Es krabbelt im Sand

An sandigen Meeresstränden sieht man keine Pflanzen. Bloss Muscheln; hin und wieder huscht eine Krabbe vorbei. Doch eine Etage tiefer tummeln sich Milliarden von Kleinlebewesen. Sie leben zwischen Sandkörnern – perfekt angepasst an diesen winzigen Lebensraum.

Sandstrände haben ihr eigenes verstecktes Biotop. Es liegt im feuchten und nassen Teil der sandigen Meeresküsten und ist mit blossem Auge kaum zu sehen. Denn diesen Lebensraum bevölkern Winzlinge, die zwischen den Lücken im Sand leben.

Bären im Kleinformat und mehr Bizarres

Kleinste Muscheln und Krebse hausen in diesem so genannten Sandlücken-System, Fadenwürmer, Schnecklein, Miniseegurken – oder Bärtierchen, die mit ihren tapsigen Bewegungen und auch im Aussehen etwas an Bären erinnern.

Ein Wasserbärchen, aufgenommen mit einem Hochleistungsmikroskop. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Tierische Miniatur: Ein Bärtierchen, aufgenommen mit einem Hochleistungsmikroskop. B. Goldstein and V. Madden, UNC Chapel Hill / Wikimedia Commons

An Bären im Kleinformat natürlich. Denn die meisten dieser Strandbewohner sind nur gerade einen Millimeter gross oder kleiner. Mit blossem Auge sieht man sie daher kaum. Was schade ist. Denn die Sandlückenfauna ist ungemein vielfältig – reich an Arten und bizarren Formen.

In der Zeitschrift «mare» haben Biologen zum Beispiel schon winzige schirmlose Quallen beschrieben, die sich mit klebrigen Tentakeln von Sandkorn zu Sandkorn hangeln. Andere Kleinstlebewesen bewegen sich mit Wimpern am Körper oder mit ausstülpbaren Füsschen und anderen Tricks durch die schmalen Lücken im Sand.

Vielfältige Überlebenskünstler

Die höchst unterschiedlichen Sandlückenbewohner – etwa 50‘000 Arten dürfte es geben – haben aber auch manches gemeinsam, sagt Lukas Schärer, Zoologe an der Universität Basel. So sind viele dieser Tiere aus Platzgründen wurmförmig – auch die winzigen Plattwürmer, die Lukas Schärers Forschungsgruppe untersucht.

Eine weitere Gemeinsamkeit dieser Kleinlebewesen: Sie sind Überlebenskünstler. Müssen sie auch sein, denn Sandstrände sind als Lebensraum äusserst ungemütlich. Der Untergrund verformt sich laufend durch Wind und Wellen, der Salzgehalt ändert sich. Im Sommer ist es sehr heiss, im Winter kalt, und immer wieder mal trocknet der Sand vollständig aus. Nichtsdestotrotz: Die Sandlückenbewohner halten solch widrigen Bedingungen meist stand.

Sandlückenfauna

2:49 min, aus 100 Sekunden Wissen vom 14.08.2015

Wichtig fürs Ökosystem

Und sie sind erst noch nützlich, helfen, den Sand sauber zu halten. Denn zu ihrer Kost gehören Bakterien und Reste von organischem Material. Zugleich werden sie selbst gefressen, von etwas grösseren Krabben oder Muscheln etwa. Sie bilden damit ein wichtiges Glied in der Nahrungskette des marinen Ökosystems.

Die Winzlinge zwischen Sandkörnern machen es einem einmal mehr bewusst: Strände sind nicht einfach Badekulissen, sondern ein lebendiges Stück Natur.