Vor einer Fussball-WM wird ja meist versucht, eine problemfreie Stimmung zu verbreiten. Die Doku-Serie «The Belonging» über Schweizer Nationalspieler ist anders.
Es geht um schwierige und komplexe Dinge wie Zugehörigkeit und Herkunft. Themen, die zentral bei der Nationalmannschaft sind. Über die Hälfte der Spieler sind Secondos.
Die Doku-Reihe startet mit dem WM-Spiel 2018 gegen Serbien, als Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri nach ihren Toren mit den Händen den albanischen Doppeladler formten. Die Provokation der Spieler mit albanischen Wurzeln gegen die Serben sorgte für Debatten, auch über die Grundsatzfrage, ob Doppelbürger in der Schweizer Nationalmannschaft spielen sollten.
Das ist der Ausgangspunkt der sehenswerten Doku-Reihe, von der aus sie in die Lebensläufe der Spieler einsteigt.
Zum Beispiel in den von Nationalspieler Manuel Akanji, Sohn einer Schweizerin und eines Nigerianers. Seine Familie kommt zu Wort, berichtet über Rassismus im Alltag, als der Fussballstar als Kind mit dem N-Wort beschimpft wurde, als sie bei Restaurantbesuchen nicht bedient worden sind.
Trotz der Erlebnisse musste Manuel Akanji in Sachen Nationalmannschaft nicht lange nachdenken. Auch weil es kein Angebot aus Nigeria gab.
Schweiz oder nicht Schweiz
Sein Kollege Breel Embolo hatte es schwerer. Er musste wählen. Kamerun oder Schweiz. Er nannte es die schwierigste Entscheidung seines Lebens – und erklärt in der Doku-Serie, dass es keine Entscheidung gegen Kamerun, sondern für die Schweiz war, weil das Land ihm alles gegeben habe.
Natürlich gibt es Spieler, die sich gegen die Schweizer Nationalmannschaft entschieden haben. So wie Alban Hajdari, der für den Kosovo spielt. Und natürlich Ivan Rakitic. Der musste lange nachdenken. Nach seiner Entscheidung, für Kroatien zu spielen, wurde er als Verräter beschimpft. Es gab sogar Morddrohungen.
Ivan Rakitic sagt in der Doku-Reihe, dass er glaube, dass wegen seiner Wahl seine Eltern nie die Schweizer Staatsbürgerschaft bekommen haben. Trotzdem sieht der Fussballstar sich als Schweizer. Er ist stolz auf sein Leben in verschiedenen Kulturen.
Eingeordnet werden die Geschichten der Fussballer von Experten, wie SRF-Sportreporter Sascha Ruefer, Nationaltrainer Murat Yakin oder FC-Basel-Nachwuchstrainer Werner Mogg. Der betont, wie wichtig Spieler wie Granit Xhaka gewesen sind: «Die Albaner, die wir hatten und haben, haben eine sehr gute Mentalität mitgebracht, die dem Schweizer Fussball sehr gut getan hat. Die hatten mehr Biss als andere.»
Ehrliche Fussballstars
Manuel Akanji, Breel Embolo, Albian Hajdari und Ivan Rakitic erzählen offen von ihren Entscheidungen.
Verbunden werden ihre Geschichten durch die von Nachwuchsgoalie Gonçalo Fernandes da Silva, einem 18-Jährigen mit Wurzeln in Portugal, der sich noch entscheiden muss, welches Nationaltrikot er überstreifen will.
Was die Spieler verbindet: Erfahrungen mit Rassismus, ein Leben in zwei Kulturen und die Leidenschaft für Fussball.
Manuel Akanji fasst es zusammen: «Ich habe ein Schweizer und ein nigerianisches Herz. Aber das spielt auf dem Spielfeld keine Rolle … Es spielt für mich keine Rolle, ob ich 25 Prozent Schweizer bin, oder 75 Prozent oder 100 Prozent. Und ich glaube, das macht bei uns jeder in der Mannschaft. Am Ende wollen wir alle erfolgreich sein.»
«The Belonging» läuft auf Sky.