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Die geheime Gästekartei im Bündner Grandhotel

Das alte Grandhotel Waldhaus in Vulpera lockte die Noblen und die Reichen aus der ganzen Welt ins Unterengadin. Was jetzt erst publik wird: Concierges beobachteten heimlich die Gäste und machten böse Einträge. Die Kartei entlarvt auch einen starken Antisemitismus der Schweizer Hotelangestellten.

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Tausende von Karteikarten hatten Concierges und Rezeptionisten zwischen 1920 bis 1960 heimlich mit ihren Kommentaren gefüllt: Diese Dokumente geben an, wer mit Trinkgeldern geizte, ständig das Haar in der Suppe suchte oder ins Lavabo urinierte. Mehr noch: sie enthüllen, wer heimlich Damenbesuch empfing, Probleme mit Alkohol hatte oder einen Bräutigam für die Tochter suchte.
Was die einheimischen Hotelangestellten allerdings nicht bedachten: die Einträge lassen auch Rückschlüsse auf sie selbst zu. Frauen wurden zum Beispiel moralisch viel kritischer beurteilt als Männer. Und ihre Kommentare über jüdische Gäste entlarven eine stark antisemitische Haltung, die sich auch während und nach dem 2. Weltkrieg kaum änderte.
Der Fotograf Lois Hechenblaikner und die Kulturwissenschaftlerin Andrea Kühbacher – beide aus Tirol – haben sich intensiv mit der brisanten Gästekartei aus dem Grandhotel Waldhaus in Vulpera beschäftigt: ihre Erkenntnisse und Kommentare sind jetzt im reich bebilderten Band «Keine Ostergrüsse mehr!» öffentlich einsehbar.

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