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Natur & Umwelt Vision Wisent – die Rückkehr des Urviehs

1923 wurde im Kaukasus der letzte, frei lebende Wisent geschossen – doch die «Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents» startete mit nur zwölf Tieren in Gefangenschaft eine neue Zucht. Heute leben wieder 5'000 Tiere in Europa. Nun möchten Schweizer Naturschützer den Wisent im Jura wieder ansiedeln.

«Wisente zurück im Jura»! Eine haarige Herausforderung, die aber möglich erscheint. Das Vorbild für die Initianten des Projekts ist eine erfolgreiche Wiederansiedlung in Deutschland. Am Rande des Sauerlandes, im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen, leben Wisente seit April 2013 wieder in «Halbfreiheit». Das bedeutet: Sie können sich frei bewegen, doch Zucht und Streifgebiet der Tiere werden überwacht und kontrolliert.

Auch in der Schweiz käme nur eine überwachte Freisetzung infrage. Denn das Land ist viel zu dicht besiedelt, um die grossen Tiere unkontrolliert auszusetzen. Eine richtige Auswilderung ist nur noch in den Urwäldern in Osteuropa und Russland möglich.

«Es muss erlaubt sein, über solche Visionen zu sprechen», findet Reinhard Schnidrig, Leiter der Sektion Wildtiere & Waldbiodiversität des Bundesamts für Umwelt (Bafu). Der Bund selbst plant bisher keine Wiederansiedlung.

Verschiedene Gebiete in der Schweiz kommen infrage

Vor allem die Wahl eines geeigneten Lebensraumes ist bei einer Freilassung der Wisente von Bedeutung. Wichtig sind nicht nur ein grosser Wald, sondern auch ausgedehnte Weideflächen – als Lebensraum und Nahrungslieferant für die grossen Pflanzenfresser.

Die Initianten setzen sich für eine Wiederansiedlung im Jura ein und haben bereits eine Projektskizze, Link öffnet in einem neuen Fenster erstellt. Schnidrig meint jedoch, dass eine kontrollierte Wiederansiedlung in anderen Gebieten mehr Sinn machen könnte. Der harte Winter im Jura werde unterschätzt.

Gemäss seiner persönlichen Einschätzung eignet sich der Auenwald im Fanel, ein Naturschutzgebiet am Nordostufer des Neuenburgersees. Gleiches gelte auch für den Wald am Nordufer des Murtensees. Beide Gebiete sind Schutzzonen des Bundes und verfügen sowohl über Weiden als auch über Waldgebiete.

Wiederansiedlung kann die Biodiversität weiter fördern

Die Freisetzung des Wisents dürfe, so Schnidrig weiter, aber nicht nur dem reinen Selbstzweck dienen: Das Projekt solle nicht nur nur ein vergrösserter Tierpark im Wald sein, sondern auch einen erkennbaren Nutzen bringen.

Die Auswilderung der zotteligen Riesen kann der Biodiversität helfen – das zeigt das Projekt im Rothaargebirge. Dort wurden im Kot der Wisente Eier von Mistkäfern gefunden, die in Deutschland seit Jahrhunderten nicht mehr nachgewiesen wurden. Doch Schnidrig sagt auch: «Für die Förderung der Biodiversität in der Schweiz sind Wisent-Projekte für den Bund zurzeit nicht prioritär.»

Wisente gestalten ihren Lebensraum alleine

Eine Besonderheit des Wisents ist auch, dass er seinen Lebensraum alleine gestalten kann. Denn: Ein ausgewachsenes Tier frisst täglich bis zu 30 Kilogramm Pflanzen. Wisente könnten also durch ihren Frass und ihre Bewegung die grossen Weiden der Gebiete offenhalten.

Heute werden die Wiesenflächen der vorgeschlagenen Schutzzonen mit viel Aufwand und Geld freigehalten. Ein Wiederansiedlungs-Projekt würde also nicht nur Strukturen schaffen, von dem andere Arten profitieren, sondern gleichzeitig die Weidebewirtschaftung der Region unterstützen.

Erfolgreiche Wiederansiedlung

In den letzten 100 Jahren wurden in der Schweiz der Steinbock, Biber, Luchs und Bartgeier mit Erfolg wieder angesiedelt. Der Steinbock zum Beispiel war einst vollständig ausgerottet. 1914 wurden Jungtiere aus dem Jagdgebiet des italienischen Königs gestohlen und in der Schweiz ausgesetzt. Mittlerweile leben gut 17‘000 Steinböcke in unseren Alpen.

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