Ein kritischer Blick auf Ex-UBS-Investmentbanker Kweku Adoboli, Luna Wedler im Höhenflug und zahlreiche Würdigungen: Das sind die Highlights der 61. Solothurner Filmtage, die am 21. Januar starten.
Den Auftakt macht ein Ex-UBS-Investmentbanker
Im Eröffnungsfilm wird es politisch: In «The Narrative» geht es um Kweku Adoboli, der für die UBS-Investmentbank in London gearbeitet und 2011 2.3 Milliarden Dollar verspekuliert hat.
In der Folge wurde er wegen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt und scheiterte 2014 am Londoner Berufungsgericht. Im Juni 2015 wurde er wegen guter Führung vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Der Dokumentarfilm von Bernard Weber und Martin Schilt erzählt seine Geschichte.
Niccolò Castelli, der künstlerische Leiter der Solothurner Filmtage, über die SRF-Koproduktion: «Der Eröffnungsfilm handelt von einem jungen Menschen, der schnell zum Sündenbock für eine komplexe Finanzindustrie wurde. (…) Der Film untersucht die Macht medialer Erzählungen und macht deutlich, wie schwierig es ist, diesen zu entkommen.»
Alle Augen auf Luna Wedler
Star der Filmtage wird Luna Wedler sein. Sie hat die Hauptrolle in Nicolas Steiners SRF-Koproduktion «Sie glauben an Engel, Herr Drowak?».
Luna Welder spielt in der Tragikkomödie eine Studentin, die im Rahmen eines sozialen Projekts einen Kurs als Schreibtrainerin übernimmt. Es gibt nur einen Teilnehmer (und der ist miesgelaunt) nämlich den ehemaligen Obdachlosen Hugo Drowak, der allein in einem heruntergekommenen Hochhaus lebt.
Grosse Bühne für Edna Politi
Gewürdigt wird die Filmemacherin Edna Politi. Die 78-jährige wuchs als Jüdin im Libanon auf, hat die israelische und französische Staatsbürgerschaft. Der Mix an Kulturen spiegelt sich in ihren über 30 Dokumentar- und Spielfilmen wieder. Seit 40 Jahren lebt und arbeitet Edna Politi in Genf.
Im Zentrum der Retrospektive steht ihre Nahost-Trilogie, darunter der Dokumentarfilm «Für die Palästinenser, eine Israelin berichtet», den sie 1973, während des Jom-Kippur-Kriegs, gedreht hat. Edna Politi habe den Film mit der Überzeugung gedreht, dass eine Verständigung zwischen dem israelischen und dem palästinensischen Volk nur möglich sei, wenn die Völker das Recht auf nationale Selbstbestimmung anerkennen würden.
Die Gewinner und Gewinnerinnen des Prix Swissperform und Prix d'honneur
Die Preisträger des Prix Swissperform 2026 stehen bereits fest. Mit der Auszeichnung würdigen die Filmtage seit 2001 besondere Schauspielleistungen in TV-Produktionen. Der Preis für die beste Hauptrolle geht an Irène Jacob für ihre Rolle als Ermittlerin in der RTS-Fernsehserie «Intraçables».
Den Jurypreis erhält Esther Gemsch, für ihre Rolle in der RSI-Krimi-Serie «La Linea della Palma». Als bester Nebendarsteller in der RTS-Thriller-Serie «The Deal» wird Max Hubacher ausgezeichnet. Rabea Lüthi bekommt für ihren Auftritt in der SRF-Comedy-Serie «Maloney» den Nachwuchspreis.
Auch der Prix d'honneur steht bereits fest
Der Prix d'honneur, dotiert mit 10'000 Franken, geht an den Filmjournalisten Michael Sennhauser. Er arbeitete 26 Jahre lang als Filmkritiker beim Radiosender SRF 2 Kultur. Seit 2024 ist er im Vorruhestand.
Michael Sennhauser habe die kulturelle Bedeutung der Filmkritik gestärkt, schreiben die Solothurner Filmtage. Ausserdem wolle man ein Zeichen für die Bedeutung eines starken, unabhängigen Kulturjournalismus setzen.