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«Veganuary» Vegan durch den Januar – nervig oder trifft es einen Nerv?

Einen Monat auf pflanzenbasierte Ernährung umstellen: Expertinnen liefern Antworten dazu, was die Challenge mit der Psyche macht.

31 Tage lang weder Fleischspiess, Fischfilet noch Fruchtjoghurt – stattdessen eine Zeit lang vegan leben. Das ist die Idee des «Veganuary», für den weltweit hunderttausende Menschen im Januar auf pflanzenbasierte Kost umstellen. Was einem das bringt? Fünf Antworten aus der Wissenschaft.

Verzicht kann Heisshunger wecken – vorübergehend

Nach dem Verzicht kommt das Verlangen. Folgt auf die Diät umso mehr Hunger auf Fleisch und Milchprodukte? «Das kann es geben», sagt die ernährungspsychologische Beraterin Silvia Schmidt.

So funktioniere leider das Gehirn: Verbotenes sei besonders interessant. Schwierig werde es da, wo die Challenge zum Müssen werde. Wenn man keine Freude am Ersatzprodukt hat, sondern sich zwingen muss, auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten: «Dann kann es nachher überschwappen ins Umgekehrte. Aber auch das pendelt sich nach ein paar Tagen wieder ein», beruhigt Schmidt.

Wer sich dafür interessiert, hat eher Erfolg

Nicht für alle ist es realistisch, für einen Monat alte Gewohnheiten durch neue zu ersetzen. Zumindest Interesse an Veränderung braucht es für den Erfolg – denn: «Eine Ernährungsumstellung ändert ja auch den Lebensstil», meint Psychologin Schmidt. «Wenn man sich im Körper nicht wohlfühlt und das Gefühl hat, eine angepasste Ernährung würde einem helfen,­ dann ist eine Umstellung möglich.»

Was ist der «Veganuary» und was soll das bringen?

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«Veganuary» ist ein Kofferwort aus «vegan» und «January». Die gleichnamige Organisation in England rief die Kampagne 2014 ins Leben. Sie soll Menschen ermuntern, einen Monat lang vegane Ernährung auszuprobieren. In der Schweiz findet die Kampagne zum vierten Mal statt. Nach Angaben der gemeinnützigen Organisation hatten sich im vergangenen Jahr weltweit 629’000 Menschen dafür angemeldet.

Mit einer veganen Ernährung kann man klimaschädliche Emissionen, die beim Anbau und der Produktion von Lebensmitteln entstehen, deutlich senken. So wäre der CO₂-Abdruck einer ausgewogenen, veganen Ernährung laut WWF etwa 35 bis 40 Prozent geringer als der durchschnittliche, tierbasierte Ernährungsstil der Schweiz.

Ähnlich sieht das Christine Schäfer, Trendforscherin am Gottlieb Duttweiler Institut: «Ich kann mir vorstellen, dass vor allem Menschen beim ‹Veganuary› mitmachen, die sich ohnehin mit ihren Essgewohnheiten auseinandersetzen», vermutet Schäfer, «der Typ Vegetarier oder Flexitarierin.»

In 31 Tagen lernt man seinen Geschmack kennen

Die Dauer der Monats-Challenge kann die Ernährungsumstellung erleichtern. Einfach mal vier Wochen versuchen, das findet Schäfer interessant: «Weil man dann eine klare Ziellinie vor Augen hat und nicht überwältigt ist von so viel Verzicht.»

Es muss einem selbst gut gehen bei dem, was man zu sich nimmt.
Autor: Silvia Schmidt Ernährungspsychologische Beraterin

Gleichzeitig hilft die längere Zeitdauer, sich selbst besser kennenzulernen: «Man merkt dann, was man auch in einem Tief gerne isst, in verschiedenen Stimmungslagen», sagt Ernährungsexpertin Schmidt. «So kann man jeden Aspekt im Leben ein bisschen ausprobieren.»

Die beste Motivation ist, wenn es schmeckt

Psychologin Schmidt erzählt von Fällen aus ihrer Praxis, wo der Gedanke an die Umwelt so gross geworden sei, dass Patientinnen und Patienten intensiv aufs Essen geschaut, dabei aber eigene Bedürfnisse zurückgesteckt hätten. «Das ist dann etwas gefährlich, wenn man es unbedingt richtig machen will und sich selbst dabei vergisst.»  

Am meisten motiviert also der Appetit: «Es muss einem selbst gut gehen bei dem, was man zu sich nimmt.»

Der «Veganuary» trifft einen Nerv

Kann die Januars-Challenge also die Gewohnheit ändern oder ist der «Veganuary» einfach gutes Marketing? «Ursprünglich ging es beim ‹Veganuary› um ein Umdenken, die Anpassung der Gewohnheiten», meint Trendforscherin Christine Schäfer vom Gottlieb Duttweiler Institut. «Aber natürlich haben Unternehmen auch die Marketingpower hinter dem Begriff entdeckt. Es hat sicher beides.»

Video
Aus dem Archiv: Vegan als Marketingtrend
Aus 10 vor 10 vom 04.02.2021.
abspielen. Laufzeit 3 Minuten 30 Sekunden.

Dem Trend folgend setzen Restaurants und Supermärkte vermehrt auf ein veganes Sortiment. Auch die Zahl der Vegetarierinnen und Veganer nehme zu. Vegan leben laut Umfragen des Interessenverbands «Swissveg» rund 42'000 Menschen in der Schweiz, fast zehnmal so viele ernähren sich vegetarisch.

Rendez-vous, 04.01.2023, 12:30 Uhr

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36 Kommentare

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  • Kommentar von SRF (SRF)
    Liebe Community, wir schliessen an dieser Stelle die Kommentarspalte. Vielen Dank fürs Mitdiskutieren!
  • Kommentar von Willi Meier  (wm)
    Vegan zu essen erfordert umfangreiche Kenntnisse, welche den Meisten fehlen. Für die meisten Menschen dürfte ein "Veganuary" deshalb in keiner Weise gesundheitsförderlich sein. Wenn schon, dann eher vegetarisch als vegan!
  • Kommentar von Philipp Notter  (Phil1)
    Saisonales, frisches und regionales Essverhalten erscheint mir vernünftiger und gesünder als veganes…
    1. Antwort von Werner Gerber  (1Berliner)
      Noch besser in der Kombination
    2. Antwort von Philipp Notter  (Phil1)
      @Werner Gerber: Eine gesunde, vernünftige Ernährung geht auch veganfrei
    3. Antwort von Werner Gerber  (1Berliner)
      Klar und sie geht auch vegan.
  • Kommentar von Michel Koller  (Mica)
    Nervig ist allein das Predigen, aber sonst juckt es mich nicht, wenn andere sich vegan, wenn auch nur für einen Monat, ernähren. Mein Fleischkonsum ist, verglichen zur früher, deutlich gesunken, aber ich habe auch kein Problem oder gar Scham mit meinem Essverhalten. Nur die Fleischersatzprodukte... bäääh. Dabei habe ich mit der Patentochter sicher schon an die 80 Produkte durchprobiert. Da mache ich mir lieber ein Ratatouille, mal ausnahmsweise ohne Speckwürfelchen.