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Natur & Umwelt Mehr Spuren von Atomwaffentests in der Atmosphäre

Schweizer Wissenschaftler haben in der Höhe mehr radioaktive Elemente gefunden als erwartet. Gefahren bestehen durch sie nicht – sondern Chancen für die Forschung.

Das Labor Spiez im Berner Oberland. Im Hintergrund sieht man den Gipfel des Niesen.
Legende: Daten der Luftwaffe ausgewertet: Das Labor Spiez im Berner Oberland. Im Hintergrund sieht man den Gipfel des Niesen. Keystone

Nuklearwaffentests in den 50er- und 60er Jahren und der Unfall des atombetriebenen US-Satelliten SNAP-9a von 1964 hatten grosse Mengen radioaktiver Substanzen in die Stratosphäre gebracht. Ein Team um José Corcho Alvarado vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz in Spiez berichtet nun in «Nature Communications», dass radioaktives Plutonium und Caesium länger dort verweilen als angenommen, nämlich im Durchschnitt 2,5 bis 5 Jahre.

Der Flügel eines Tiger-Jets mit der Vorrichtung, die das Vorkommen von Aerosole misst.
Legende: Aerosol-Sammler: Der Flügel eines Tiger-Jets mit der Vorrichtung, die das Vorkommen von Aerosole misst. Swiss Federal Office of Public Health / press.nature.com

Die Schweizer Luftwaffe hat seit 1970 Proben von Aerosolen in der Atmosphäre gesammelt. Sie belegen das häufigere Vorkommen der radioaktiven Substanzen. Bisher war man davon ausgegangen, dass sie in dieser Schicht vernachlässigbar selten vorkämen.

Keine Gefahr für die Gesundheit

Die radioaktiven Substanzen seien aber nicht gesundheitsgefährdend, so der Fachmann weiter: «Die Mengen, die heute in der Stratosphäre vorkommen, sind viel geringer als jene in Bodennähe in den 60er- und 70er-Jahren.» Zudem bilde die Tropopause, eine Grenzschicht in etwa 15 Kilometern Höhe, normalerweise eine wirksame Barriere.

Heftige Vulkanausbrüche können jedoch diese Grenze durchbrechen und Asche bis in die Stratosphäre schleudern. Die Forscher haben nun entdeckt, dass die radioaktiven Substanzen so in die Troposphäre darunter gelangen können. Sie fanden dort nach dem Ausbruch des Vulkans Eyjafjalla auf Island 2010 plötzlich grössere Mengen Plutonium. «Irgendwie hat sich die Vulkanasche in der Stratosphäre mit den radioaktiven Substanzen verbunden, wodurch diese in die untere Atmosphäre gelangen konnten», so Corcho Alvarado.

Nützliche Helfer für Klimaforscher?

Auch diese Mengen seien aber so gering, dass sie für Menschen und Umwelt ungefährlich seien. Umso interessanter sind die radioaktiven Partikel indes für Atmosphären- und Klimaforscher: «Wir zeigen, dass diese Partikel sehr langlebig sind und somit ein nützliches Werkzeug sein könnten, um Transportprozesse in der Atmosphäre besser zu verstehen», sagt der Fachmann.

5 Kommentare

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  • Kommentar von S.Frehner, Matzingen
    Plutonium sei zu schwer, um verfrachtet zu werden, wird man bei Atomunglücken wie Fukushima stets vertröstet. Diese Messungen beweisen das Gegenteil. Übrigens auch das Plutonium in unseren Böden. Das ist ja auch von Bikini, Hiroshima etc. bis zu uns gekommen. Plutonium-Konzentration in Schweizer Böden als Folge von Tschernobyl u.a. sind auf Seiten 117ff. des Jahresberichts 2011 (auf dieser Homepage des BAG downloadbar) ersichtlich: www.bag.admin.ch/themen/strahlung/00043/00065/02239/index.html
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  • Kommentar von Theodor Kugler, 8413 Neftenbach
    Geringe Mengen von Radioaktivität seien ungefährlich ist eine wissenschaftliche Lüge. Jeder Wissenschaftler weiss, dass Rdioaktivität sehr lange Zeit nicht verschwindet und deshalb jede zusätzliche Radioaktivität zur bestehenden addiert wird. Wenn also öfters ganz geringe Mengen freigesetzt werden, addieren sie sich zu einer grossen Menge. Wir kennen die Grenze nicht, welche unsere Spezies ausrotten wird, wenn sie überschritten wird.
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    1. Antwort von R. Gfeller, Bern
      Befassen sie sich bitte einmal unvoreingenommen mit Radioaktivität. Dann würde sie erfahren, dass ihre jährliche natürliche Strahlendosis (kosmische Strahlung, Radon, ), ca 2.5 milli-Sievert beträgt, durch medizinische Behandlungen (Röntgen, Ct, ) nochmals ca. 2 milli-Sievert dazukommen und die restlichen Quellen (Atombombentests, AKW Unfälle, ) im mikro-Sievert Bereich liegen. Aus Erfahrungen von Hiroshima, Tschernobyl etc. kann man auf ein ca. 5% erhöhtes Krebsrisiko pro Sievert schliessen.
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    2. Antwort von R. Gfeller, Bern
      Wie lange eine radioaktive Quelle strahlt hängt von der Halbwertszeit der Nuklide ab. Jod-131 z.B. hat eine Halbwertszeit von 8 Tagen, d.h. nach 8 Tagen ist die Hälfte zerfallen, die Strahlungsintensität also nur noch halb so gross. Daführ strahlt es in dieser Zeit natürlich stark. Bei Plutonium-239 dauert dies über 24'000 Jahre. Plutonium ist zudem sehr giftig. Mir machen jedoch die im Meer versenkten Atomabfälle und Atom-U-Boote deutlich mehr Sorgen!
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    3. Antwort von Theodor Kugler, 8413 Neftenbach
      @Gfeller: Ich kenne ihre Argumentation, bin jedoch weniger zahlengläubig. Wenn ich diesen Zahlen auf den Grund gehe, tauchen mehr Fragen auf als ich Antworten erhalte. Krebs ist heute die häufigste Todesursache. Diese Tatsache widerspricht ihren Zahlen. Es ist zB sehr schwierig nachzuweisen, welche Krebstodesfälle auf radioaktive Strahlung zurückzuführen sind und welche nicht. Schon unter diesem Gesichtspunkt werden ihre Zahlen obsolet.
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