Darum gehts: Schönes Wetter – gerade wie in diesen Tagen – kann schnell in ein Gewitter umschlagen. So geschehen etwa am vergangenen Wochenende in Baden-Württemberg: Ein Unwetter überrascht bei einem Zeltlager auf einem Sportplatz. Als ein Blitz in eine Zeltstange einschlug, wurden neun Menschen verletzt. Sieben von ihnen mussten mit mehrheitlich leichten Verletzungen ins Spital. Wie kommt es, dass ein einziger Blitz gleich neun Personen verletzt? Was passiert bei einem Blitzeinschlag im Körper? Und wie schützen wir uns in einer solchen Situation?
Wie uns ein Blitz treffen kann: Im gefährlichsten Fall trifft uns ein Blitz direkt und schiesst innerhalb von Millisekunden durch den Körper. Schlägt ein Blitz hingegen in einen Baum oder ein anderes Objekt ein, breitet sich die elektrische Spannung im Boden kreis- oder trichterförmig vom Einschlagpunkt aus. So kann sie Menschen in bis zu 30 Meter Entfernung erreichen. Stehen wir näher am Einschlagobjekt, kann der Blitz auch auf uns überschlagen. Der hohe Wasseranteil macht den menschlichen Körper zu einem guten Stromleiter. Weitere Gefahren bestehen, wenn wir mit einem metallenen Objekt in Kontakt stehen, in das ein Blitz einschlägt.
Diesen Weg nimmt der Blitz: Bei einem direkten Einschlag schiesst der Blitz innert kürzester Zeit mit einer gewaltigen Stromstärke von 200’000 Ampere durch den Körper. Überleben können dies Menschen nur, weil der Strom dabei oft nicht direkt durch das Körperinnere fliesst. Stattdessen fliesst der Strom auf der Körperoberfläche ab. Dabei kann der bis zu 30’000 Grad heisse Blitz auch Verbrennungen hinterlassen. Für Menschen und Tiere sind Blitze nicht nur direkt, sondern auch indirekt gefährlich. Zum Beispiel wegen umgestürzter Bäume und Äste. Viel häufiger verursachen Blitze allerdings Brände und technische Störungen.
Wie ein Blitz im Körper wirkt: Gelangt der Blitzstrom in den Körper, kann er Gewebe und Organe in Mitleidenschaft ziehen. Der Strom bringt die im Körper vorherrschenden natürlichen elektrischen Ladungen durcheinander. Zu welchen Verletzungen es dabei kommt und wie schwer die Schäden sind, hängt davon ab, wo und wie der Mensch getroffen wurde. So kann es in seltenen Fällen auch zum abrupten Herzstillstand kommen. Häufiger sind Muskel- und Nervenstörungen.
Wie häufig Blitze einschlagen: In der Schweiz schlagen gemäss der Nationalen Plattform Naturgefahren jährlich rund 150’000 Blitze ein. Genaue Zahlen zu Blitzopfern gibt es nicht. Laut einer Auswertung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft kam es zwischen 1946 und 2015 schweizweit zu 164 Todesopfern. Das Universitätsspital Zürich berichtet über etwa zwei Patientinnen und Patienten in fünf Jahren.
Was vor Blitzeinschlägen schützt: Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) rät, sich bei einem aufziehenden Gewitter möglichst in Schutz zu bringen. Verstreichen zwischen Blitz und Donner weniger als zehn Sekunden, sollte man sich gemäss BFU nicht mehr im Freien aufhalten. Ist kein Gebäude zugänglich, kann auch eine Höhle oder ein Felsvorsprung Schutz bieten. Höhen, offene Flächen und Gewässer sind zu meiden. Zu Masten, Metallkonstruktionen, Gebäuden oder Bäumen sind mindestens drei Meter Abstand zu halten. Wer keinen sicheren Unterschlupf findet, sollte eine Kauerstellung mit geschlossenen Füssen einnehmen.