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Waldbrände in Frankreich Rotes Pulver: Was Frankreich über seinen Wäldern verteilt

Ein auffällig roter Stoff soll die verheerenden Waldbrände in Frankreich ausbremsen. Dabei trifft Chemie auf neueste Flugzeugtechnologie – und gleichzeitig werden Bedenken laut.

Über den Wäldern im Süden Frankreichs regnet derzeit ein rosafarbener Stoff vom Himmel. Dabei handelt es sich um einen Brandverzögerer, im Fachjargon Retardant genannt. Dieser wird über Gebiete abgeworfen, die vom Brand noch nicht betroffen, aber akut gefährdet sind.

Dort bleibt die Chemikalie tagelang auf den Baumzweigen und Büschen liegen und macht den Wald schwer entzündlich. So können die Rettungskräfte das sich ausbreitende Feuer eindämmen.

Warum die Chemikalie rot ist

Durch die auffällige Farbe können die Piloten aus der Luft sehen, wo sie den Stoff schon abgeworfen haben. Auch für die Feuerwehrleute am Boden ist es so einfacher zu erkennen, welche Teile des Waldes schon «behandelt» wurden. Die rote Farbe kommt vom Eisenoxid, das als Farbstoff verwendet wird.

Wie der Brandverzögerer wirkt

Ein Waldbrand ist wie ein Teufelskreis: Wenn sich Holz stark erhitzt, entstehen aus Cellulose flüchtige, entzündliche Gase. Erst diese Stoffe brennen – Holz selbst tut es nicht. Die daraus entstehende Gasflamme erhitzt dann das Holz weiter, sodass dieses noch mehr brennbare Gase freisetzt, und dadurch das Feuer wiederum stärker wird. Durch die Flammen wird der Brand dann von Baum zu Baum übertragen.

Flugzeug fliegt über Wald und lässt rote Rauchspur ab.
Legende: Der Militärtransporter vom Typ Airbus A400M war ursprünglich als Transportflugzeug gedacht und wurde nun zum Löschflugzeug umgebaut. Hier im Einsatz am 25. Juli bei Lacanau in Frankreich. Reuters/Abdul Saboor

Der Brandverzögerer unterbricht genau diesen Teufelskreis: Er sorgt dafür, dass das Holz bei starker Erhitzung kaum mehr brennbare Gase freigibt. Stattdessen wandelt er das Holz in Kontakt mit starker Hitze direkt zur Kohle um. Das macht die Vegetation deutlich weniger entzündlich und bremst dadurch die Ausbreitung des Feuers aus.

Mögliche Folgen für Mensch und Umwelt

Der Brandverzögerer enthält vor allem Ammonium-Phosphat als Wirkstoff für die Brandverzögerung, Wasser als Trägermittel, und Ton als Verdicker. Letzterer sorgt dafür, dass der Stoff an den Ästen und Zweigen kleben bleibt. Der Brandverzögerer ähnelt also sehr klassischem Flüssigdünger und ist für uns nicht direkt gefährlich.

Nach ein paar Tagen und etwas Regen wird er weggewaschen. Trotzdem kann er der Natur schaden, etwa wenn ein Bereich bei einem tonnenschweren Abwurf aus der Luft überdüngt wird. Schädlich ist Ammoniak auch für Fische in nahegelegenen Gewässern. Französische Forschende argumentieren, dass ein grossflächiger Waldbrand fast immer grössere ökologische Schäden anrichtet als der Brandverzögerer, und so bleibt der Einsatz des Stoffes immer eine Abwägung.

Einsatz von Retardanten in der Schweiz

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Was in Frankreich zurzeit abgeworfen wird, dürfte in der Schweiz in der Regel nicht zum Einsatz kommen. Artikel 18 des Waldgesetzes verbietet umweltschädliche Stoffe im Wald. Dazu gehören laut eines letzten Jahres veröffentlichten Handbuches der Feuerwehr Koordination Schweiz FKS auch umweltgefährdende Brandverzögerer. Das Bundesamt für Umwelt schreibt auf Anfrage, dass jedes solche Mittel durch den Bund in einer Einzelfallprüfung beurteilt wird. Gelöscht werden Waldbrände hierzulande primär mit Wasser. Oft werden dafür Super Puma-Helikopter eingesetzt, die selbst in steilem Gelände Brandherde anfliegen können. Drei solcher Helikopter hat die Schweiz zur Löschhilfe nach Frankreich entsandt.

Zum ersten Mal wurde der Brandverzögerer aus einem aktiven Militärtransporter vom Typ Airbus A400M abgeworfen. Dieses Flugzeug war ursprünglich als Transportflugzeug gedacht und wurde nun in Windeseile dank eines neuartigen Einschubmoduls zum Löschflugzeug umgebaut. Der A400M kann rund doppelt so viel des Brandverzögerers mit sich tragen wie die bislang genutzten, zivilen Transportflugzeuge. Sie alle werden nach der Brandsaison wieder für andere Zwecke verwendet.

Echo der Zeit, 26.7.2026, 18:00 Uhr

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