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Natur & Umwelt Bienen und Co.: Wichtige Helfer der Bauern sind bedroht

Weltweit sind immer mehr Bienen, Schmetterlinge und andere Bestäuber-Tiere bedroht. Doch fünf bis acht Prozent der weltweiten Nahrungsmittel-Produktion hängt von ihrer Bestäubung ab. Nun gibt es dazu den ersten globalen Bericht, verfasst vom neuen Weltrat für Bio-Diversität.

Bienen sitzen auf einer Distel im Getreidefeld.
Legende: Die Bestände von Bienen, Hummeln & Co. sind dezimiert – Forscher sorgen sich um die ausfallende Bestäubung. Imao

Tiere, die Pflanzen bestäuben, sind enorm wichtig. Das sind zum Beispiel Bienen, Hummeln oder auch Kolibris und gewisse Fledermäuse. Doch sie stehen unter Druck, warnt der Weltrat für Biologische Vielfalt (IPBES) in einer ersten weltweiten Bestandsaufnahme der Bestäuber. Der Rat wurde vor vier Jahren von 124 Ländern gegründet.

Nahrungsmittel-Produktion betroffen

Der Bericht des IPES zeigt: 90 Prozent aller Wildpflanzen brauchen Bienen und andere Tiere für ihre Bestäubung. Und fünf bis acht Prozent der weltweiten Landwirtschafts-Produktion hängen von der effizienten Bestäubung ab – das sind Nahrungsmittel im Wert von 233 bis 572 Milliarden Schweizer Franken im Jahr. Zum Beispiel Äpfel, Mangos oder Kaffee. Viele dieser Nahurngsmittel sind wichtig für eine gute Versorgung mit Nährstoffen wie Eisen, Folsäure und Vitamin A.

Bekannt ist das Bienensterben unter dem die Honigbienen leiden: Im Winter gehen viele Kolonien verloren, in Europa genau so wie in Nordamerika. Aber bedroht sind auch wilde Insekten, die für die Bestäubung wichtig sind. In der Schweiz beispielsweise steht die Hälfte der Wildbienen auf der roten Liste der bedrohten Arten.

Der Mensch spielt eine zentrale Rolle

Es gibt einige Faktoren, die den Bestäubern zusetzen – die meisten haben mit uns Mensch zu tun. Zum einen bietet die intensive Landwirtschaft mit ihren Monokulturen den Bestäubern zu wenig Nahrung.

Auch manche Pestizide setzen den Insekten zu, sagen die Experten vor allem Wildbienen und Hummeln seien betroffen. Darum solle ihr Einsatz gesenkt werden. Kritisiert wird, dass die schädlichen Auswirkungen von Pestiziden noch zu wenig erforscht seien und ihr Risiko besser abgeschätzt werden müsse.

Das müsste sich ändern

Der Bericht beinhaltet auch konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Situation.

  • Die intensive Landwirtschaft soll für mehr Ausgleichsflächen sorgen, zum Beispiel Ackerstreifen mit blühenden Pflanzen.
  • Bäuerliche Ansätze sollen unterstützt werden, die die Vielfalt fördern, zum Beispiel der ökologische Landbau.
  • Natürliche Lebensräume sollen besser geschützt werden.
  • Mehr natürliche Pflanzenschutzmittel sollen eingesetzt werden.
  • Imker könnten Bienenkolonien besser betreuen und der Handel mit Bienenvölkern könnte strenger geregelt werden, damit sich werniger Krankheiten ausbreiten.

Kämpft ein Papiertiger gegen das Bienensterben?

Vorerst sind das jedoch nur Empfehlungen. Der Bericht wurde zwar von Regierungen weltweit bestellt und auch offiziell abgesegnet – er ist allerdings rechtlich nicht bindend.

Es ist also eine gewisse Skepsis angebracht, ob sich für Bienen, Hummeln und die anderen Bestäuber wirklich etwas ändern wird. Viele Probleme, die der Bericht behandelt, waren schon vorher bekannt. Immerhin gibt es nun eine gemeinsame Basis, die die Regierungen anerkennen – und die ihnen vorgehalten werden kann, wenn sie nichts tun.

19 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    C.Heierli, die effizientesten unter Bestäubern sind die Wildbienen, das belegen mehrere, auch am SRF ausgestrahlte Studien. Es stimmt, Gifte richten in der Insektenwelt verheerende Schäden an, allerdings nicht nur in dieser. Lassen wir jedoch alle Gifte weg, so bleiben dennoch die Zerstörung der Lebensräume, der Mangel an vielfältigen Nistgelegenheiten, Pollen- und Nahrungsangeboten. Ein Grossteil unserer ca 600 Wildbienenarten sind gefährdet, vor der Ausrottung oder schon ausgestorben.
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  • Kommentar von Barbara Flury, Olten
    Die Permakultur z.B. von "Sepp Holzer", finde ich ein wundervolles landwirtschaftliches Konzept. Da hat nebst vielen anderem auch die Biene ihren Platz. Für Interessierte: permakultur.ch oder permakultur-design.com.
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  • Kommentar von Thomas Heynemann, Thierachern und Wehrheim
    Ich halte an zwei unterschiedlichen Standorten Bienen. In der Schweiz und Deutschland. Am CH-Standort wird konventionelle Landwirtschaft betrieben. Mit einem hohen Einsatz von Pestiziden und Herbiziden. Am zweiten Standort in D sind zum Glück zwei grosse Biobauern. Am Rand der Felder gibt es Blühstreifen. Meinen Bienenvölkern in D geht es bedeutend besser. Die Völker sind stärker, der Honigertrag höher! Mein Meinung: Nur Landwirte die ökologisch (Bio) arbeiten sollen Direktzahlungen bekommen.
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    1. Antwort von Hugo Kuhn, Köniz
      Es ist sonnenklar. Wir müssen auch das Rad nicht neu erfinden und irgendwelche neuen, heute noch nicht bekannten Lösungen suchen. Je mehr Gift wir einsetzen und verteilen umsomehr trifft es uns alle heute oder später.
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