Das Darknet ist wie ein zweites Internet, wo alle anonym sind.
Das Darknet ist vom «normalen» Internet getrennt. Man erreicht es nicht via die üblichen Browser und Suchmaschinen, sondern es braucht dazu ein spezielles Computerprogramm, den TOR-Browser.
Anonymität für die «Guten»
Es gibt viele Menschen, die auf Anonymität angewiesen sind: Regierungskritiker zum Beispiel, Menschenrechtsaktivistinnen, Journalisten und Whistleblowerinnen. Für sie ist das Darknet essenziell wichtig. Darum ist in den freiheitlichen Gesellschaften das Darknet auch nicht verboten.
Tatsächlich wurde das heute mit Abstand meist genutzte Darknet, das TOR-Netzwerk, von der Uni Cambridge und dem US-Militär entwickelt und wird heute von einer Non-Profit-Organisation und Freiwilligen dezentral betrieben.
Eine Studie aus dem Jahr 2016 besagt, dass rund ein Drittel des Darknets aus legalen Internetseiten besteht. Viele Webseiten, die in autoritären Staaten wie China oder Iran gesperrt sind, betreiben eine Kopie ihrer Webseite im Darknet, zum Beispiel Facebook, Youtube oder Wikipedia.
Anonymität für die «Bösen»
Von der Anonymität profitieren jedoch auch Kriminelle – sie machen die restlichen zwei Drittel des Darknets aus.
Da sind einerseits die Marktplätze, wo illegale Ware wie Drogen, Waffen, Falschgeld, gestohlene Kreditkarten und Pässe oder kinderpornografisches Material gehandelt wird. Auch illegale Dienstleistungen werden hier feilgeboten.
Im Darknet bewegen sich auch kriminelle Hacker: Sie tauschen sich in Foren aus und Erpresserbanden veröffentlichen gestohlene Unternehmensdaten. Während gewisse Banden auf eine «coole» Gangster-Ästhetik setzen, kommen andere sehr professionell oder sogar freundlich daher. Die Webseiten sind übersichtlich und benutzerfreundlich gestaltet, um ihren «Geschäftspartnern» (den Opfern) und Journalistinnen einfachen Zugang zu ermöglichen.
Was kann die Polizei tun?
Im Darknet treffen zwei Interessen aufeinander: Einerseits sind Privatsphäre und die Anonymität zentral für eine freie Gesellschaft. Andererseits schafft sie Räume für Kriminelle. Wie kann die Polizei gegen die Kriminalität vorgehen, ohne das Darknet zu deanonymisieren oder abzuschaffen?
Häufig ist sie darauf angewiesen, dass den Kriminellen Fehler unterlaufen. Früher oder später geschieht den meisten ein Missgeschick: Sie nutzen ihre private E-Mail auf einem Marktplatz, loggen sich in einen privaten Dienst ein oder bringen auffallend viele Päckchen auf die Post.
Cybercrime-Wissen für die Ohren
Dazu gibt es einige Techniken, die die Polizei einsetzen kann: Sie kann TOR-Nodes überwachen und mit etwas Glück das Timing und die Grösse der hinein- und hinausfliessenden Datenpakete einer Nutzerin und einer Webseite verknüpfen.
Sie kann den Account einer Kriminellen übernehmen und verdeckt in Foren ermitteln. Die ganz grossen Coups gelingen, wenn die Polizei einen Administrator schnappen und so einen gesamten Marktplatz übernehmen, analysieren und beobachten kann.
Unerlässlich ist dabei die internationale Zusammenarbeit: Die kantonalen und städtischen Cyberpolizeien führen immer wieder mit Interpol und anderen Ländern Operationen durch. Denn Kriminalität, und erst recht Cyberkriminalität, hält sich an keine Ländergrenzen.