Wer an die Fantasy-Serie «Game of Thrones» denkt, denkt an mittelalterliche Königreiche, staatstragende Intrigen, Schwertkämpfe, Schlachten, Bürgerkriege, an Drachen, Magie, jede Menge Sex und an Adelsfamilien mit Namen wie Lannister oder Targaryen.
Das machte die Serie und den ersten Spin-off «House of the Dragon» aus. «A Knight of the Seven Kingdoms» geht andere Wege.
Es ist eine komisch-dreckige Geschichte, die 90 Jahre vor «Game of Thrones» spielt. Der fahrende Ritter Ser Arlan stirbt. Sein Knappe Dunk, ein Riesenkerl, nimmt dessen Waffen und Pferde – und beschliesst, sich als Ritter auszugeben. Auf dem Weg trifft er auf einen vorlauten, glatzköpfigen Jungen, der unbedingt in seine Dienste treten will. Als Knappe.
Der Junge nennt sich Egg, ist wortgewandter als Dunk und weiss auch mehr über Umgangsformen und das Rittertum. Widerwillig nimmt Dunk ihn mit zu einem Turnier.
Dort angekommen, beginnen Dunks Probleme. Denn da ihn keiner in der Turnierleitung kennt, muss er einen Ritter finden, der sich dafür verbürgt, dass er ein echter Ser ist. Und so zieht Dunk von Kämpfer zu Kämpfer, von denen er weiss, dass sein toter Herr für sie in den Krieg gezogen ist. Aber keiner erinnert sich an Ser Arlan.
Ein persönliches Schicksal
«A Knight of the Seven Kingdoms» konzentriert sich auf Dunk und seinen Versuch, ein Ritter zu sein. Dabei macht der Tollpatsch fast alles falsch. Ohne den cleveren Egg wäre er aufgeschmissen. Aber auch der Kleine kann nicht jede Dummheit verhindern. Eines Tages legt sich Dunk mit dem falschen Ritter an und sein Tod scheint besiegelt.
Wie die Mutterserie basiert der Ableger auf einer Buchvorlage von George R. R. Martin, die auf Deutsch unter dem Titel «Der Heckenritter von Westeros» erschienen ist.
Brutale, dreckige Welt
Anders als in «Game of Thrones» gibt es in «A Knight of the Seven Kingdoms» viel zu lachen. Die Serie ist fast schon eine Mittelalter-Satire, so düster ist die Welt. Magie und Drachen spielen keine Rolle. Hygiene auch nicht. Das Alltäglichste wird gezeigt. Bei Minute vier der ersten Folge sieht man, wie Dunk Durchfall hat und sich bei einem Baum erleichtert. Die zweite Folge zeigt zu Beginn Ser Arlan, der nackt vor ein Haus tritt und uriniert.
Ritter sind Verrückte, Schläger und Mörder, die rohen Fischen den Kopf abbeissen, keine edlen Helden, die Gutes tun. An dieses Ideal glaubt allerdings Dunk. Er steht aber damit fast alleine da.
Wenn die Kerle kämpfen, geht es weder sportlich noch fair zu: Jeder fiese Trick ist erlaubt. Es geht nur um den Sieg und das daraus gewonnene Geld und Prestige.
Zwei neue Gesichter
Die Geschichte von Dunk und Egg wird schnörkellos und gleichzeitig lustig und melancholisch erzählt. Getragen wird sie auf den sehr unterschiedlichen Schultern der Hauptdarsteller Peter Claffey (Dunk) und Dexter Sol Ansell (Egg).
Peter Claffey war Rugbyspieler, unter anderem in der irischen U20-Nationalmannschaft. 2022 hatte der heute 28-jährige seinen ersten TV-Auftritt. Dunk ist seine erste Hauptrolle.
Dexter Sol Ansell hatte seinen ersten TV-Auftritt im zarten Alter von zwei Jahren. Seitdem hat der 11-Jährige fleissig weitergespielt. Er ist der heimliche Star von «A Knight of the Seven Kingdoms».
Die Serie ist dicht dran an einem Zwei-Personen-Kammerspiel und verlässt sich auf den Charme der Darsteller, gute Dialoge, atmosphärische Bilder – und ihre kleine, aber feine Geschichte.
Ab 19. Januar auf HBO Max.