Schallwellen als Sturmwarnung für Vögel

Manche Vogelarten wie Goldflügel-Waldsänger können Infraschall-Wellen von nahenden Tornados vermutlich richtig deuten. Die Tiere machten sich frühzeitig aus dem Staub; das haben amerikanische Biologen per Zufall festgestellt.

Die Fotomontage zeigt links einen weit entfernten Wirbelsturm. Auf der anderen Seite ist ein Goldflügel-Waldsänger auf einem Ast zu sehen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Tödliche Gefahr: Ein heftiger Wirbelsturm ist für Vögel wie die leichten Goldflügel-Waldsänger eine existenzielle Bedrohung. Reuters/Imago

Goldflügel-Waldsänger verfügen scheinbar über ein Frühwarnsystem für Stürme. Das glaubt ein Forscherteam um Henry Streby von der Universität Kalifornien – nach einer eher zufälligen Entdeckung. Eigentlich wollten die Biologen nur testen, ob die wenige Gramm schweren Vögel Peilsender tragen können.

Doch plötzlich flogen die Tiere davon: Kurz bevor Ende April 2014 ein verheerender Sturm die Südostküste der USA traf, verliessen sie ihre Brutstätten in Tennessee, wo sie just angekommen waren. Sie flogen in fünf Tagen mindestens 1500 Kilometer, um dem Sturm zu entkommen.

Noch vor meteorologischen Anzeichen

«Das Erstaunliche dabei ist, dass die Vögel lange vor der Ankunft des Sturms aufbrachen», so Streby. Als sie sich bereit machten, das Gebiet zu verlassen, war der Tornado noch 400 bis 900 Kilometer von den Brutstätten entfernt; es gab keine Veränderungen bei Luftdruck, Temperatur oder Windgeschwindigkeit.

Die Forscher vermuten, dass die Tiere den Infraschall nahender Unwetter hören, der sich über tausende Kilometer ausbreitet. Mit einer Frequenz unterhalb von 16 bis 20 Hertz ist er für Menschen nicht hörbar, liegt aber genau im Hörspektrum von Vögeln.