Damit hatte er wohl nicht gerechnet: Mit seiner Bemerkung über angeblich mangelndes Interesse an Oper und Ballett hat Hollywood-Star Timothée Chalamet einen kleinen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Viel Lärm um – ja, was genau?
«Niemand interessiert sich für Oper»
Kürzlich in einer «Variety»-Gesprächsrunde mit Schauspiel-Kollege Matthew McConaughey: Chalamet diskutiert unter anderem über die Zukunft des Kinos und das Interesse an Filmen. Dabei sagt er, dass er nicht in Bereichen wie Ballett oder Oper arbeiten wolle – «Dinge, bei denen man sagt, ‹Hey, erhaltet diese Sache am Leben, obwohl sich niemand mehr dafür interessiert›.»
Schnell fügt Chalamet zwar noch hinzu, er habe grössten Respekt für die «Ballett- und Opernleute da draussen» – doch da ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen.
In Zürich wütet ein Monster
Die Reaktionen folgen postwendend: Von Los Angeles bis Zürich posten die Opernhäuser Antworten in den Sozialen Medien – mal nüchtern, mal mit Humor. Im kurzen Tiktok-Clip des Opernhaus Zürich etwa schaut sich eine Dino-ähnliche Echse die Aussage Chalamets an, wütet danach zu Rosalias Opernhymne «Berghain» und kritzelt einem Chalamet-Konterfrei ein paar Hörner auf den Kopf.
Dafür gibt’s 9000 Herzchen auf Tiktok, mehr als 18'000 sogar auf Instagram – im Vergleich zu den üblichen 200 Likes ein kleiner Hit. (Ach ja, und warum die Echse? Es ist die Figur des «Gorgonzilla» aus der aktuellen Inszenierung «Monster’s Paradise», die am Wochenende im Opernhaus Premiere feierte).
«Sorry, leider ausverkauft»
Nebst Zürich werden auch andere Opernhäuser kreativ: Die New Yorker Metropolitan Opera postet auf Tiktok ein Video von Mitarbeitern hinter den Kulissen, Musikerinnen und Zuschauern im vollen Opernsaal, mit dem Untertitel «Das hier ist für dich, Timothée Chalamet».
Das Opernhaus in Los Angeles schreibt auf Instagram: «Sorry, wir würden dir Freikarten für die Oper Akhnaten geben, aber die Vorstellung ist fast ausverkauft. Es gibt noch ein paar Plätze zu kaufen, wenn du dich beeilst.»
Die Wiener Staatsoper wiederum verlinkt auf Instagram die Äusserung von Chalamet und startet sogar eine Strassenumfrage: «Sind Oper und Ballett den Leuten wirklich egal?» Die Bühne in Wien würde auf ihn warten, schreibt das Haus zu einer «persönlichen Einladung» für den Schauspieler.
Die Bayerische Staatsoper und das Staatsballett posten einen kurzen Clip mit Chalamets Zitat, unmittelbar gefolgt von einem Video mit klatschendem Publikum im vollen Saal nach einer Aufführung.
Ein zweites Standbein für Chalamet?
Auch die Briten gehen kreativ in die Offensive: Die Royal Opera in London unterlegt die Worte des Schauspielers mit einem temporeichen Video von Proben und Aufführungen, mit dem Hinweis, dass sich hier jeden Abend Tausende versammeln würden. Und an Chalamet gerichtet: «Wenn du es dir anders überlegen willst, unsere Türen stehen dir offen.» Wer weiss – vielleicht, wenn's mit dem Oscar dieses Jahr nichts wird?