Warum steigen die Preise? Seit Ausbruch des Iran-Kriegs reagieren die Energiemärkte nervös. Der Ölpreis ist gestiegen – und damit auch der Treibstoffpreis. In der Schweiz lag ein Liter Bleifrei Anfang Jahr noch bei rund 1.65 Franken, inzwischen kostet er vielerorts 1.79 Franken oder mehr, teilweise sogar über 2 Franken. «Die Einkaufspreise von Benzin und Diesel sind sofort rasant gestiegen», sagt Marcel Staub, er besitzt im Kanton Zürich eine Tankstelle. Und der Einkaufspreis werde natürlich teilweise an die Kundinnen und Kunden weitergegeben, denn man wolle ja kein Verlustgeschäft machen.
Wie setzt sich der Benzinpreis zusammen? Der Preis an der Zapfsäule besteht aus drei Hauptteilen: dem internationalen Ölpreis, den Vertriebskosten für Transport, Lagerung und Verkauf sowie Steuern und Abgaben. Letztere machen etwa die Hälfte des Preises aus. Dazu kommen weitere Faktoren wie Transportwege oder Währungsschwankungen. «Beispielsweise spürt man im Sommer, wenn es länger heiss ist und der Rhein in Basel weniger Wasser führt und weniger Schiffe fahren können, das auch beim Benzinpreis», erklärt Lucia Theiler, SRF-Wirtschaftsredaktorin. Tankstellenbesitzer Staub nennt einen weiteren Faktor: «Eine freie Tankstelle, wie ich sie habe, kann oft etwas günstigere Preise anbieten, weil ich keinen Zwischenhändler bezahlen muss.»
Warum steigen die Preise oft schneller, als sie sinken? Ökonominnen und Ökonomen sprechen vom «Rocket and Feather Effect»: Preise schiessen bei Ereignissen wie Kriegen wie eine Rakete nach oben, weil auf dem Markt sofort grosse Unsicherheit besteht. Dann sinken die Preise aber nur langsam wie eine Feder. Ein Grund: «Tankstellen wollen verhindern, dass sie Treibstoff, den sie teuer eingekauft haben, später mit Verlust verkaufen müssen. Deshalb bleiben die Preise oft länger hoch», so Wirtschaftsredaktorin Theiler.
Dürfen die Tankstellen einfach immer höhere Preise verlangen? Ja. In der Schweiz gibt es keine festen Benzinpreise. Einen Einblick gibt Tankstellenbesitzer Marcel Staub. Tankstellen erhalten täglich Angebote von Lieferanten und schlagen dann ihre eigene Marge darauf. «Man muss aber immer auch schauen, was die Mitbewerber ringsherum machen.» Zu hohe Preise würden die Kundschaft abschrecken, tiefe Preise zwar zusätzliche Leute anlocken, dafür die Marge verkleinern. Grundsätzlich «spielt hier der freie Markt und Tankstellen können Preise selbst bestimmen», sagt Wirtschaftsredaktorin Lucia Theiler. Solange die Tankstellen sich nicht untereinander absprechen, greift der Preisüberwacher nicht ein.
Wie stark werden die Benzin- und Dieselpreise noch steigen? «Wir hoffen natürlich, dass wir bei uns unter zwei Franken bleiben können», sagt Tankstellenbesitzer Marcel Staub. Eine klare Prognose ist schwierig. «Fachleute halten aber Preise über zwei Franken pro Liter für realistisch, wenn die Spannungen im Nahen Osten anhalten oder der Ölpreis weiter steigt», so Wirtschaftsredaktorin Lucia Theiler. Entscheidend bleibt, wie sich die Lage auf den globalen Energiemärkten entwickelt.
Wie kann man Sprit sparen? Der TCS empfiehlt einfache Massnahmen: Reifendruck regelmässig kontrollieren, unnötiges Gewicht aus dem Auto entfernen und möglichst früh in den höheren Gang schalten. Wer vorausschauend fährt und starkes Beschleunigen vermeidet, kann laut TCS bis zu 30 Prozent Treibstoff sparen.