Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Neue Netflix-Serie «Take That»: Von Aufstieg, Fall und Auferstehung einer Boyband

Auf Netflix erzählt eine neue Dokuserie die Geschichte der britischen Boygroup Take That. Neuigkeiten gibt es wenige. Ein Geschenk für Fans, 90s-Nostalgiker und sonstige Freunde musikalischer Doku-Dramen ist sie allemal.

Die dreiteilige Netflix Dokuserie «Take That» erzählt das Märchen von fünf Jungs, die im Jahr 1990 Dank Manager Nigel Martin-Smith in Manchester zusammenfinden, zur Boygroup nach amerikanischem Vorbild werden, weltweit 45 Millionen Alben verkaufen und in 56 Ländern Nummer-1-Hits wie «Back for Good» oder «Patience» landen.

Auf der Höhe des Erfolgs steigt Robbie Williams wegen Überforderung, Drogenproblemen und bandinternen Spannungen aus – die Band löst sich 1996 auf. Alle wetten darauf, dass Musterschüler Gary Barlow, der federführende Take That-Songschreiber, als Solokünstler durchstarten wird. Es kommt anders.

Robbie Williams – der Phönix aus der Asche

Nach einem anfänglichen Nummer-1-Hit wird Barlow vom Label fallen gelassen. Er zieht sich komplett zurück, entwickelt Essstörungen und droht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Die Solokarriere des charismatischen Bad Boys Robbie Williams hingegen kennt nur eine Richtung: nach oben.

Zwei Männer sitzen an einem Tisch, Hintergrund mit floralen Wandpaneelen.
Legende: Gary Barlow (rechts) ist in den 1990er-Jahren der musikalische Kopf von Take That. Das löst Frustrationen aus – vor allem bei Robbie Williams. Nach der Bandauflösung wird Barlow die grösste Solo-Karriere zugetraut, aber Robbie Williams macht das Rennen. Netflix

Williams lässt denn auch keine Gelegenheit aus, um Take That und insbesondere Erzrivalen Gary Barlow öffentlich blosszustellen – mit Vorliebe über die Revolver-Presse. Es dauert ein Jahrzehnt, bis die Band 2009 in New York für ein Album und eine Tour zur Versöhnung und vollzähligen Reunion zusammenfindet. Danach touren und arbeiten Take That im Quartett, später im Trio weiter. Robbie Williams widmet sich wieder seinem (kommerziell weitaus erfolgreicheren) Solo-Projekt.

Person mit Baseballmütze filmt sich im Spiegel.
Legende: Publikumsliebling Robbie Williams gilt als lustig, selbstironisch, wortgewandt, suchtgefährdet, unsicher, grössenwahnsinnig, tiefsinnig, ambivalent und einzigartig charismatisch. Jedenfalls: Er legt als Solokünstler eine kometenhafte Karriere hin. Netflix

Tellerwäschergeschichte mit Kalkül?

Die Serie «Take That» erzählt im Wesentlichen nichts Neues - auch wenn die Produzenten das exklusive Video-Material der Band hervorheben und aktuelle Interviews neuen Tiefgang und emotionale Nähe suggerieren: «Ich war eifersüchtig – was Robbie erreicht hatte, war schlicht zu gross», gesteht Barlow im Rückblick auf Robbie Williams’ Senkrechtstart als Solokünstler. Die Herren sind weise geworden. Das schon.

Auch Robbie Williams gibt sich versöhnlich. Seine Stimme allerdings kommt aus dem Archiv. Bezeichnend? Er hatte bereits 2023 seine Sicht der Dinge offenbart - in einer eigenen Netflix-Dokuserie. Williams' Beziehung zu Take That bleibt eine offensichtlich gebrochene.

«Wir waren Jungs aus der Arbeiterklasse, welche ein einziges goldenes Ticket bekamen. Es war die einzige Chance, unser Leben nicht abzufucken», sagt im Film eine Stimme aus dem Off. Diese Chance wollte verdient sein: Hunderte mies bezahlte Shows in abgetakelten Schulhallen und Night Clubs spielte die Band, bevor Manager Nigel seine Hypothek aufstocken und die erste Take-That-Single finanzieren konnte. Die Story von Take That ist auch eine Tellerwäscher-Geschichte.

Gleichzeitig ist die Dokuserie eine hochglanzpolierte Band-Dokumentation. Eine nostalgische Achterbahnfahrt, die virtuos alle Steilwandkurven der Erzählkunst ausreizt, um Aufstieg, Fall und Wiedergeburt des Take-That-Mythos zu illustrieren. Wohl nicht ganz ohne Kalkül: Demnächst erscheint ein neues Take-That-Album. Und eine Tour ist auch geplant.

«Take That» läuft auf Netflix.

SRF3, 27.1.2026, 16:15 Uhr.

Meistgelesene Artikel