Samstagmorgen. Gartenschere in der Hand: Der Kirschlorbeer an der Grundstücksgrenze ist schon wieder unglaublich dicht, nebenan schwärmt die Nachbarin vom Sommerflieder voller Schmetterlinge. Beide wirken harmlos – sind es aber nicht zwangsläufig.
Beide sind nämlich Neophyten: Pflanzen, die in den letzten 500 Jahren in die Schweiz gebracht wurden. Von rund 730 solcher Arten gelten laut Bafu nur 89 als invasiv – sie verdrängen einheimische Pflanzen und schaden Ökosystemen. Diese wenigen haben es aber in sich. Wer so eine Pflanze im Garten hat, muss sie meist nicht sofort entfernen – wichtig ist aber, ihre Ausbreitung zu verhindern.
Ein Streifzug durch sechs Beispiele: drei Problemfälle, drei Entwarnungen.
Die Problemfälle:
- Kirschlorbeer: Der blickdichte Heckenklassiker dringt zunehmend in Wälder ein und sorgt mit seiner grossen Schattentoleranz dafür, dass der Waldboden ganzjährig verdunkelt wird. So verhindert er die Ausbreitung heimischer Bäume. Ausserdem sind die Beeren und Blätter des Kirschlorbeer für Igel und Rehe giftig. Der Verkauf und das Verschenken dieser invasiven Art ist deshalb schweizweit verboten.
Tipp: Regelmässig zurückschneiden, bevor Vögel die Beeren verbreiten. Besser noch: weg damit.
- Sommerflieder: Er lockt Falter mit seinem Nektarduft an, die dort ihre Eier ablegen. Allerdings können die schlüpfenden Raupen die Blätter nicht fressen und verhungern. Der violette Zauselkopf trägt so zum Rückgang einheimischer Schmetterlingspopulationen bei.
Tipp: nach der Blüte, vor der Samenreife zurückschneiden.
- Drüsiges Springkraut: Gesetzlich verboten – aus gutem Grund. Berührt man eine reife Kapsel, schiesst sie ihre Samen meterweit über die Gartengrenze hinaus und breitet sich auf Kosten einheimischer Arten aus. Fies: Der Schaden bleibt, auch wenn die Pflanze längst weg ist. Sie verändert die Bodenpilze, auf die einheimische Pflanzen für ihre Nährstoffversorgung angewiesen sind. Deshalb tun sich diese am selben Standort noch lange schwer, wieder Fuss zu fassen.
Tipp: vor der Blüte ausreissen, über Kehricht entsorgen.
Die unbedenklichen Exoten:
- Ginkgo: Der Ginkgo gilt als «lebendes Fossil», dessen Art sich seit rund 200 Millionen Jahren kaum verändert hat. Seine Blätter enthalten Bitterstoffe, die für die meisten Insekten giftig oder ungeniessbar sind, weshalb er kaum von Schädlingen befallen wird. Und: Er ist hitzeresistent und wird deshalb zunehmend als Klimabaum gepflanzt, etwa von Grün Stadt Zürich.
Tipp: Beim Kauf aufs Geschlecht achten. Die Samen weiblicher Bäume riechen beim Zerfallen streng nach ranziger Buttersäure.
- Dahlie: Bevor sie in europäischen Gärten landete, war die Dahlie in Mexiko als Gemüse bekannt – die Azteken assen ihre Knollen. Erst hier wurde daraus eine Zierpflanze mit inzwischen über 20’000 Sorten. Ausbreiten kann sie sich trotzdem nicht selbstständig: Ihre Knollen überstehen keinen Winter draussen.
Tipp: nach dem ersten Frost ausgraben, kühl und trocken lagern. Im Frühling treiben sie zuverlässig wieder aus.
- Lavendel: Der mediterrane Einwanderer zeigt bei uns keine invasiven Tendenzen: trocken- und hitzeverträglich, ungiftig, bienenfreundlich.
Tipp: nach der Blüte zurückschneiden, aber nie bis ins alte, verholzte Holz. Sonst treibt die Pflanze dort nicht mehr aus.