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Ist Vertical Farming die Landwirtschaft der Zukunft?
Aus Wissen Webvideos vom 23.09.2021.
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Vertical Farming Kommt unser Gemüse bald aus dem Hochhaus?

Die vertikale Landwirtschaft verspricht eine effizientere Produktion von Lebensmitteln. Öko-Trend oder ein Zukunftsmodell?

Vertical Farming – die vertikale Landwirtschaft – wird weltweit in immer grösserem Stil betrieben. Hier werden Radieschen, Rucola, Sonnenblumen oder Mais in mehrstöckigen Gewächshäusern gezüchtet – hocheffizient und nachhaltig.

In den USA, in China, Russland oder im mittleren Osten stehen bereits riesige Anlagen. Google investierte und auch der Milliardär und Amazon-Gründer Jeff Bezos ist im Geschäft.

Der kontrollierte Anbau von Gemüse verspricht die Lösung einiger Probleme der Landwirtschaft: Nährstoffe werden gezielt verabreicht, die Ernten sind beständig, geerntet wird rund um die Uhr und die Qualität kann weitgehend kontrolliert werden.

Doch es gibt einen grossen Nachteil: Die Stromkosten sind immens.

Automatisierung wird zur Maxime

Grössere Betreiber versuchen, die hohen Stromkosten über mehr Ertrag und Effizienz zu senken. Je grösser eine Anlage, desto mehr wird automatisiert: Robotersysteme säen, bewässern, lichten, ernten, verpacken und beschriften weitgehend automatisch. Doch das reicht nicht.

Die Frage ist nicht, ob Vertical Farming funktioniert – das ist bekannt und bewiesen.
Autor: Mark Zahran Mitgründer und CEO von «YASAI»

Oft betreiben die grossen Firmen neben ihren Indoor-Farmen eigene Forschungsabteilungen, um alle Prozesse um Anbau und Rezepturen in der Pflanzenzucht zu optimieren.

«Die Frage ist nicht, ob Vertical Farming funktioniert – das ist bekannt und bewiesen», sagt Mark Zahran, Mitgründer des Schweizer Food-Start-ups YASAI. «Die aktuelle Frage lautet: Wie kann man Vertical Farming skalieren?»

Das Zauberwort: Skalierbarkeit

Damit industrielles Vertical Farming im grossen Stil rentabel ist, muss die Anbau-Methode auch für sehr grosse Produktionsanlagen funktionieren.

YASAI baut dafür im Zürcherischen Niederhasli eine erste hochautomatisierte Pilotanlage. Sie besteht aus Modulen, die zu einer beliebig grossen Produktionsanlage zusammengesetzt werden können. Jedes dieser Module kann Klimazonen für verschiedene Pflanzen imitieren und funktioniert eigenständig.

Ihr technisches System will die kleine Firma in alle Welt verkaufen. Etwa in Gegenden, in denen Wasser besonders knapp ist, denn Wasser wird in den Modulen rezykliert. Oder in Gegenden, in denen nicht genügend landwirtschaftliche Flächen zur Verfügung stehen.

Mehr Schweizer Gemüse – weniger Importe

In diesem Ansatz liegt so viel Potenzial, dass sich in der Schweiz bereits Investoren für das Projekt finden liessen. Zudem ist das Vorhaben als «Innosuisse»-Forschungsprojekt aufgestellt: Zusammen mit der ZHAW, Agroscope und der Agrargenossenschaft Fenaco wird versucht, sämtliche Anbau- und Arbeitsprozesse am Modul zu optimieren.

Chance für die Schweizer Landwirtschaft

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Auch für die Schweizer Landwirte könne es interessant werden, künftig einen Teil ihrer Produktion als Vertical Farming zu betreiben.

Viele Probleme der konventionellen Landwirtschaft könnten behoben werden: Pestizideinsatz, mineralische Dünger und Bearbeitung mit schweren Maschinen, die über Jahrzehnte die Böden belastet haben. Doch der Anbau indoor bleibt vorerst auf kleineres Grün, kleine Früchte und Gemüse beschränkt, die in einer Nährstofflösung wachsen können. Dadurch ist es schwierig, schon heute grosse Kalorienmengen zu produzieren.

Daniel Schwab von der Fenaco begleitet das Projekt. Er sieht im Vertical Farming eine echte Chance für die Schweizer Landwirtschaft: «Hier liegt das Potential, den Anteil des Schweizer Gemüses zu erhöhen und damit Importe abzulösen. Und das ist eines der Ziele, die wir verfolgen.»

Die Schweiz in der Führungsrolle?

Noch leistet Vertical Farming erst einen kleinen Beitrag in der Landwirtschaft und der Hunger der Welt wird dadurch sicher nicht gestillt, davon ist auch Stephan Sigrist vom Schweizer Thinktank WIRE überzeugt.

Swiss Food and Nutrition Valley

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Seit 2020 formiert sich eine Art neues Silicon Valley für die Foodbranche in der Schweiz: das «Swiss Food and Nutrition Valley» – eine landesweite Initiative aus Forschung und Industrie, die Innovationen im Nahrungsmittelsektor fördern will, um für die Zukunft besonders nachhaltig und effizient Lebensmittel zu produzieren.

Er hofft, dass die Schweiz eine Führungsrolle auf diesem Gebiet einnehmen kann. «Der Schweiz attestiert man hohe Kompetenz in der Landwirtschaft und wir haben exzellente Expertise in der Technologie-Entwicklung», so Sigrist. «Wenn wir es schaffen, diese beiden Eigenschaften zu vereinen, dann wäre das ähnlich bahnbrechend, wie bereits in den 1970er Jahren beim Internet, wo ebenfalls eine Idee aus der Schweiz die ganze Welt verändert hat».

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Vertical Farming: Gemüse aus dem Hochhaus
Aus Einstein vom 23.09.2021.
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Einstein, 23.09.2021, 21:00 Uhr

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22 Kommentare

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  • Kommentar von René Balli  (René Balli)
    Die 2000 Kalorien pro Mensch und Tag müssen immer noch in der freien Natur produziert werden, Vertical Farming produziert höchstens die Beilage! Ich musste ein wenig schmunzeln als im Filmbeitrag erklärt wurde, dass ein ökologisches System umso besser funktioniert, je mehr Biodiversität vorhanden ist.- Müssen wir vorerst alles zerstören um im Nachhinein herauszufinden, dass wir am Anfang eigentlich schon alles hatten. Die Biodiversität zu schützen wäre nachhaltiger als diese Stromfresser!
  • Kommentar von Lukas Gubser  (Mastplast)
    Man versucht alles in der Schweiz um nicht zugeben zu müssen das wir einfach zu viele Menschen sind auf die Fläche gesehen.
    1. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Welch Erkenntnis Sie uns präsentieren. Natürlich gänzlich ohne Lösung.
    2. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      M.Koller, es gäbe u.gab viele Möglichkeiten, das Bev'wachstum zu bremsen. Aber was nützen Lösungsvorschläge, wenn ein Gros der CHer Stimmbürger sie ablehnt? Man hätte vieles tun od.lassen können, es wurde aber meistens zugunsten des Wirtschaftswachstums/Wohlstands entschieden. Annahme der folgeschweren PFZ zB, oder die Umsetzung der MEI, Ecopopinitiative, in der der Grüne Thommen die Zuwanderung limitieren, Entw'gelder für freiwillige Fam'planung einsetzen wollte. Auch Kinderzulagen wären Thema.
  • Kommentar von Peter Müller  (PeRoMu)
    Vertical Farming sei die Lösung einiger Probleme der Landwirtschaft: 'Nährstoffe werden gezielt verabreicht, die Ernten sind beständig, geerntet wird rund um die Uhr und die Qualität kann weitgehend kontrolliert werden'. Einmal mehr Augenwischerei und Ablenkung von Problemlösungen, die entweder seit Jahr und Tag in der Schublade sind oder durch konsequente Durchsetzung von griffigen Vorgaben problemlos umsetzbar wären. Meine Beurteilung mit dem Vokabular der Landwirtschaft: CHABIS!