Explodierende Saurier? Die These war falsch

Die Frage, warum Saurier-Knochen bei ihrer Entdeckung häufig weit verstreut lagen, beschäftigt die Paläontologie schon lange. Nun haben Forscher den uralten Mythos widerlegt, dass Faulgase die Kadaver explodieren liessen – eine Arbeit, die mit einem Preis belohnt wurde.

Die fossile Schwanzflosse eines Ichthyosauriers: Diese Reptilien lebten während des Mesozoikums ausschliesslich im Meer. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Fundstück: Die fossile Schwanzflosse eines Ichthyosauriers: Diese Reptilien lebten während des Mesozoikums ausschliesslich im Meer. User:Ballista / Wikipedia

Laut dem Paläontologen Achim Reisdorf vom Naturhistorischen Museum Bern sind es, anders als zuweilen vermutet, nicht Körper-Explosionen durch Faulgas, die Knochen urzeitlicher Lebewesen weit verstreuten.

Diesen Schädel mitsamt Halswirbeln setzten Forscher aus fossilen Fundstücken zusammen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Dieser Schädel dieses Ichthyosauriers (Acamptonectes) wurde aus Fundstücken zusammengesetzt. www.plosone.org/ article/ info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal. pone.0029234 / Wikipedia

Für Reisdorfs Untersuchung wurde eigens der Faulgasdruck von 100 menschlichen Leichen ermittelt. Dabei zeigte sich, dass sich bei den Fäulnisprozessen ein zu geringer Druck aufbaut, um eine Explosion auszulösen. Dies lasse sich auch auf die fossile Tierwelt übertragen, so die Fachleute.

Wassertiefe als Faktor

Der Paläontologe untersuchte zudem den Zerfallsprozess bei Fischsauriern, deren Fossilien gut und zahlreich dokumentiert sind. Er kam zum Schluss, dass die toten Körper normalerweise sofort zum Meeresgrund absanken. In grösseren Wassertiefen wurden sie dort in der Regel durch Fäulnis oder Aasfresser zersetzt.

Doch in geringeren Wassertiefen stiegen die Kadaver durch die Fäulnisgase im Inneren wieder zur Oberfläche auf. Dort trieben sie manchmal kilometerweit und zerfielen dabei. So wurden die Knochen grossräumig verstreut. Für seine Arbeit wurde Reisdorf mit dem Alexander-von-Humboldt-Gedächtnispreis ausgezeichnet, der mit 6000 Euro dotiert ist.