Wozu braucht man den neuen Streamingdienst HBO Max? Das fragt man sich schon. Es gibt schon so viele: Netflix, Disney+, Amazon Prime, Apple+, Sky, Play Suisse, dazu die wachsenden Plattformen der deutschen Sender ProSieben und RTL. Wer kann das alles anschauen? Und wer kann und will das alles abonnieren und zahlen?
Ein sicheres Geschäft ist es auch nicht: Disney+ kam erst 2024, sechs Jahre nach dem Start, in die schwarzen Zahlen. Kleinere Dienste wie Peacock und Paramount schreiben rote.
Coole Serien
Klar, HBO Max ist in den USA bereits einer der grossen Player. Inhaltlich ist er reizvoll. HBO steht für innovative und erfolgreiche Serien wie «Game of Thrones», «Euphoria», «The Last of Us» oder «The White Lotus».
Dazu wird HBO Max Filme wie «Superman», «The Batman», die Horror-Hits «Weapons», «The Conjuring: Last Rites» oder die «Harry-Potter»-Filme im Programm haben.
Um ein Abo attraktiv zu machen, gibt es zu Beginn gleich einen grossen Serienstart. Mit «The Knight of the Seven Kingdoms». Das ist ein Ableger von «Game of Thrones», basierend auf einer Buchvorlage von George R. R. Martin, die auf Deutsch unter dem Titel «Der Heckenritter von Westeros» erschienen ist. Es ist eine kleine, dreckige Geschichte um einen Knappen, der Ritter werden will.
Bald schon wieder weg?
Die Frage ist, in welcher Form es HBO Max in der Zukunft geben wird und zu wem der Streamingdienst gehören wird. Denn HBO Max ist Teil von Warner Brothers, demselben Filmstudio, um das es seit Ende 2025 einen Kaufkrieg zwischen Netflix und Paramount gibt.
Wenn Paramount gewinnt, wird der Konzern mit HBO Max zu einem Player, der mit Netflix, Disney und Amazon konkurrieren kann. Wenn Netflix Warner Bros. bekommt, wird der Streaming-Konzern gigantisch gross und bekommt eine Vormachtstellung, die kaum einer brechen kann. Denn HBO Max gehört bereits zu den grossen Streamingdiensten.
Wer auch immer den Kaufkrieg für sich entscheidet, die Frage ist, ob HBO Max dann ein eigenständiger Dienst bleibt.
Wegen des ohnehin schon unübersichtlichen Überangebots ist es generell wahrscheinlich, dass es künftig Fusionen gibt und einzelne Streamer nur noch als Reiter in einem grösseren auftauchen. Das ist den Firmen bewusst.
Netflix liegt vorne
Vergangene Woche verkündeten RTL+ («Neue Geschichten vom Pumuckl», UEFA Europa League) und HBO Max, das zuvor einen langjährigen Vertrag mit Sky hatte, dass sie ihr Angebot bündeln.
Ein anderes Beispiel ist der japanische Streamer Hulu, der bereits länger ein Teil von Disney+ ist. Das könnte eventuell HBO Max blühen, wenn Netflix das Rennen macht, wonach es zurzeit aussieht. Der Vorstand von Warner Brothers hatte sich vergangene Woche gegen den Deal mit Paramount ausgesprochen und den Aktionären empfohlen, sich für Netflix zu entscheiden.
Würde der Paramount-Konzern, der nach der Entscheidung des Vorstands Warner verklagt hat, doch den Sieg davontragen, wäre es möglich, dass Paramount+ in HBO Max aufgeht, weil Letzterer der grössere Name in der Streamingwelt ist.
Aber das sind alles Zukunftsvisionen und Spekulation. Vorerst kann man davon ausgehen, dass es mit HBO Max einen neuen Streamer gibt und das führt zu den schon gestellten Fragen: Wer kann das alles anschauen? Wer kann und will das alles abonnieren und zahlen?