt laut Musikwissenschaftlern gesünder.

Mitglieder der Heilsarmee singen Weinachtslieder in Zürich. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mitsingen? Weihnachtslieder zu intonieren, hat laut Fachleuten reale Vorteile. Keystone

«Wir versetzen uns damit schon rein körperlich in einen Zustand, der viel stärker mit positiven als mit negativen Gefühlen und Erinnerungen verbunden ist», erklärt Gunter Kreutz von der Universität Oldenburg in Deutschland, «dazu kommt natürlich die Gemeinschaft mit anderen Menschen.»

Geschenke und die Genderdebatte

Im Advent fällt es in den Spielzeugabteilungen besonders auf: hier zarte Elfen mit pinken Haaren, dort grüne Werkbänke mit Sägen aus Plastik – Mädchen modelt, Junge werkelt.

Spielwarenfabrikanten setzen heutzutage noch stärker als früher auf geschlechtstypische Spielsachen, sagt die Psychologin und Wissenschaftlerin Bettina Hannover von der Freien Universität Berlin – mit Folgen für das Rollenverständnis der Kleinen.

«Je mehr Kinder in ihrer Umwelt mit geschlechtstypisierten Spiel- oder Lernsachen konfrontiert werden, desto eher schlussfolgern sie, dass Mädchen und Jungen verschieden sind», sagt die Expertin. Sich dem zu widersetzen, sei für kleine Kinder schwer, weil sie dann von Gleichaltrigen ausgelacht und ausgestossen werden könnten.

Auf Geschenke warten ist – nützlich

«Drei Mal werden wir noch wach, heissa, dann ist Weihnachtstag»: Für viele Kinder ist Weihnachten gefühlt das wichtigste Ereignis im Jahr – und lehrreich, wie Bettina Hannover meint: «Vorfreude ist etwas ganz Tolles, etwas Wichtiges, aus dem Kinder auch viel lernen können»

Gleich naschen oder warten? Eine schwierige Entscheidung (SRF,...

3:28 min, vom 20.12.2013

Ein bekanntes Experiment zeigte, dass unter Vorschulkindern diejenigen später mehr Leistung, Konzentrationsfähigkeit und Effektivität zeigten, die gelernt hatten, sich zu gedulden: Sie verzichteten auf eine Süssigkeit, wenn sie wussten, dass die Geduld später dann mit zwei Leckereien belohnt würde.

«Kinder, die gelernt haben, Belohnungen aufzuschieben, sind auf vielfältige Weise für das Leben gewappnet», sagt Hannover. «Und Weihnachten ist etwas, das Eltern wunderbar inszenieren können, um Kindern diesen Belohnungsaufschub beizubringen.»

Alles in Harmonie? Nicht immer…

Schöne Tage im Kreise der Liebsten? Die meisten Menschen haben ein Bedürfnis nach einer harmonischen Weihnachtszeit. Peter Walschburger, emeritierter Professor für Biopsychologie an der Freien Universität Berlin, erklärt das so: «Das Fest hat sich als ein besonders ausgeprägtes gemeinschaftsstiftendes Ritual etabliert. Es verändert unseren profanen Alltag hin zu einer sakralen Grunderfahrung.»

Eine Familie geht im Kreis um den Weihnachtsbaum in der Wohnung. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Weihnachtsideal: Perfekte Harmonie soll man auch zum Fest der Liebe nicht erwarten – dazu raten Psychologen. Colourbox

Doch jeder kennt auch die Geschichten von Feiertagen, an denen unerwartet die Fetzen fliegen. Solche Streitereien werden laut dem Fachmann oft dadurch ausgelöst, dass die Beteiligten überhöhte Erwartungen haben – und in der Folge können Stress und Konflikte entstehen. Walschburger rät deshalb, die eigenen Erwartungen auf ein realistisches Mass zu reduzieren.

Öfter die Kassen nie klingeln?

Weihnachten ist gut für's Geschäft; das ist der landläufige Eindruck. Doch es gibt auch Opposition – auch wegen liebloser und unpassender Geschenke, die alsbald im Müll landen oder nicht wirklich nötig sind: Der Verschwendung und dem gigantischen volkswirtschaftlichen Verlust müsse endlich Einhalt geboten werden – das fordert der US-Wirtschaftswissenschaftler Joel Waldfogel in seinem Buch «Warum Sie diesmal wirklich keine Weihnachtsgeschenke kaufen sollten».

Die weihnachtliche Stimmung kurbelt die Wirtschaft freilich so oder so an. Bei Aktien gibt es laut der Reutlinger Ökonomieprofessorin Anna Goeddeke einen Vorweihnachtseffekt: «Gerade vor Weihnachten verhalten sich Menschen vielleicht nicht immer sehr rational und kaufen Aktien, weil sie positiv gestimmt sind», erklärt sie. Und Studien hätten allgemein ergeben, dass Menschen mehr kaufen, wenn sie glücklicher sind.

Zwei Kinder begutachten ihre Weihnachtsgeschenke unter dem Christbaum. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Skeptische Blicke? Nicht jedes Weihnachtsgeschenk erfüllt das Kinderherz mit Freude. Und die Auswahl sagt oft viel über den Spender. Keystone

Der wahre Wert von Geschenken

All die Mühe, all die Hektik, um doch noch alle Geschenke zu besorgen. Doch schätzen die Beschenkten den Wert der Gaben überhaupt richtig? Die Ökonomen Thomas Bauer und Christoph Schmidt vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung befragten mehr als 500 Studenten. Das Ergebnis: Hätten sie das Geschenk selbst kaufen müssen, hätten die meisten Befragten weniger Geld dafür ausgegeben – im Durchschnitt elf Prozent.

Für den Soziologen Holger Schwaiger haben Geschenke allerdings einen Wert jenseits der Währung: Aus sozialer Sicht spiele ihr materieller Wert keine Rolle. «Es geht um Emotionen», sagt er, «Schenken ist eine Form von sozialer Kommunikation.» Damit die gelinge, müsse man sich Gedanken machen – ein guter Rat für all jene, die sich ganz kurz vor dem Fest noch in einen Kaufrausch hineinsteigern.