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Kuscheln statt Kämpfen Berührung beruhigt – uns und unsere nächsten Verwandten

Manche Verhaltensweisen reichen weiter zurück, als man denkt. Eine neue Studie zeigt, wie Schimpansen und Bonobos Körperkontakt einsetzen – und liefert Hinweise auf einen gemeinsamen Ursprung, der Jahrmillionen zurückliegt.

Sanfte Berührungen, Umarmungen und Händchenhalten – physischer Kontakt ist ein wichtiger Teil unseres Zusammenlebens. Doch wir Menschen sind nicht die einzigen Menschenaffen, die körperlich kommunizieren.

Dass sich Schimpansen und Bonobos nach Konflikten berühren, um sich zu trösten, ist bereits bekannt. Neu ist: Körperkontakt wird auch vorbeugend angewendet, noch bevor ein Streit überhaupt entsteht.

Collage von Bonobos in verschiedenen sozialen Interaktionen in einer natürlichen Umgebung.
Legende: Genitalberührungen und Händchenhalten bei Bonobos, Mund-Körper-Kontakt und Umarmungen bei Schimpansen: Die Gesten unterscheiden sich, aber alle dienen der Stärkung sozialer Bindungen. LOLA YA BONOBO SANCTUARY/WILDLIFE ORPHANAGE TRUST

In der aktuellen Studie wurden Schimpansen und Bonobos in Auffangstationen in der Demokratischen Republik Kongo und in Sambia beobachtet. Mit einem bekannten Geräusch wurden die Tiere an den Rand des Geheges gelockt – sie wussten, es wird bald Futter geben. Einige Minuten später gab es eine knappe Ration Erdnüsse – eine Situation mit Eskalationspotenzial.

Körperliche Berührung als uraltes Harmonie-Werkzeug

In vier von fünf Gruppen zeigte sich: Je mehr sich die Tiere vorher berührten, desto friedlicher frassen sie später nebeneinander.

Bei den Berührungen blieb es nicht nur bei Umarmungen oder Händchenhalten. Manche Schimpansen-Männchen steckten sich gegenseitig ihre Finger in den Mund. Ein Vertrauensbeweis, sagen die Forschenden – riskant, denn im Kampf beissen sich Schimpansen-Männchen auch mal gegenseitig die Finger ab.

Bonobos und Schimpansen gehören zu unseren nächsten Verwandten. Dass diese körperlichen Gesten auch bei ihnen beobachtet werden, spricht laut den Forschenden dafür, dass sie bereits bei unseren gemeinsamen Vorfahren existiert haben – vor über sechs Millionen Jahren. Körperliche Berührung wäre somit ein uraltes Werkzeug zur harmonischen Gruppenbildung und Friedenssicherung – und bis heute Teil unseres Soziallebens.

Resultate sind mit Vorsicht zu interpretieren

Box aufklappen Box zuklappen

In der fünften Gruppe war das Verhalten genau umgekehrt: Mehr vorgängige Berührungen führten zu mehr Konflikten bei der limitierten Futtervergabe.

Diese Beobachtung macht die Forschenden vorsichtig mit der Interpretation ihrer Resultate. Möglicherweise spielen auch frühere Erfahrungen der Gruppe mit Aggression eine Rolle, die sowohl das Beruhigungsverhalten als auch das Verhalten beim Fressen beeinflussen – ähnlich komplexe Gruppendynamiken, wie wir sie von uns Menschen gewohnt sind.

Regionaljournal Basel Baselland, 15.7.2026, 17:30 Uhr ; 

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