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Hoher Ölpreis Teures Benzin wird kaum zu Boom der Elektromobilität führen

Der Ölpreisschock in den 70er-Jahren bewirkte ein Umdenken. Diesmal dürfte es anders sein, sagt der Umweltökonom Philippe Thalmann.

Wer ein Elektroauto hat und idealerweise noch eine Solarenergieanlage auf dem eigenen Dach zum Tanken – wer so ausgerüstet ist, kann sich derzeit freuen: Die steigenden Preise an den Zapfsäulen wegen des Iran-Kriegs betreffen einen nicht.

Dennoch sei nicht zu erwarten, dass es jetzt bei den Solaranlagen und bei der Elektromobilität einen Boom gebe, sagt Umweltökonom Philippe Thalmann von der EPFL in Lausanne. «Es kommt natürlich darauf an, wie lange der Iran-Krieg andauert und wie weit der Ölpreis noch steigt, aber derzeit erwarte ich kein grösseres Umschwenken der Konsumentinnen und Konsumenten.»

Früherer Anstieg zeigte kaum Auswirkungen

Zu dieser Einschätzung gelangt Umweltökonom Thalmann durch einen Blick zurück: Schon zu Beginn des Ukrainekrieges waren die Benzinpreise hoch: «2022 lagen sie im Durchschnitt über das gesamte Jahr gesehen bei etwa zwei Franken, also nochmals 20 Rappen höher als heute.»

Schätzungen aufgrund früherer Preisschwankungen zeigten, dass der Verbrauch bei einer Preissteigerung von zehn Prozent um nur ein bis zwei Prozent abnehme.

Benzinpreise waren vorher sehr tief

Dazu kommt, dass die Benzinpreise vor dem Anstieg sehr tief waren. «Schon in den 80er-Jahren hatte man teilweise einen Franken und 80 Rappen für einen Liter Benzin bezahlt», sagt Thalmann, «und damals waren die Einkommen deutlich geringer».

Und wenn man die Inflation noch einberechnet und die Tatsache, dass die Autos heute deutlich weniger Benzin verbrauchen, dann ist der Preis pro gefahrenen Kilometer heute nochmals deutlich tiefer.

Im Vergleich zu früher, ist Autofahren auch jetzt mit den gestiegenen Preisen immer noch günstig.
Autor: Philippe Thalmann Umweltökonom

«Ein VW Golf in den 80er-Jahren schluckte noch 9 Liter Benzin auf 100 Kilometer, ein heutiger Hybrid-Golf hingegen verbraucht noch 1.4 Liter.» Der Benzinpreis schlägt also nicht mehr so stark aufs Budget wie früher.

Unterschiede zum Ölpreisschock der 70er-Jahre

Beim ersten Ölpreisschock hingegen im Jahr 1973 schnellte der Ölpreis von zwei auf 11 Dollar pro Barrel Öl hinauf. 1979 kam dann der zweite Schock als der Preis auf 30 Dollar kletterte.

«Das war damals für alle eine grosse Überraschung, weil man davon ausging, dass fossile Energie quasi in unbegrenzten Mengen zu niedrigsten Preisen vorhanden sei», sagt Thalmann. Damals fand ein Umdenken statt und man begann, die Autos ein wenig sparsamer zu bauen.

Ärmere Autofahrer am ehesten betroffen

Trotzdem findet es Thalmann erstaunlich, dass die Autokäufer heute nicht genauer rechneten. «Elektroautos sind zwar etwas teurer in der Anschaffung, aber auf die Dauer ist es günstiger mit Strom zu fahren und auch die Wartung ist deutlich günstiger.»

Wer also vorgesorgt hat und sein E-Auto sogar mit günstigem Strom vom eigenen Dach tanken kann, ist jetzt im Vorteil. Benachteiligt durch den Anstieg der Benzinpreise seien hingegen ärmere Menschen, und zwar am ehesten, wer wenig Geld habe, auf dem Land lebe und auf ein Auto angewiesen sei, sagt Thalmann, «aber wie gesagt, im Vergleich zu früher, ist Autofahren auch jetzt mit den gestiegenen Preisen immer noch günstig.»

Radio SRF 4 News, 13.3.2026, 16:35 Uhr

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