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Joel Basman im Interview «Crack ist ein Teufel, mit dem man nicht tanzen darf»

Joel Basman stand schon mit 14 vor der Kamera. Später filmte er Seite an Seite mit Hollywood-Stars. George Clooney sagt: «Die Schweiz sollte stolz sein, er ist ein wunderbarer Schauspieler.»

Joel Basman

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Joel Basman ist einer der profiliertesten Schweizer Schauspieler. Der Zürcher mit israelischen Wurzeln beeindruckt durch seine enorme Wandlungsfähigkeit – vom zerbrechlichen Jugendlichen bis zum harten Charakterkopf. Bekannt wurde er durch Filme wie «Wolkenbruch» oder «Land am Sonntag». Mit seiner intensiven Präsenz und präzisem Spiel gewann er zahlreiche Auszeichnungen.

SRF: Warum wurde es in den letzten drei Jahren ruhig um Sie?

Joel Basman: Gute Angebote fehlten. Und das Filmbusiness setzt auf Streaming.

Sie waren arbeitslos. Nagt das am Selbstvertrauen?

Nein. Ein Schock war aber die Erkenntnis, als selbständig erwerbender Künstler in der Schweiz keine Chance zu haben. Die Sozialversicherungsanstalt sagte, ich müsse den Job wechseln.

War das verletzend?

Extrem. Es tönte wie: Es ist vorbei mit dem Film. Das aktivierte in mir aber eine Energie: Nein, es ist gar nichts vorbei!

War es schwierig, mit sich selbst zurecht zu kommen?

Horror (lacht). Aber pro Jahr in fünf verschiedene Welten einzutauchen ist auch ideal, um vor eigenen Problemen wegzurennen. Das hilft nicht bei der Frage: Wer bin ich eigentlich?

Verliert man sich ein wenig durch die vielen Rollen?

Oder man sucht sich gar nicht erst. Ich bin dankbar, nun zur Auseinandersetzung mit mir gelangt zu sein.

Jetzt haben Sie das Theaterstück «Sonja – ein Junkieleben» geschrieben. Es führt in Ihre Kindheit im Kreis 4 zur Zeit der offenen Drogenszene. Warum spielen Sie eine Frau?

Das geschah unbewusst.

Sie haben oft Aussenseiter und extreme Charaktere gespielt. Haben Sie mehr Verständnis für solche Menschen dank Ihrer Jugend?

Ja, und ich bin meinen Eltern dankbar, dass wir im Kreis 4 geblieben sind. In unserer Nachbarschaft lief alles herum – in jedem Zustand.

Was ist am Stück autobiografisch?

Wir sind umgeben von legalen und illegalen Drogen. Ich finde Alkohol am verheerendsten. Aber harte Drogen haben in Zürich sehr grossen Schaden angerichtet. Was mir nicht guttut, habe ich selbst herausgefunden.

Haben Sie viel ausprobiert?

Ich bin 36. Es wäre langweilig, wenn nicht. Aber es ist nicht so, dass ich einmal quer durchs Drogen-Alphabet spaziert bin.

Die derzeitige Crack-Epidemie macht ihr Stück sehr zeitgemäss.

Wo ich als Kind in Parks Spritzen sah, sind heute Glaspfeifen. Wenn Politiker nicht begreifen, was Crack mit einem macht, haben wir ein Problem.

Wissen Sie es?

Ja. Meine Eltern sind noch im Kreis 4. Ich will wissen, was dort passiert.

Haben Sie Crack probiert?

Nein. Es gibt Teufel, mit denen darf man nicht tanzen.

Wie gehen Sie neue Rollen an?

Mit umfassender Recherche. Ich mag zum Beispiel auch Psychopathologie.

Besteht die Gefahr, von einer Rolle überflutet zu werden?

Ja, sie kann omnipräsent werden. Alles dreht sich um sie.

Suchen Sie sich auch Hilfe?

Therapie gehört zu gutem Verstand. Mir tut es gut, hie und da abzuladen.

Wer keine Sympathieträger spielt, gilt vielleicht auch als unsympathisch.

Die Leute denken eh, was sie denken. Ich suche auch nicht bewusst nach solchen Rollen. Die mit Ecken und Kanten sind halt oft die Bösen. Das Drehbuch muss gut sein, besetzen tut letztlich die Regie.

Es heisst, Sie hätten schon als Kind Oscarreden eingeübt.

Keine Ahnung, wo das herkommt. Das stimmt nicht. Aber ich habe letzthin ein Tagebuch entdeckt, wo ich mit 10 Jahren schreibe, ich wolle einen Oscar.

Lebt der Traum?

Klar. Wenn Du in einem Business tätig bist, willst du dessen höchstmögliche Auszeichnung. Aber ich definiere heute meine Qualität nicht mehr darüber.

Sie haben einmal über sich gesagt: «Ich bin gesund grössenwahnsinnig». Gilt das noch? Und braucht man diese Haltung in Ihrem Geschäft?

Auf jeden Fall. Mein Motto ist immer, zwar bescheiden, aber auch hungrig zu bleiben.

Das Gespräch führte Urs Gredig.

SRF 1, 11.06.2026, 22:25 Uhr ; 

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