An der Kleiderstange im Technologiecenter hängen zwei Modelle: ein ganz weisser und ein ganz dunkelblauer Renndress. Das sind die zwei Extreme, die Forschungsleiter Björn Bruhin von Swiss-Ski im Windkanal testen will: «Für die Olympischen Spiele gibt es immer einen neuen Anzug mit einem anderen Design und ohne Werbung. Und da wollten wir mal systematisch unterscheiden, was ist denn schneller, dunkel oder hell.»
Windkanal schon in den 70ern
Seit eineinhalb Jahren tüftelt Swiss-Ski hinter verschlossenen Türen am neuen Olympia-Dress. Das hat Tradition, denn vom Windkanal haben schon Marie-Theres Nadig und Bernhard Russi in den siebziger Jahren profitiert.
Die Stoffe und Schnitte optimiert Swiss-Ski schon seit Jahrzehnten. So auch beim kultigen Käsedress der 90er-Jahre. Für den heutigen Weltcup-Dress «Levada» setzte Swiss-Ski auf Bodyscans der Skicracks sowie zwei verklebte Hightech-Stoffe. Aber es geht immer noch einen Tick besser.
-
Bild 1 von 10. Franz Heinzer im legendären Käsedress. Noch heute ist er Kult, aber bei Weitem nicht der erste Renndress, der im Windkanal getestet wurde. Bildquelle: Imago / HJS.
-
Bild 2 von 10. In den Anfängen sind die Kleider etwas handgestrickt. Die Aerodynamik spielt kaum eine Rolle. Bildquelle: SRF.
-
Bild 3 von 10. Beim ersten Weltcup 1967 werden die Skianzüge schon enger. Bildquelle: SRF.
-
Bild 4 von 10. Schon 1972 kommen die Anzüge aus dem Windkanal. Die Skilegenden Bernhard Russi und Marie-Theres Nadig profitieren davon. Bildquelle: SRF.
-
Bild 5 von 10. In den Achtzigern tüftelt Swiss-Ski weiter an Stoffen und Schnitten. Es sind die glorreichen Zeiten von Peter Müller, Maria Walliser und Pirmin Zurbriggen. Bildquelle: SRF.
-
Bild 6 von 10. Cheesy Werbung: Paul Accola und Franz Heinzer präsentieren den legendären Käsedress. 1992 sorgte er für Aufruhr, heute ist er Kult. Bildquelle: Keystone.
-
Bild 7 von 10. Farblich wird der Renndress 1999 sehr unauffällig, aber nicht minder optimiert. Paul Accola hat jedenfalls Mühe, in den Anzug reinzukommen. Bildquelle: SRF.
-
Bild 8 von 10. Catherine Borghi, Franco Cavegn und Corina Grünenfelder posieren 2002 etwas zurückhaltend als Renndress-Models – ganz in Blau. Bildquelle: SRF.
-
Bild 9 von 10. Auf den Skis weiss sich Fränzi Aufdenblatten 2008 besser in Szene zu setzen. Sie präsentiert den neuen Renndress in rot, blau und weiss. Bildquelle: SRF.
-
Bild 10 von 10. Der heutige Weltcup-Dress «Levada» stammt von 2022. Zwei Hightech-Stoffe, Bodyscan und Windkanal helfen, ihn zu optimieren. Bildquelle: SRF.
Weiss oder blau?
30 Sekunden in der Hocke bei 80, 100 sowie 120 Kilometern pro Stunde. Die Tests im Windkanal der Ruag in Emmen sind aufwändig. Die Testfahrerinnen und -fahrer machen dutzende Durchgänge in Blau und Weiss, denn die Differenzen beim Luftwiderstand sind klein. Aber klar messbar. Sie bewegen sich bei etwas unter einem Prozent.
-
Bild 1 von 2. Im Windkanal der Ruag in Emmen: Was ist windschlüpfriger, ein weisser... Bildquelle: SRF.
-
Bild 2 von 2. ...oder ein blauer Anzug? Bildquelle: SRF.
Genauer will es Forschungsleiter Björn Bruhin nicht sagen, schliesslich ist die Konkurrenz auf den Olympiapisten von Bormio und Cortina gross. Umgerechnet auf die Lauberhorn-Abfahrt ergibt das über eine Sekunde. Aber da spielen ja auch noch das Wetter und der Schnee eine grosse Rolle.
Auf die Farbpigmente kommt es an
Wieso Weiss schneller ist, das lässt sich unter dem Mikroskop gut erkennen. Um den Stoff blau zu färben, werden Farbpigmente aufgedruckt. Diese winzig kleinen Punkte sieht man unter dem Mikroskop deutlich.
«Von Auge sieht man das nicht, aber diese Punkte machen den Unterschied, denn sie verändern die Oberflächenstruktur des Anzugs und machen ihn langsamer», erklärt Forschungsleiter Bruhin.
Rot-weisser Olympiadress – gewusst wie!
Das Weiss im rotweissen Olympiadress hat das Technikteam von Swiss-Ski darum nicht rein dekorativ verteilt, sondern sehr gezielt: Dort, wo der Wind in voller Stärke aufprallt, ist der Renndress weiss, an den weniger exponierten Stellen rot. So konnte Swiss-Ski den Renndress auch farblich optimieren.
«Eine, maximal zwei Zehntelsekunden bringt ein guter Renndress im Vergleich zu einem schlechten», so Forschungsleiter Björn Bruhin. Keine schlechte Ausgangslage für die Speedrennen der Schweizerinnen und Schweizer, in denen es ja oft um Hundertstel geht.