Divertimento, das erfolgreichste Schweizer Komikerduo, ist derzeit auf Abschiedstournee – und dreht einen Kinofilm.
SRF: Euer Film soll 2027 in die Kinos kommen. Habt ihr die Bühne satt?
Jonny Fischer: Oh nein! Aber wir sind seit 27 Jahren auf der Bühne, und dort muss jeder Satz auf Anhieb sitzen. Jetzt freuen wir uns über die Möglichkeit, jeden Satz zu wiederholen, bis wir zufrieden sind.
Brauchte es nach über 2000 Auftritten eine neue Challenge?
Manu Burkart: Ich spiele unser Programm eigentlich je länger, je lieber. Aber auf unseren Spielfilm freue ich mich sehr.
Euer Film handelt von zwei Komikern. Wie autobiografisch ist er?
Fischer: Reine Fiktion wäre schwierig, weil wir keine Schauspieler sind. Ungefähr ein Drittel ist uns real so passiert wie im Film.
Burkart: Teils tat es der Dramaturgie aber gut, Dinge auszuschmücken.
Ist es euer Erfolgsrezept, dass ihr alles unterschiedlich wie der andere angeht?
Burkart: Das ist Fluch und Segen zugleich. Wir wären nicht so erfolgreich, wenn wir nicht so unterschiedlich wären. Auf der Bühne ist das ein Geschenk, abseits der Bühne aber stets eine Herausforderung.
Fühlt ihr euch fast wie ein Ehepaar?
Fischer: Wir feiern den gemeinsamen Erfolg, brauchen aber nach wie vor Kraft, um uns gegenseitig zu halten. Deshalb haben wir auch entschieden, nach dem aktuellen Programm aufzuhören.
Ist euer Ende eine Emanzipation, damit aus dem Wir wieder zwei Ichs werden?
Burkart: Das ist unser Wunsch. Schon vor zehn Jahren haben wir gemerkt, dass Soloprojekte sehr gesund sind. Lange haben wir gemeint, es ginge nur zu zweit – und das hat uns fast gekillt.
Brauchte es Mut, euch diesen Wunsch einzugestehen?
Fischer: Für mich war es ein Geschenk des Universums, dass wir im gleichen Moment ans Gleiche gedacht haben. So war es mit dem Film und auch der Abschiedstournee.
Wie fühlt sich der Wechsel zum Film an?
Burkart: Weil es unser erster Kinofilm ist, haben wir nicht den Druck, an frühere Erfolge anknüpfen zu müssen.
Fischer: Und wir sind nicht die einzigen Verantwortlichen.
Fehlt euch im Film die Improvisation?
Burkart: Wir hoffen, so locker vor die Kamera zu treten, dass Improvisation trotzdem Platz hat.
Fischer: Wir haben der Filmcrew gesagt, dass das einfach ein wenig zu uns gehört.
Mit welchen Gedanken blickt ihr auf eure Anfänge zurück?
Burkart: Mit welcher Leichtigkeit wir auftraten. Zwei Buben, die blödeln.
Hättet ihr gern, es wäre noch so?
Fischer: Das wäre nicht mehr möglich. Die Erwartungshaltung des Publikums ist so gross. Hinzu kommen Einschränkungen, die wir uns selber auferlegen. So geht die Freiheit ein wenig verloren.
Wird eurer Humor im Film so sein wie euer Bühnenhumor?
Burkart: Von uns erwartet man wohl eine Blödel-Komödie – aber das wird der Film nicht sein. Die Lachmuskeln wollen wir sicher berühren, aber auch das Herz.
Das Gespräch führte Urs Gredig.