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Begegnungsort Bühne Warum uns Kulturfestivals seit jeher reizen

Schon im 19. Jahrhundert pilgerten Menschen zu Festspielen, um ein kulturelles Ereignis zu erleben. Weshalb sind Sommerfestivals immer noch so attraktiv?

Zwei edel gekleidete Frauen steigen eine Treppe empor.
Legende: Feingemacht für die Bayreuther Festspielen 1956: Zwei Damen vor einer Theatervorstellung. Imago / Zuma Press

Theater- und Tanzfestivals versprechen das Besondere: Eine zeitliche Verdichtung, internationale Produktionen, interessante Begegnungen. Festivals wie das Zürcher Theater Spektakel und das Theaterfestival Basel stehen mit diesen Versprechen in einer historischen Tradition.

Frühe Eventkultur

Die Berner Theaterwissenschaftlerin Alexandra Portmann beschäftigt sich mit der Geschichte und Gegenwart von Festivals. Sie erklärt, dass bereits Festspiele des 19. Jahrhunderts wie die Bayreuter Festspiele als Teil einer frühen Vergnügungskultur gesehen werden können.

«Wenn das Publikum an einen Ort pilgerte, um während mehreren Tagen Wagners Opern beizuwohnen, sind das schon die Anfänge eines kulturellen Tourismus», sagt Portmann.

Leute draussen am Theaterspektakel.
Legende: Pilgern auf die Zürcher Landiwiese für besondere Bühnenstücke: Besucher am Theaterspektakel. Kira Barlach

Austausch nach dem Krieg

Eine zweite historische Linie lässt sich zu den prominenten Festivalgründungen nach dem Zweiten Weltkrieg verfolgen. «Vor dem Hintergrund prägender politischer Ereignisse wie dem Zweiten Weltkrieg wurden internationale Festivals als Orte der Begegnung und der kulturellen Diplomatie verstanden», sagt Alexandra Portmann.

Das Festival d’Avignon oder das Edingburgh International Festival wurden gegründet, um dem Publikum unterschiedliche europäische Theatersprachen vorzustellen und damit nach dem Krieg einen Austausch anzustossen.

Politische Umbrüche

Viele der heutigen Theater- und Tanzfestivals sind in gesellschaftlichen Umbruchzeiten entstanden. Etwa nach den beiden Weltkriegen oder in den 1980er-Jahren.

In der spezifischen Verbindung von Kunst und Gesellschaft ermöglichen sie einen Blick über den nationalen Tellerrand und gelten als wichtige Ergänzung zu den städtischen Theatern, die ein lokales Repertoire entwickeln.

Im Zuge der postkolonialen Kritik der 80er-Jahre mussten auch internationale Festivals ihr Tun hinterfragen: Wer entscheidet, welche KünstlerInnen eingeladen werden? Was passiert mit einer südafrikanischen Produktion, wenn sie in einem westlichen Kontext gezeigt wird? Werden damit nicht auch bestehende Machtstrukturen und klischierte Vorurteile zementiert?

Postkoloniale Kritik

Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen war ein weiterer wichtiger Schritt in der Entwicklung unserer heutigen Festivals, erklärt Theaterwissenschaftlerin Alexandra Portmann.

«Die Kritik an der Repräsentationspolitik von Festivals führte dazu, dass man sich Gedanken über neue Arbeits- und Produktionsweisen gemacht hat», sagt sie. «Internationale Koproduktionen wurden ein wichtiger Teil des Kuratierens.»

Junge Leute spielen Theater auf der Bühne.
Legende: Am Theaterfestival Basel gehört die Bühne jungen Leuten aus europäischen Metropolen: Szene aus dem Stück «To Da Bone». Theaterfestival Basel

Ein prominentes Beispiel einer Festivalgründung in dieser Zeit ist das Kunstenfestivaldesarts in Brüssel, Link öffnet in einem neuen Fenster. Aber auch das Zürcher Theaterspektakel und das Theaterfestival Basel gehen auf diese Zeit zurück.

Flüchtigkeit, die passt

Austausch und Begegnungsorte waren Festivals also seit jeher. Im Zuge der Globalisierung sind internationale Koproduktionen allerdings längst kein Alleinstellungsmerkmal von Festivals mehr. Auch die Stadttheater produzieren heute teilweise international und haben die Arbeitsweisen und die Ästhetik der freien Szene adaptiert.

Ein Mann steht auf der Bühne, mit dem Rücken zum Publikum.
Legende: Vor zehn Jahren am Zürcher Theaterspektakel: Szene aus dem Stück «Membros». Keystone / Steffen Schmidt

Verlieren dadurch Festival ihre Attraktivität? «Festivals werden durch ihre Zeit- und Ortgebundenheit ein beliebtes Veranstaltungsformat bleiben», sagt Alexandra Portmann. «Vielleicht passt ja ihre Flüchtigkeit sogar besonders gut in unsere schnelllebige Zeit.»

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