Vom ersten Bagger, den er vor 20 Jahren bedient habe, zum aktuellen Modell seien es Welten. Das sagt Maschinist Boris Ceccon auf der Baustelle in Langenthal, wo er mit einem Bagger arbeitet, der ausgestattet ist mit Sensoren und Assistenzsystemen.
Dank zwei GPS-Empfängern auf der Bagger-Rückseite und mehreren Sensoren im Baggerarm und der Schaufel, kennt die Baggersteuerung jederzeit die Position des Baggers und der Schaufel auf den Zentimeter genau. In Kombination mit einem digitalen 3D-Plan der Baustelle sieht Boris Ceccon beim Baggern auf einem Bildschirm den digitalen Zwilling der Baggerschaufel auf einer Anzeige und kann so sofort erkennen, wie viel Erde er noch ausheben muss, damit die echte mit der virtuellen Baugrube auf dem 3D-Plan übereinstimmt.
Ohne dieses Assistenzsystem wäre ein zweiter Mitarbeiter nötig, der in der Baugrube die laufenden Arbeiten mit dem Plan abgleicht und dem Baggerführer mit einem Laser markiert, wo er wie tief baggern muss. In diesem Bagger könne er ohne weitere menschliche Hilfe seine Arbeit verrichten, sagt Boris Ceccon.
Eine weitere Hilfe ist die Waage in der Schaufel des Baggers. Sie misst jede Füllung, sodass der Maschinist beim Beladen eines Lastwagens sieht, wann er dessen zugelassene Nutzlast erreicht hat. Dank der Waage fährt ein Lastwagen nie mehr mit zu wenig Aushubmaterial oder mit Erde überladen durch die Gegend.
Häuser, gedruckt aus Daten
Digital unterwegs ist auch Ingenieurin Lena Zimmer. Sie hat auf der Baustelle ein Notebook in der Hand, mit dem sie einem 3D-Drucker Anweisungen gibt. Der hat vor Kurzem in Heidelberg drei Häuser in verschiedenen Grössen gebaut für ein Leuchtturmprojekt, das die Möglichkeiten des 3D-Drucks demonstrieren soll.
Beim 3D-Druck bewege sich die Branche derzeit an einer Schwelle von Pilotprojekten zur Serienfertigung, sagt Lena Zimmer. Nur mit Serienfertigung, der Wiederholbarkeit eines bereits für viel Geld geplanten Projektes, ergebe die Technologie Sinn und spare Kosten. Rund zehn Prozent gegenüber der konventionellen Bauweise.
Neben Lena Zimmer und ihrem Kollegen hilft eine Studentin mit. Sie kann nach einer sehr kurzen Schulung den 3D-Drucker im Nebenjob bedienen. Diese tiefe Ausbildungshürde in der 3D-Druck-Technologie kann für Baufirmen in Zeiten des Fachkräftemangels eine mögliche Lösung sein.
Grosse Chancen für den 3D-Druck sieht Lena Zimmer im Bau von kleinen und mittelgrossen Wohnhäusern. Bei grösseren Gebäuden sind die Kosten höher als die potenziellen Einsparungen durch die Technologie. 3D-Druck werde sich etablieren als ergänzende Technologie, aber nicht als vollständiger Ersatz für herkömmliche Bautechnologien. Sicher nicht, solange sie nur vertikal bauen können, wie es heute der Fall ist – also Mauern drucken.
So sind denn auf der Baustelle in Heidelberg neben dem Dreierteam vom 3D-Drucker auch Maler, Elektriker und Sanitäre zu sehen, die ihre Arbeit auf klassische Art und Weise verrichten, dank der gedruckten Mauern aber leichter: So müssen sie weniger oft zur Bohrmaschine greifen, weil der 3D-Drucker etwa Elektroleitungen bereits berücksichtige und entsprechende Aussparungen gedruckt hat.