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Morteratsch-Gletscher soll mit Beschneiung gerettet werden
Aus Kultur Webvideos vom 27.11.2020.
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Umstrittenes Projekt Kann Kunstschnee den Morteratsch-Gletscher retten?

Der Morteratsch-Gletscher schmilzt im Rekordtempo. Der Schweizer Glaziologe Felix Keller will das mit einer riesigen Beschneiungsanlage verhindern.

Der Morteratsch-Gletscher verliert jährlich zirka 50 Meter an Länge. Ende des 21. Jahrhunderts wird er praktisch verschwunden sein. Ein Forschenden-Team von mehreren Schweizer Fachhochschulen unter der Leitung des Glaziologen Felix Keller will den Gletscherschwund mit technischen Mittel aufhalten.

Ihre Methode beruht auf der Tatsache, dass unter einer Schneeschicht das Gletschereis konserviert wird. Schnee reflektiert die Sonnenstrahlen sehr effizient. Die Strahlen dringen erst gar nicht bis zum Eis vor.

«Schnee ist der beste Eisschutz. Unter dem Schnee schmilzt kein Kilogramm Eis», sagt Felix Keller. Die Berechnungen der Forscher zeigen: Läge während des Sommers eine Schneeschicht auf dem Gletscher, könnte der Morteratsch-Gletscher 50 Jahre länger am Leben gehalten werden.

Schneedüsen an Seilen

Deshalb soll der Morteratsch beschneit werden. Die geplante Anlage ist riesig. Da sich der Gletscher bewegt, kommen herkömmliche, bodengestützte Schneekanonen nicht in Frage. Nun sollen Hunderte von Düsen, an Seilen aufgehängt, einen ganzen Quadrat-Kilometer des Gletschers beschneien.

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Mission Gletscherrettung
Aus Einstein vom 26.11.2020.
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Die sogenannten «Schneiseile» werden an Fachhochschulen in Zusammenarbeit mit Schweizer Industriepartnern entwickelt. Die Technik ist neu und muss den Feldtest erst noch bestehen. Ein weiterer Knackpunkt wird das Wasser sein, das für die Beschneiung benötigt wird.

Das Projekt hat Strahlkraft, das internationale mediale Interesse ist gross. Es wäre in der Grösse und Art die weltweit erste Gletscherrettung. Und da Gletscher nicht nur touristisch wertvoll, sondern auch ein wichtiger Wasserspeicher sind, findet das Projekt breite Unterstützung.

Die Mission Gletscherrettung soll auf 30 Jahre angelegt sein. Die Kosten werden auf 100 Millionen Franken geschätzt.

Kritik am Gletscherrettungs-Projekt

«Die Kosten sind gigantisch», meint der Glaziologe Matthias Huss, der das Gletscherrettungs-Projekt kritisch analysiert hat. Es sei ein massiver, landschaftlicher Eingriff in diese gesunde Bergregion. Man müsse sich gut überlegen, wie weit man gehen wolle, um einen einzigen Gletscher zu retten, meint Huss.

Legende: Gegner des Beschneiungsprojekts kritisieren: Eine solche Anlage wäre ein massiver Eingriff in eine gesunde Bergregion. imago images / imagebroker

Der Glaziologe stellt auch die technische Machbarkeit infrage und bezweifelt, dass genügend Wasser für die Beschneiung zur Verfügung steht. All diese Fragen und Kritikpunkte werden derzeit im Rahmen eines Vorprojektes geklärt.

Für diese Vorstudie hat der Bund zwei Millionen Franken Fördergelder gesprochen. Noch diesen Winter sollen die Schneiseile im Engadin im Feld erprobt werden. Erst nach Abschluss dieser Versuche wird man wissen, ob sich Technologie auch ausserhalb des Labors bewährt.

Sendung: Einstein, 26.11.2020, SRF1, 21.05 Uhr;

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30 Kommentare

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  • Kommentar von marianne schweizer  (netuniM20)
    Das ist wieder mal Mensch wie er leibt und lebt. Gletscher beschneien an Stelle von Lebensstil ändern, um die Erderwärmung zu stoppen. Dieses Geld würde z. Bsp. in der Entwicklung von alternativen Energien sinnvoller eingesetzt.
  • Kommentar von Noah Schmid  (Schmid)
    Wäre noch interessant zu wissen zu welchem Zweck, wenn man jetzt schon weiss, dass der Gletscher so oder so verschwinden wird (einfach verzögert).
    Wenn man Wasser sparen/speichern wollte, dann könnte man einen Gletscher auch durch einen Stausee bzw. Staudamm ersetzen und damit auch noch gleich Strom produzieren.
  • Kommentar von Rolf Michel  (Mosses01)
    was für eine perverse Idee, unten im Tal wird kräftig weiterhin mit Heizoel geheizt und demnächst werden in diesem Land 12+ Mio. Menschen wohnen...