Ambrosia-Pollen: Prognosen für Allergiker

Unter den Pflanzen gehört «Ambrosia artemisiifolia» zu den stärksten Allergie-Auslösern. Die aus Nordamerika eingewanderte Pflanze verbreitet ihre Pollen vom August bis Ende September. Deshalb hat MeteoSchweiz Ambrosia nun in ihre Online-Prognosekarten aufgenommen.

Ein Pollen von Ambrosia in einer Aufnahe im Elektronen-Mikroskop. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Pollen von Ambrosia im Elektronen-Mikroskop: Pro Pflanze werden bis zu einer Milliarde dieser stark allergenen Pollen freigesetzt. Dartmouth College EM Facility / dauc

Bisher litten Pollen-Allergiker vor allem im Frühling und Sommer, wenn der Wind die Pollen von Birke, Esche, Hasel oder von Gräsern durch die Luft wirbelt. Seit einigen Jahren verlängert ein Eindringling die Allergie-Saison: die «Ambrosia artemisiifolia», zu deutsch das «Beifussblättrige Traubenkraut». Die bis 90 Zentimeter hohe Pflanze blüht in den Monaten August und September. «Bei uns ist die Zahl der Ambrosia-Pollen in der Luft zwar relativ gering, aber sie haben eine sehr stark allergene Wirkung», erklärt Andreas Pauling, Biometeorologe bei MeteoSchweiz.

Präzise Pollenprognosen

4:46 min, aus Einstein vom 7.4.2011

Pollenprognosen für die nächsten Tage

Deshalb hat der nationale Wetter- und Klimadienst MeteoSchweiz seine Prognose-Karten für Birke und Gräser in diesem Jahr mit Ambrosia ergänzt. Die Pollenbelastung für die nächsten drei Tage wird mit dem Vorhersage-Modell COSMO-ART berechnet und dann auf Karten dargestellt.

Grundlage für das Modell sind zum einen die Messungen der 14 Pollen-Messstationen, die in der ganzen Schweiz verteilt sind. Zum andern verwendet das Modell für die Vorhersagen die Wetter- und Windprognosen.

Westschweiz und Tessin sind am stärksten betroffen

Ambrosia ist eine invasive Pflanze, die von Nordamerika nach Europa eingeschleppt wurde. Sie hat sich in den letzten Jahrzehnten schnell und stark ausgebreitet. Dies obwohl sie in den meisten Ländern bekämpft wird.

Ein Blütenstand der Ambrosia-Pflanze. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ambrosia-Pflanze: In der Schweiz wird die Ausbreitung intensiv bekämpft. Keystone

Hohe Konzentrationen von Ambrosia-Pollen gibt es vor allem in der Region Genf und im Tessin. Dies ist einerseits der Fall, weil dort die Ambrosia-Pflanzen in der Schweiz am meisten verbreitet sind.

Anderseits werden aber auch grosse Mengen an Pollen aus Frankreich und Norditalien mit dem Wind in die Schweiz verfrachtet. Bei starken Westwinden fliegen die Pollen sogar bis weit in die Deutschschweiz.

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Stark allergene Pollen

Ambrosia-Pollen lösen bereits in geringer Konzentration Allergien aus. Schon elf Pollen pro Kubikmeter Luft gelten als starke Belastung. Und jede einzelne, reife Pflanze kann bis zu einer Milliarde Pollenkörner freisetzen. Die Folgen bei empfindlichen Menschen sind entzündete Augen, Reizung der Atemwege und Asthma.

Blattkäfer als Hoffnungsträger für Allergiker

In den Messgeräten registriert wurden die Ambrosia-Pollen bereits anfangs der 1980er-Jahre in Genf. Seither zeigte die Tendenz der Belastung lange aufwärts. 2013 und 2014 nun sei ein leichter Rückgang festzustellen, sagt der Biometeorologe Pauling und ergänzt: «Möglicherweise sind es natürliche Schwankungen aufgrund der Wetter- und Windverhältnisse.»

Möglich ist aber auch, dass die Massnahmen gegen die weitere Ausbreitung der Pflanze langsam Wirkung zeigen. «Vielleicht ist auch der Blattkäfer ‹Ophraella communa›, ein erst kürzlich entdeckter natürlicher Feind von Ambrosia, für die geringeren Pollenzahlen verantwortlich», sagt Pauling. Der ebenfalls invasive Blattkäfer könnte ein Hoffnungsschimmer für Pollen-Allergiker sein. Ein Eindringling bekämpft einen Eindringling.