Klima-Report: Wissenschaft und Politik sind sich einig

Heute veröffentlicht der Weltklimarat der Uno IPCC den fünften Bericht zum Klimawandel. Fünf Tage und Nächte lang verhandelten Regierungsvertreter und Wissenschaftler in Stockholm um Fakten und Interpretationen. ETH- Klimaforscher Reto Knutti hat am Bericht mitgearbeitet. Wir geben ihm das Wort.

Porträt von Reto Knutti, auf seinem Schoss ein Laptop, im Hintergrund das Gebäude der ETH Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Reto Knutti, Professor für Klimaphysik: Am Uno-Bericht hat er als verantwortlicher Autor des Kapitels zu Langzeit-Klimaprognosen mitgearbeitet. ETH / Reto Knutti

Wer in den letzten Tagen und Wochen die Medien verfolgt hat, ist wohl verwirrt. Das Meereis nehme zu, schreibt eine englische Zeitung. Die Klimaforscher könnten die Abschwächung der Erderwärmung nicht erklären, liest man andernorts. Alles viel schlimmer, schreiben wieder andere. Blogs und Twitter komplettieren die Verwirrung. Wie soll der Laie den heute veröffentlichten Bericht zur Klimaänderung einordnen?

Der Bericht stellt auch Fragen

Qualitativ hochstehende, geprüfte Information ist rar geworden ist. Gerade jetzt kann der Wert des neuen Klimaberichts deshalb nicht hoch genug eingeschätzt werden. 800 Autoren, 1000 Gutachter, 55‘000 Kommentare und 4 Jahre Arbeit reflektieren nicht die Ansicht von einzelnen Autoren, sondern den Stand der Wissenschaft zu diesem Thema. Auf 1000 Seiten findet man nicht nur Antworten, sondern auch offene Fragen.

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Die wichtigsten Erkenntnisse

Die wichtigsten Erkenntnisse

Laut dem IPCC-Bericht geht der Klimawandel unvermindert weiter, auch wenn die globale Temperatur in den letzten 15 Jahren nicht gestiegen ist. Die Luft hat sich um 0,9 Grad Celsius erwärmt. Der Meeresspiegel steigt weiter, Schnee und Eis schmelzen in erheblichem Ausmass. Hauptursache seien v.a. der CO2-Ausstoss durch Fabriken, Autos, Kraftwerke.

Auch dieses Dokument wird mit Sicherheit nicht fehlerfrei sein, aber es gibt wohl kaum einen Bericht, der einer solchen Qualitätskontrolle unterzogen wird. Er wird von allen Regierungen in Auftrag gegeben, und von ihnen als Uno-Dokument formal wieder akzeptiert. Dass die Regierungen den Prozess mitgestalten können und den Bericht am Schluss auch wieder entgegennehmen, ist die Stärke dieses Prozesses.

Nächtelange Diskussionen

Zu Recht gibt es aber auch kritische Stimmen: Politik, Industrie oder Lobbygruppen hätten zu viel Einfluss auf die Wissenschaft und den Weltklimarat – und umgekehrt. Klar ist, dass die Politik nie die Fakten des Berichts geändert hat, aber der politische Druck ist gross geworden ist. Auch für diesen Report war es äusserst schwierig, einen Konsens unter den Regierungen zu finden. Nächtelang wurde argumentiert, welche Aussage wo steht, welche Ausführung nur als Fussnote erwähnt wird und welche Worte verwendet werden.

In den Klimaverhandlungen gilt der Uno-Klimarat IPCC als die letztgültige wissenschaftliche Referenz, und es geht dort um viel Geld. Doch der IPCC-Prozess ist langsam und kompliziert geworden. Der neuste Bericht ist ein wissenschaftlicher Meilenstein, aber über die Form der zukünftigen Sachstandberichte und über die Rolle von IPCC bei den internationalen Klimaverhandlungen muss sicher nachgedacht werden.