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Astrophysiker Heino Falcke brennt für schwarze Löcher
Aus Sternstunde Philosophie vom 01.11.2020.
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Faszination Schwarze Löcher Astrophysiker: «In einem Schwarzen Loch könnte ich überleben»

Es war eine Sensation: Menschen rund um den Globus lauschten gebannt den Worten der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die am 10. April 2019 das erste Bild eines Schwarzen Lochs der Öffentlichkeit präsentierten.

Einer von ihnen war der Astrophysiker Heino Falcke. Hier erklärt er, was wir mit Turnschuhen gemeinsam haben und warum ihm als Wissenschaftler manchmal nur noch das Fühlen hilft.

Heino Falcke

Heino Falcke

Astrophysiker

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Heino Falcke wurde 1966 in Köln geboren und ist Professor für Astrophysik in Nimwegen. Er ist Mitglied im Science Council des Ereignishorizont-Teleskops (EHT). Mithilfe eines weltweiten Verbunds von Radioteleskopen gelang es ihm, das erste Bild eines Schwarzen Lochs zu präsentieren.

SRF: Wie kann man ein Foto von etwas machen, das komplett dunkel ist?

Heino Falcke: Wir sehen auf dem Foto nicht das Schwarze Loch selber, sondern nur seinen Schatten, beziehungsweise das Fehlen von Licht. In diesem Fall ist also das, was wir nicht sehen, wichtiger als das, was wir sehen.

Legende: Den Forschenden des Netzwerks «Event Horizon Telescope» gelang dieses erste Bild eines Schwarzen Lochs. Getty Images / Handout

Das Faszinierende an Schwarzen Löchern ist ja, dass wir nicht wissen, was im Innern passiert. Warum nicht?

Eigentlich ist ein Schwarzes Loch ganz viel Masse in einem unendlich dünnen Punkt. Was darin passiert, kann ich nicht sehen, weil die Anziehungskraft so stark ist und deshalb kein Licht mehr herauskommt. Was in den Bereich fällt, den wir auf unserem Bild als schwarzen Schatten sehen, kommt nicht mehr hinaus.

Physikalisch gesehen sind wir nicht anderes als der Turnschuh, den wir tragen.

Angenommen, Sie würden in ein Schwarzes Loch fallen, würden Sie das überleben?

Wenn ich in ein sehr grosses Schwarzes Loch falle: Ja. Ich könnte darin sogar Messungen machen, aber niemandem davon erzählen, weil ich nicht mehr herauskommen würde. Das macht Schwarze Löcher für uns Physiker so unglaublich faszinierend, aber eben auch ärgerlich. Sie zeigen uns die Grenzen unserer Erkenntnisfähigkeit.

Der Untertitel Ihres Buches lautet «Schwarze Löcher, das Universum und wir». Wer sind denn eigentlich wir in diesem Kosmos?

Physikalisch gesehen sind wir nicht anderes als der Turnschuh, den wir tragen. Es sind dieselben Atome, Protonen und Elektronen drin. Trotzdem glauben, hoffen und lieben wir. Das ist für mich schon etwas ganz Wertvolles – auch wenn wir in den Grössen des Alls nur Staubkörner sind.

Literaturhinweis

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Heino Falcke: «Licht im Dunkeln. Schwarze Löcher, das Universum und wir». Klett-Cotta, 2020.

Stephen Hawking warnte kurz vor seinem Tod, dass die Erde in 100 Jahren unbewohnbar sein werde. Werden wir dann auf einen anderen Planeten auswandern?

Das glaube ich nicht. Das Weltall wird – wenn überhaupt – nur für ganz wenige, privilegierte Menschen eine Möglichkeit sein. Alles da draussen, was erreichbar sein könnte, ist wesentlich ungemütlicher als hier in einer Höhle unter der Erde zu leben. Wir müssen vielmehr dafür sorgen, dass wir unsere Probleme in den Griff kriegen und diese Erde in Schuss halten.

Mir hilft es manchmal auch einfach nur zu fühlen.

Lässt Sie das als Physiker manchmal nicht verzweifeln, wenn Sie an diese Grenze der Erkenntnis gelangen?

Als Wissenschaftler versuche ich natürlich, alles zu verstehen. Gleichzeitig weiss ich, dass das nicht möglich ist. Dann hilft es, auf einfache Glaubenssätze zurückzugreifen und manchmal auch einfach nur zu fühlen. Das gibt mir persönlich eine Ruhe und Geborgenheit, die mir die Wissenschaft nicht geben kann und wo ich wieder kindlich einfach werde.

Ich denke, angesichts der Grösse und Komplexität des Alls können wir am Ende nur noch kindlich einfach denken.

Hilft Ihnen hier auch Ihr Glaube?

Im täglichen Leben, im Umgang mit den Menschen und den grossen Fragen hilft mir die Physik eigentlich wenig. Die gemeinschaftliche Glaubenserfahrung hilft mir hingegen sehr dabei, die richtige Perspektive auf mein Leben zu bekommen – und auch einen Blick dafür zu kriegen, dass eben doch mehr da ist als das, was ich messen kann.

Das Interview ist eine verkürzte Fassung eines Gesprächs, das in der Sendung «Sternstunde Philosophie» geführt wurde. Das Gespräch führte Barbara Bleisch.

SRF 1, Sternstunde Philosophie, 1.11.2020, 11.00 Uhr;

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Donat Kamber  (Donat Kamber)
    Was uns die Wissenschaft nicht darlegt, ist der Umstand, dass 5‘000 Jahre Himmelsbeobachtung und Astronomie bei weitem nicht ausreichen, um sich auch nur ansatzweise ein Bild der Himmelsmechanik zu machen. Bildhaft gesprochen, wie wenn man sich zutraut, eine verlässliche Wettervorhersage zu machen, nach dem man, lassen wir uns durchaus grosszügig sein, von einem Punkt der Erde aus für eine Stunde dem aktuellen Wettergeschehen zugeschaut hat.
    1. Antwort von Julian Perrenoud  (jpe)
      Ich bin nicht einverstanden mit diesem Einwand. Bedenke, dass Abstand Zeit bedeutet. Eine 10 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie sehen wir so wie sie for 10M Jahren war. Darum sehen wir nicht nur 5000 Jahre sondern 13Milliarden Jahre Geschichte des Universums.
  • Kommentar von Matthias Fries  (mfries)
    Vielen Dank für diese hervorragende Sendung. Die Thematik, wie auch der Gast, waren sehr interessant. Einmal mehr ist erfrischend, spannende Themen und Persönlichkeiten mit Tiefgang in einem unaufgeregten Format zu sehen.
  • Kommentar von Guido Casellini  (CAS)
    Hauptsächlich glaubt man daran.....alles andere ist reine Beilage....
    1. Antwort von Sam Brenner  (Sam Brenner)
      Sie haben da wohl was missverstanden, hier gehts um Wissenschaft, nicht um Verschwörungstheorien.
    2. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Effektiv ging es um Philosophie, Hr. Brenner.