Theaterstück von Milo Rau «Die Zuschauer werden Angst bekommen»

Milo Rau inszeniert «Die 120 Tage von Sodom». Das ist alles andere als leichte Kost – auch für die Schauspielerin Julia Häusermann.

Video «5 Fragen an Julia Häusermann» abspielen

5 Fragen an Julia Häusermann

3:27 min, vom 25.1.2017

Extrem. Verstörend. Grausam. Pier Paolo Pasolinis Film «Saló oder die 120 Tage von Sodom» gehört bis heute zu den umstrittensten Werken der Filmgeschichte.

Ausgerechnet auf diesem Film basiert das neue Stück von Regisseur Milo Rau. Im Stück werden junge Männer und Frauen entführt, sexuell misshandelt und zu Tode gefoltert.

Zusatzinhalt überspringen

Beiträge zum Thema

Beiträge zum Thema

Keystone

«Wieso machen die das?»

Für besonderen Aufruhr hat gesorgt, dass auch Schauspieler mit einer geistigen Behinderung im Stück mitwirken. Julia Häusermann ist eine von ihnen. Für sie ist klar, für die Zuschauer ist das Stück keine leichte Kost: «Ich fühle, was die sagen werden. ‹Wieso machen die das? Ohne Grund?›».

Auch sie beschäftigen einige Szenen. Trotzdem spielt sie ihre Rolle professionell. Von Milo Rau fühlte sie sich stets gut betreut. Die 24-Jährige schloss 2012 ihre Schauspiel-Ausbildung beim Theater Hora ab und kann bereits auf einige Erfolge zurückblicken.

Traumberuf gefunden

So wurde sie 2013 in New York für den «Bessie Award» nominiert und erhielt 2012 den Alfred-Kerr-Darstellerpreis als beste Nachwuchsschauspielerin des Berliner Theatertreffens. Es wurden ausserdem zwei Dokumentarfilme über sie gedreht: Die junge Schauspielerin hat ihren Traumberuf gefunden.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Milo Rau geht an die Grenzen des Ertragbaren

    Aus Kulturplatz vom 25.1.2017

    In den nächsten Tagen sind zwei Produktionen von Milo Rau in Zürich zu sehen: «Five Easy Pieces» und «Die 120 Tage von Sodom». Der gefeierte Schweizer Theatermacher lotet mit beiden Inszenierungen die Grenzen des Ertrag- und Darstellbaren aus. Bei «Five Easy Pieces» spielen Kinder den Fall Dutroux nach. Bei «Die 120 Tage von Sodom» bringt Rau – zusammen mit dem Theater Hora von und mit Menschen mit einer geistigen Behinderung – den Skandalfilm von Pier Paolo Pasolini auf die Bühne. Zweieinhalb Wochen vor der Premiere schaut «Kulturplatz» bei den Proben im Schiffbau zu und erinnert an den Film.

    Eduard Erne