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Einstein: «Wie kommt eine Mumie zu ihrem Namen?»
Aus Einstein vom 24.01.2018.
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Verwandt mit der Queen! Die Basler Mumie ist identifiziert

Seit Jahrzehnten gab die Mumie aus Basel den Forschern Rätsel auf. Jetzt hat sie einen Namen und einen Stammbaum, der bis zur Noblesse in Basel und Grossbritannien reicht. Eine wissenschaftliche Sensation.

Die Queen ist ihre eingeheiratete Urururur-Grossnichte – und ihr Urururururur-Enkel heisst Boris Johnson, seines Zeichens britischer Aussenminister. Der Stammbaum von Pfarrersfrau Anna Catharina Bischoff lässt sich wirklich sehen.

Abgesehen von der britischen High-Society findet man darin auch alle Basler Patrizierfamilien. Oder wie man in Basel so schön sagt: «dr Basler Daig». Inklusive der Gründerfamilien der Pharma-Riesen Novartis und Roche.

Nur dank eines DNA-Vergleichs von Mumiengewebe mit heutigen Nachfahren konnte die Identität der Mumie eindeutig bewiesen werden. Eine der Nachfahren ist die 89-jährige Rosemary Probst-Ryhiner aus dem «Daig». Sie lieferte eine Speichelprobe für den entscheidenden DNA-Vergleich.

Legende: Rosemary Probst-Ryhiner beim DNA-Test: Sie ist die Urururururur-Grossnichte der Mumie. SRF

«Tante Annekäthi»

Es sei seltsam gewesen, sich vorzustellen, dass sie mit einer 230 Jahre alten Mumie verwandt sei, meinte Nachfahrin Probst-Ryhiner: «Da muss man sich zuerst mal daran gewöhnen. Es ist ein Schock am Anfang.» Mittlerweile nennt sie ihre Urururururur-Grosstante liebevoll «Tante Annekäthi».

Das grosse Kunststück war allerdings, überhaupt eine lebende Nachfahrin zu finden. Dafür verbrachten Hobby-Genealogen des Bürgerforschungsprojektes Basel tausende Stunden im Basler Staatsarchiv.

Das Leben der Mumie

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Legende: SRF

Die Basler Mumie war Pfarrersfrau, hiess Anna Catharina Bischoff und lebte von 1719 bis 1787. Einen Grossteil ihres Lebens verbrachte sie an der Seite ihres Mannes Lucas Gernler in Wolfisheim in der Nähe von Strassburg, wo ihr Mann als Pfarrer arbeitete. Sie war eher füllig, mit 1,42 Metern auffällig klein und hatte sieben Kinder, von denen nur zwei Töchter überlebten. Nach dem Tod ihres Mannes kehrte Anna Catharina Bischoff nach Basel zurück und starb dort mit 68 Jahren an Syphilis. Das alles konnten die Forscher den Archiven entlocken.

Grab Nummer 105

Die Mumie stammt aus der Barfüsser Kirche, wo sie vor 43 Jahren bei Ausgrabungen zum Vorschein kam. Da Aufzeichnungen der Gräber dieser Kirche fehlten, wusste niemand, wer an diesem Fundort begraben war.

So mussten die Freiwilligen des Bürgerforums in mühsamer Kleinstarbeit Hinweise zusammenkratzen, um den Gräberplan zu rekonstruieren. Nach monatelanger Recherche landeten sie bei Grab 105 – und dem Namen Bischoff. Jetzt galt es, Stammbäume zu wälzen und eine noch lebende Nachfahrin zu suchen.

Eine wissenschaftliche Sensation

Es war das Zusammenspiel dieser DNA-Tests und monatelanger Archivrecherchen, das es möglich machte, der Basler Mumie ihren Namen zurückzugeben. Zwei Jahre dauerte es, bis Anthropologe Gerhard Hotz endlich das Rätsel um die 230 Jahre alte Basler Dame lösen konnte.

«Es ist grossartig und es ist auch wissenschaftlich eine Sensation», so Hotz. Bisher sei es noch nie gelungen, die Identität einer völlig unbekannten Mumie zu entschlüsseln.

Sendehinweis

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Legende:

Einstein begleitete die Spurensuche von Gerhard Hotz und seinen Mitarbeitern zwei Jahre lang: «Einstein und die Basler Mumie», ein Wissenschafts-Krimi der Extraklasse, am 25. Januar um 22.25h auf SRF 1.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von roger tiefenthaler  (rotsch)
    Wenn der Erreger Syphillis durch die Nase unseren Körper infiziert ist es möglich, dass er eine Hirnhautentzündung auslösst, die wissentlich tödlich enden kann...
    Syphilis Genitalis ist meines Wissens nach nicht tödlich... sehr schmerzhaft und "abstossend"...!
  • Kommentar von Hans Hegetschweiler  (hansicomment)
    Wieso litt die Pfarrfrau an Syphillis ?(vom Siegrist?) Wurde sie von Ihrem Mann angesteckt? Aber wieso hatte ein Pfarrer Syphillis? (von der Magd?) Offensichtlich war es schon im 18. Jahrhundert nicht so weit her mit der calvinistischen Sittenstrenge.
    1. Antwort von SRF Kultur (SRF)
      Es gibt folgende Theorie: Als Pfarrersfrau gehörte es damals zu ihren Aufgaben, sich in Armenhäusern zu engagieren. Es ist möglich, dass sie sich den Syphilis-Erreger auf einer Krankenstation voller hustender und blutender Patienten einfing.
    2. Antwort von Thomas Käppeli  (thkaepp)
      Jaja, was nicht sein darf, ist nicht. Erinnert mich an einen Artikel vor vielen Jahren in bdw über Ausgrabungen eines mit Erdreich aufgefüllten Brunnen in einem deutschen Frauenkloster. Das neben zerbrochener Alltagsgegenständen auch noch die Gebeine von ein paar Neugeborenen zutage gefördert wurden, darf man getrost auch als Nichtarchäologe selber interpretieren ;-)
  • Kommentar von Beat Kessler  (KLERUS)
    Wenn wir schon dabei sind. Wir alle sind Nachfahren der einen Frau, der Frau die den ersten Homo Sapiens Sapiens gebar! Demzufolge bin selbst ich mit der Queen verwandt...;) Mit freundlichen Grüssen
    1. Antwort von Arnold Weiss  (A.Weiss)
      Man kann das noch weiter ziehen und behaupten, dass alle von uns mit sämtlichen Mäusen und Affen dieser Welt verwandt sind. Schliesslich hatten wir von hunderten von Millionen Jahren die selben Vorfahren! Sozusagen ist jedes Säugetier mit jedem anderen Verwandt. ;)
    2. Antwort von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
      @ A Weiss... Ja, wir kommen alle aus der gleichen "Ursuppe" oder aus dem gleichen Sumpf.. aber erzaehlen Sie das nicht weiter, es gibt immer noch Menschen die de Geschichte von Adam.. und Eva, der Frau aus seiner Rippe, glauben...