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Unterwelt des Internets Was ist eigentlich das Darknet?

Es klingt dunkel und mysteriös: Die Unterwelt des Internets, wo sich Schurken und Hacker herumtreiben. Doch was ist das Darknet wirklich?

Das Darknet ist wie ein zweites Internet, wo alle anonym sind.

Wie funktioniert das Darknet?

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Zwei graue Figuren, eine übergibt einen Umschlag.
Legende: IMAGO/Depositphotos

Die Anonymität im Darknet ist möglich dank der Zwiebeltaktik, dem «Onion-Routing»:

Rufe ich im Darknet eine Internetseite auf, wird jedes Datenpäckchen verschlüsselt und über mehrere Punkte («Nodes») weitergeleitet. So sieht die Internetseite nicht, woher die Anfrage ursprünglich kam. Ist die aufgerufene Internetseite eine Darknet-Seite, sehe auch ich nicht, auf welchem Server sich die Seite befindet.

Anschauungsbeispiel

Eine Analogie in der echten Welt könnte sein, dass ich anonym Kondome kaufen möchte.

Nun kann ich auf einen Zettel schreiben: Ein Kondom bitte. Diese Anfrage packe ich mit einer Münze in einen Umschlag, darauf schreibe ich: An die Apotheke. Und das packe ich wiederum in zwei Blanko-Umschläge.

Jetzt gehe ich mit dem Blanko-Umschlag zu einer zufälligen Person auf der Strasse und bitte sie, ihn weiterzugeben. Die Person sieht, wer ich bin, aber nicht wohin meine Anfrage geht – diese Info steckt ja im Umschlag.

Die erste Person sucht eine weitere Person, die mich nicht gesehen hat. Diese packt aus dem ersten Blanko-Umschlag einen zweiten Blanko-Umschlag: Sie weiss also weder, woher die Anfrage kommt, noch wohin sie geht.

Person zwei sucht sich eine Person drei, diese schaut nun in den Umschlag und findet die Adresse («An die Apotheke»). Diese Person weiss jetzt nicht, wer ich bin, aber sie weiss, wohin ich will. Sie bringt den Brief zur Apotheke, diese findet die Bestellung und das Geld im Umschlag und gibt das Kondom heraus.

Nun geht die Kette wieder umgekehrt zurück: Person drei packt die Kondome in den Umschlag, bringt ihn zu Person zwei, diese packt den Umschlag in ihren Umschlag und sucht Person eins, diese packt alles in den letzten Umschlag und bringt ihn zurück zu mir.

In der digitalen Welt funktioniert das alles reibungslos und in Sekundenschnelle. Die Personen sind keine Menschen, sondern Computer im «TOR-Netzwerk». Zwischen der Nutzerin und der Webseite stehen immer drei solche Computer-Punkte, sogenannte Nodes, sodass immer mindestens ein Node, der mittlere, weder weiss, woher die Anfrage kommt, noch, wohin sie geht.

Anonyme Webseiten

Möchte ich statt Kondome Marihuana kaufen, kann ich nicht zu einer Apotheke, sondern muss zu einem illegalen Dealer. Dieser hat seine Adresse nicht öffentlich im Telefonbuch und er will nicht, dass ich weiss, wo er wohnt. Deswegen treffen wir uns an einem vereinbarten neutralen Platz. Respektive, nicht wir, sondern unsere mit Briefumschlägen verschlüsselte und anonymisierte Kommunikation.

So ähnlich läuft es mit Darknet-Webseiten, die nicht mit .com, sondern mit .onion enden und gar nicht über den normalen Internet-Browser (wie zum Beispiel Firefox, Chrome oder Safari) gefunden werden können, weil sie nicht im «Telefonbuch» des Internets stehen.

Das Darknet ist vom «normalen» Internet getrennt. Man erreicht es nicht via die üblichen Browser und Suchmaschinen, sondern es braucht dazu ein spezielles Computerprogramm, den TOR-Browser.

Anonymität für die «Guten»

Es gibt viele Menschen, die auf Anonymität angewiesen sind: Regierungskritiker zum Beispiel, Menschenrechtsaktivistinnen, Journalisten und Whistleblowerinnen. Für sie ist das Darknet essenziell wichtig. Darum ist in den freiheitlichen Gesellschaften das Darknet auch nicht verboten.

Tatsächlich wurde das heute mit Abstand meist genutzte Darknet, das TOR-Netzwerk, von der Uni Cambridge und dem US-Militär entwickelt und wird heute von einer Non-Profit-Organisation und Freiwilligen dezentral betrieben.

Wie komme ich ins Darknet?

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Illustration eines stilisierten Zwiebel-Logos mit lila Buchstaben.
Legende: torproject.org

Ins Darknet zu kommen ist einfach, es wird aber davon abgeraten.

So funktionierts:

Um im Darknet zu surfen braucht es einen speziellen Browser, den TOR-Browser. Diesen kann man ganz einfach auf Computer oder Handy herunterladen.

Wenn man keine bestimmte Internetadresse parat hat kann man über Linksammlungen gehen oder Darknet-Suchmaschinen nutzen.

Das sind die Risiken:

Um sich im Darknet wirklich anonym und sicher zu bewegen, braucht es mehr als nur den richtigen Browser: die richtigen Einstellungen, regelmässige Updates, ein VPN, eine Firewall, eine Sandbox und weitere Sicherheitsvorkehrungen. Man sollte sich genau informieren.

Das Darknet ist ausserdem ein praktisch gesetzfreier Raum. Man läuft Gefahr, Dinge zu sehen, die man nicht sehen möchte.

Anonymität unterstützen:

Wer Menschen unterstützen möchte, die auf das Darknet angewiesen sind, kann ganz einfach und sicher die «Snowflake» Browser-Erweiterung installieren, zum Beispiel in Firefox, Chrome oder Safari.

Damit wird der eigene Computer zu einem möglichen Zwischenschritt im TOR-Netzwerk. Eine Menschenrechtsaktivistin aus dem Iran könnte so zum Beispiel via ihren Computer mit einem Schweizer Journalist sprechen. Je mehr Zwischenschritte im Netzwerk verfügbar sind, desto besser funktioniert die Anonymisierung.

Wer das freie Internet finanziell unterstützen will, kann direkt an das TOR-Projekt oder andere Anonymisierungstools spenden – viele Projekte finanzieren sich zu einem grossen Teil auf diese Weise.

Eine Studie aus dem Jahr 2016 besagt, dass rund ein Drittel des Darknets aus legalen Internetseiten besteht. Viele Webseiten, die in autoritären Staaten wie China oder Iran gesperrt sind, betreiben eine Kopie ihrer Webseite im Darknet, zum Beispiel Facebook, Youtube oder Wikipedia.

Anonymität für die «Bösen»

Von der Anonymität profitieren jedoch auch Kriminelle – sie machen die restlichen zwei Drittel des Darknets aus.

Da sind einerseits die Marktplätze, wo illegale Ware wie Drogen, Waffen, Falschgeld, gestohlene Kreditkarten und Pässe oder kinderpornografisches Material gehandelt wird. Auch illegale Dienstleistungen werden hier feilgeboten.

Ein Raster von Produktangeboten mit Preisen und Beschreibungen.
Legende: Grundsätzlich unterscheiden sich die Marktplätze auf dem Darknet nicht von normalen Online-Shops: Jedes Angebot hat ein Bild, einen Preis und einen Beschrieb. Auch Bewertungen von Kunden gibt es. H25/NEXUS

Im Darknet bewegen sich auch kriminelle Hacker: Sie tauschen sich in Foren aus und Erpresserbanden veröffentlichen gestohlene Unternehmensdaten. Während gewisse Banden auf eine «coole» Gangster-Ästhetik setzen, kommen andere sehr professionell oder sogar freundlich daher. Die Webseiten sind übersichtlich und benutzerfreundlich gestaltet, um ihren «Geschäftspartnern» (den Opfern) und Journalistinnen einfachen Zugang zu ermöglichen.

Eine Webseite mit einer Unternehmensliste, einschliesslich Dell Technologies und Finanzinformationen.
Legende: Webseite der Ransomwarebande «World Leaks», hier als Beispiel mit den 2025 gestohlenen und veröffentlichten Daten von Dell. VenariX

Was kann die Polizei tun?

Im Darknet treffen zwei Interessen aufeinander: Einerseits sind Privatsphäre und die Anonymität zentral für eine freie Gesellschaft. Andererseits schafft sie Räume für Kriminelle. Wie kann die Polizei gegen die Kriminalität vorgehen, ohne das Darknet zu deanonymisieren oder abzuschaffen?

Häufig ist sie darauf angewiesen, dass den Kriminellen Fehler unterlaufen. Früher oder später geschieht den meisten ein Missgeschick: Sie nutzen ihre private E-Mail auf einem Marktplatz, loggen sich in einen privaten Dienst ein oder bringen auffallend viele Päckchen auf die Post.

Cybercrime-Wissen für die Ohren

Dazu gibt es einige Techniken, die die Polizei einsetzen kann: Sie kann TOR-Nodes überwachen und mit etwas Glück das Timing und die Grösse der hinein- und hinausfliessenden Datenpakete einer Nutzerin und einer Webseite verknüpfen.

Sie kann den Account einer Kriminellen übernehmen und verdeckt in Foren ermitteln. Die ganz grossen Coups gelingen, wenn die Polizei einen Administrator schnappen und so einen gesamten Marktplatz übernehmen, analysieren und beobachten kann.

Eine Anzeige mit Logos verschiedener Strafverfolgungsbehörden und Flaggen mehrerer Länder.
Legende: 2024 hat eine internationale Operation eine der grössten Erpresserbanden, Lockbit, zerschlagen und ihre Internetseite vom Netz genommen (Bild). Mittlerweile hat sie sich offenbar davon erholt und ist wieder online. Reuters

Unerlässlich ist dabei die internationale Zusammenarbeit: Die kantonalen und städtischen Cyberpolizeien führen immer wieder mit Interpol und anderen Ländern Operationen durch. Denn Kriminalität, und erst recht Cyberkriminalität, hält sich an keine Ländergrenzen.

Radio SRF 1, 4.6.2026, 14:10 Uhr

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