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Neu im Kino Toy Story 5: Ausgerechnet Disney warnt vor zu viel Bildschirmzeit

Im fünften Teil der Reihe kämpfen Woody und seine Freunde nicht mehr gegen rivalisierende Spielzeuge, sondern gegen einen Bildschirm. Ein überraschend differenzierter Film über digitale Ablenkung, das Älterwerden und die Angst, ersetzt zu werden.

Als Pixar vor 30 Jahren mit «Toy Story» den Animationsfilm revolutionierte, galt das Studio als Inbegriff des Neuen. Im neuen Film «Toy Story 5» geht es um Spielzeuge, die Angst haben, nicht mehr gebraucht zu werden. So entsteht ein Film über Bildschirmzeit und die Frage, wie man relevant bleibt, wenn die Welt sich verändert.

Im fünften Teil der Reihe kämpfen die Spielzeuge um die Aufmerksamkeit einer Achtjährigen, die ihre Zeit zunehmend mit einem digitalen Gerät namens «Lilypad» verbringt.

Spielzeugfigur mit Cowboyhut betrachtet Tablet im Kinderzimmer.
Legende: Der «böse Eindringling»: ein Tablet-artiges Gerät im herzigen Frosch-Design. Die Anführerin der Spielzeugbande in «Toy Story 5» ist diesmal Cowgirl-Stoffpuppe Jessie. Pixar

Ausgerechnet Disney, einer der grössten Player im globalen Aufmerksamkeits-Wettbewerb, erzählt also eine Geschichte über die Gefahren digitaler Unterhaltung. Die Ironie liegt auf der Hand. Dennoch trifft der Film einen Nerv. Denn «Toy Story 5» verhandelt eine Frage, die viele Familien beschäftigt: Was wird aus dem freien Spiel, wenn Smartphones und Co das Kinderzimmer erobern?

Jenseits der Schwarz-Weiss-Malerei

Das Bemerkenswerte an «Toy Story 5» ist, dass der Film nicht in kulturpessimistisches Schwarz-Weiss-Denken verfällt und die Technologie nicht verteufelt. Stattdessen erzählt er mit Charme von einer Verunsicherung, die alle Generationen betrifft: Wie geht man mit Veränderungen um? Wie findet man seinen Platz in einer Welt, die sich ständig wandelt?

Kind hebt Spielzeugfigur hoch, während andere Kinder zuschauen.
Legende: «You’ve got a friend in me»!? Naja ... Die neuen «besten Freunde» der Kinder in «Toy Story 5» haben Bildschirme und sehen aus wie iPads. Pixar

Die Geschichte der Spielzeuge, die Angst haben, nicht mehr gebraucht zu werden, erzählt auch etwas über Pixar selbst. Kein Studio hat die Animationswelt so stark verändert wie Pixar. Seine Geschichte beginnt Ende der 1970er-Jahre, als George Lucas eine Special-Effects-Abteilung gründet. 1986 kauft Steve Jobs die Sparte, tauft sie Pixar. Mit dem Kurzfilm «Tin Toy» gewinnt das junge Studio 1988 den ersten Oscar. Wenige Jahre später revolutioniert «Toy Story» die Filmindustrie als erster vollständig computeranimierter Langfilm.

Darauf folgt eine einzigartige Erfolgsserie. Filme wie «Findet Nemo», «Ratatouille» oder «Wall-E» bescheren dem Studio weitere 22 Oscars. Das Erfolgsrezept: Technische Innovation trifft auf berührende Geschichten.

Pixar im Wandel

Heute ist Computeranimation längst Standard. Die Konkurrenz ist grösser denn je, Streamingdienste haben die Branche verändert, und mit der Künstlichen Intelligenz steht die nächste technologische Umwälzung vor der Tür. Pixar ist nicht mehr der Vorreiter von einst. Seit der Disney-Übernahme 2006 setzt Pixar verstärkt auf Fortsetzungen.

«Toy Story 5» ist ein Produkt dieser Entwicklung und zugleich ein Film über die Angst, ersetzt zu werden. Diesmal führt Cowgirl-Stoffpuppe Jessie die Spielzeugbande an. Woody bleibt als Nebenfigur erhalten und altert mit seinem Publikum: mehr Bauch, weniger Haare. Solche Details machen den Charme der Reihe aus. Seit 30 Jahren erzählt «Toy Story» von Freundschaft und der Suche nach dem Sinn in Zeiten des Wandels. Auch der neue Film setzt nicht auf einfache Antworten, sondern auf Wärme, Humor und Ambivalenz.

Am Ende handeln die Sorgen der Spielzeuge weniger von Tablets als von etwas Universellerem: von der Furcht, an Bedeutung zu verlieren. Es ist eine Furcht, die Jessie kennt. Und vielleicht auch Pixar. Doch solange das Studio Filme hervorbringt, die Kinder und Erwachsene gleichermassen ansprechen, braucht es seine Zukunft kaum zu fürchten.

Kinostart: 23. Juli

Radio SRF 3, 23.7.2026, 9:15 Uhr

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