Man vermisst sie schon, die Bewohner von Hawkins: Eleven, Mike, Max, Will, Dustin und all die anderen. Zehn Jahre begleiteten die Zuschauer den Kampf der Teenager gegen Demogorgons, Demohunde, den Mind Flayer und Vecna, dem Herrscher des Upside Down.
Im Dezember endete die Serie «Stranger Things», dieser humorvolle Mashup aus 1980er-Verehrung, Coming-of-Age- und Horrorfilm. Und natürlich lässt man ein weltweit erfolgreiches Produkt nicht sterben. Längst ist aus der Serie ein Franchise geworden: mit Games, Sachbüchern, Romanen, Comics und einem Theaterstück.
Eine Spin-Off-Realserie wird kommen. Die Zeit bis dahin soll die Animationsserie «Stranger Things: Tales from '85» verkürzen.
Keine ganz neue Idee
Animationsfilme und -serien sind ein gängiges Werkzeug, um ein Franchise auszubauen oder am Leben zu halten. Man kennt das von den DC- und Marvel-Superhelden, «Star Wars» oder «Star Trek».
Die Konzepte dabei sind unterschiedlich. DC macht oft aus einzelnen Superman- oder Batman-Comics anderthalbstündige Animationsfilme. Diese Produktionen sind oft brutal und zeigen viele Sexszenen. Sprich: Sie richten sich nicht an Kinder.
Bei «Star Wars» wird das Universum detaillierter – mit Geschichten über Nebenfiguren. Hier gab es den ungewöhnlichen Fall, dass eine Animationsserie, «Star Wars Rebels» mit einer Realserie, «Ashoka», fortgesetzt wurde.
Mehr Möglichkeiten, mehr Zielgruppen
Animationsfilme haben Vorteile: In ihnen können Welten dargestellt werden, die sonst zu teuer oder unmöglich wären. Ausserdem können die Studios Geschichten mit geringeren Produktionskosten und grösserer Flexibilität fortsetzen.
Durch Zeichentrickvarianten lassen sich ausserdem neue Zuschauergruppen ansprechen. 2010 brachte Marvel Anime-Versionen seiner Helden heraus, richtete sich also an ein junges Publikum, das nichts mit Kino, aber mit japanischen Zeichentrickfilmen anfangen konnte.
Ein bisschen wie ein Nachhausekommen
Welche Funktion hat nun «Stranger Things: Tales from '85»? Die Animationsserie richtet sich neben den Fans an Kinder und Jugendliche. Es darf noch gegruselt werden, aber abgemildert.
Zeitlich spielt die Handlung zwischen der zweiten und dritten Staffel. Der Übergang zum «Upside Down», der furchterregenden Spiegelwelt, ist verschlossen. Aber nicht alle Monster sind gestorben. Dank einer mysteriösen Gestalt, die es geschafft hat, einige wiederzubeleben.
Gegen die Ungeheuer muss das bekannte Teenager-Team antreten. Die Charaktere erkennt man sofort. Nicht nur äusserlich, auch an ihren Marotten. Schade ist, dass keiner der Schauspieler aus der Originalserie als Sprecher dabei sind.
Die Serie ist actionlastiger als das Vorbild. Es dauert ein bisschen, bis die Serie in einen Flow kommt, was daran liegt, dass die übergreifende Handlung einen nicht sofort mitreisst.
Es ist ein wenig wie ein Nachhausekommen. Die Titelmelodie ist dieselbe und zieht einen sofort in die «Stranger Things»-Stimmung.
Musikalisch nah am Original
Wie es sich für diese Serienwelt gehört, sind 80er-Hits im Soundtrack: von «Rebel Yell» von Billy Idol (1983) über «Girl U Want» von Devo oder «Hold me Now» von den Thompson Twins.
Als «Stranger Things»-Fan kann man die Serie entspannt beim Abendbrot durchschauen. Für Neueinsteiger ist es eher nichts. Die sollten lieber das Original versuchen.
«Stranger Things: Tales from '85» läuft auf Netflix.