Die Crew von «La La Land» war schon auf der Bühne versammelt, um den Preis für den besten Film entgegen zu nehmen. Doch dann stellte sich heraus, dass die Laudatoren den falschen Gewinner verkündet hatten. Das einst grösste Gangsterpaar der Filmgeschichte, Warren Beatty und Faye Dunawaye, hatten noch gezögert, bevor sie den Namen nannten. Eigentlich sollte der wichtigste Oscar des Abends an «Moonlight» gehen, nicht «La La Land».
Später entschuldigte, Link öffnet in einem neuen Fensterim Browser öffnen sich das für die Oscar-Umschläge verantwortliche Unternehmen PricewaterhouseCoopers. Versehentlich seien den Laudatoren die Umschläge der falschen Kategorie überreicht worden – auf ihrer Karte stand «Emma Stone», die Gewinnerin des vorherigen Oscars.
Die Mannschaft von «Moonlight» ging schliesslich verdutzt auf die Bühne. Ein paar Worte des Dankes noch, dann war der Spuk zu Ende. Was für eine komische Situation. Die Bilanz des Abends: Sechs Oscars für «La La Land», drei für «Moonlight», zwei für «Manchester by the Sea», zwei kleinere für «Hacksaw Ridge».
Sticheleien gegen Trump
Der neue Gastgeber Jimmy Kimmel entschuldigte sich und sagte, er habe gewusst, dass er das verhauen würde. Er versprach, nicht mehr wiederzukommen. Wer am Schlussdebakel schuld ist, wird wohl noch für viel Gesprächsstoff sorgen. Auch US-Präsident Donald Trump war ein wenig dabei, aber das erwartete vereinigte Gewitter der Stars für ihn blieb aus. Vereinzelt und meist nur dezent stichelte die Hollywood-Prominenz ein wenig gegen Trump, allen voran der neue Moderator Jimmy Kimmel.
Oscars nicht mehr so weiss
Der Comedian Kimmel stand zum ersten Mal auf der Bühne des Dolby-Theaters in Los Angeles. Gleich zu Beginn schoss er ein paar Pfeile gegen den neuen Präsidenten ab: «Diese Show wird in 225 Ländern geschaut, die uns jetzt hassen.» Dennoch habe er Donald Trump zu danken, meinte Kimmel weiter: «Erinnert ihr euch noch? Das letzte Jahr schien es, als wäre die Oscarveranstaltung rassistisch…?»
Die Filmakademie erntete damals scharfe Kritik, weil sie keinen einzigen Latino oder schwarzen Menschen nominiert hatte. Diesmal wurden immerhin sechs schwarze Schauspieler mit einer Nomination bedacht. Ein paar Stars trugen eine grosse blaue Schleife an ihren Kleidern, als Symbol für eine Gesellschaft, die niemanden ausschliesst.
Bruderkuss für Casey Affleck
Bester Schauspieler wurde diesmal Casey Affleck. Er überzeugte die Jury als psychisch labiler Mann im Drama «Manchester by the Sea». Der Bruder von Schauspieler und Regisseur Ben Affleck ist kein Mann der grossen Worte. Bewegt und etwas aufgelöst stammelte er ein paar Dankesworte. Sein Bruder gratulierte ihm mit einem dicken Kuss.
Emma Stone ist nun Oscargewinnerin für ihre Hauptrolle im Liebesmusical «La La Land». Auch sie, die haushohe Favoritin gibt sich überrascht und spult die Namen der Empfänger ihres Dankes ab. Sie müsse noch viel lernen, sagt sie, der Oscar helfe ihr jetzt dabei. Der erst 32-jährige Regisseur von «La La Land», Damien Chazelle, gewann den Oscar für die beste Regie.
Die besten Nebendarsteller
Gleich das erste Goldmännchen ging an einen schwarzen Schauspieler. Mahershala Ali, eben noch als «Remy Denton» in «House of Cards» aus Jackie Sharps Bett gestiegen, ist nun ein Academy-Award-Winner, wie der Titel in Amerika genannt wird. Der Kalifornier wurde für seine Rolle im zugleich auch als bester Film ausgezeichneten Drama «Moonlight» belohnt. Er erwähnte als erstes seine Grossmutter, die ihn immer daran erinnert habe, dass er die Knöpfe seines Jacketts schliessen solle.
Für die beste weibliche Nebenrolle ging das Goldmännchen an Viola Davis im Film «Fences». Es war der zweite Oscar für eine schwarze Nominierte. Sichtlich bewegt und schluchzend dankte Viola Davis der halben Welt. Sie war eine der wenigen, die ein leuchtend rotes Kleid trug, sonst hüllte sich die Filmprominenz vorzugsweise in Gold, Silber, Weiss und Schwarz.
Plötzlich kam wieder etwas Bewegung in die träge dahin plätschernde Show. Moderator Jimmy Kimmel bat Dutzende gewöhnliche Menschen in den Saal und stellte sie den versammelten Weltstars wie Nicole Kidmann oder Denzel Washington vor. Dazu rief er die reichen Prominenten auf, den staunenden Leuten etwas aus ihren prall gefüllten Goodie-Bags abzugeben.
«Was macht Donald Trump?»
Das Drama «The Salesman» des Iraners Asghar Farhadi erhielt die Auszeichnung als bester fremdsprachiger Film. Der Preisträger selber hatte schon vor Wochen gesagt, dass er nicht nach Los Angeles reisen werde. Aus Respekt vor den anderen sechs Nationen, deren Bürgerinnen und Bürger vorübergehend nicht mehr in die USA einreisen durften.
«Ich mache mir Sorgen um Donald Trump», meinte Jimmy Kimmel plötzlich, «er hat seit einer Weile nichts mehr getweetet». Der US-Präsident wird das vielleicht später nachholen, denn er war selber als Gastgeber beschäftigt. Mit seiner Frau Melania empfing er die Gouverneure der 50 Bundesstaaten im Weissen Haus.
Ohne Oscar heimreisen musste die Crew des Walliser Animationsfilmers Claude Barras. Das Leben seiner Zucchini im Film «Ma vie de Courgette» ging beim Goldregen leer aus, wie auch der Kurzfilm «La femme et le TGV» von Schweizer Regisseur Timo von Gunten.
Alle Oscars 2017
Bester Film | «Moonlight» |
Beste Regie | Damien Chazelle, «La La Land» |
Bester Hauptdarsteller | Casey Affleck, «Manchester by the Sea» |
Beste Hauptdarstellerin | Emma Stone, «La La Land» |
Bester Nebendarsteller | Mahershala Ali, «Moonlight» |
Beste Nebendarstellerin | Viola Davis, «Fences» |
Bestes Originaldrehbuch | Kenneth Lonergan, «Manchester by the Sea» |
Bestes adaptiertes Drehbuch | Barry Jenkins für «Moonlight» nach einer Geschichte von Tarell Alvin McCraney |
Beste Kamera | Linus Sandgren, «La La Land» |
Bestes Szenenbild | David Wasco und Sandy Reynolds-Wasco, «La La Land» |
Bestes Kostümdesign | Colleen Atwood, «Fantastic Beasts and Where to Find Them» |
Beste Filmmusik | Justin Hurwitz, «La La Land» |
Bester Filmsong | Justin Hurwitz, Benj Pasek und Justin Paul, «City of Stars» aus «La La Land» |
Bestes Make-up/Frisuren | Alessandro Bertolazzi, Giorgio Gregorini und Christopher Nelson, «Suicide Squad» |
Bester Schnitt | John Gilbert, «Hacksaw Ridge» |
Bester Ton | Kevin O'Connell, Andy Wright, Robert Mackenzie und Peter Grace, «Hacksaw Ridge» |
Bester Tonschnitt | Sylvain Bellemare, «Arrival» |
Beste visuelle Effekte | Robert Legato, Adam Valdez, Andrew R. Jones und Dan Lemmon, «The Jungle Book» |
Bester Animationsfilm | «Zootopia» von Byron Howard, Rich Moore und Clark Spencer |
Bester fremdsprachiger Film | «The Salesman» von Asghar Farhadi, Iran |
Bester animierter Kurzfilm | «Piper» von Alan Barillaro und Marc Sondheimer |
Bester Kurzfilm | «Sing» von Kristof Deák und Anna Udvardy |
Bester Dokumentarfilm | «O.J.: Made in America» von Ezra Edelman und Caroline Waterlow |
Bester Dokumentar-Kurzfilm | «The White Helmets» von Orlando von Einsiedel und Joanna Natasegara |