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Wie StageCraft das Filmemachen verändert
Aus Live vom Zurich Film Festival vom 30.09.2021.
abspielen. Laufzeit 03:23 Minuten.
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Spezialeffekt-Revolution In der Bildschirm-Halle sollen Filme wieder realistischer werden

Hollywood verabschiedet sich vom Green Screen: Eine neue Technologie soll das Schauspielen wieder natürlicher machen.

Wenn «No Time to Die» dieser Tage über die Leinwand flimmert, dann ist das nicht nur Daniel Craigs letzter Auftritt als James Bond, sondern auch eine Ausnahme im Blockbuster-Kino. Denn viele Stunts und Effekte sind hier noch von Hand gemacht, mit richtigen Menschen, Autos und Motorrädern.

In anderen Grossproduktionen dominiert dagegen der Green Screen: Die grüne Leinwand, vor der Schauspielerinnen und Schauspieler agieren, ohne zu sehen, was um sie herum eigentlich passiert. Denn Hintergründe und Effekte werden erst im Nachhinein in die grüne Fläche gerechnet. Das macht es für die Darstellerinnen und Darsteller schwer, auf die Umgebung zu reagieren.

Kein Unterschied zu echten Landschaften zu erkennen

Seit zwei Jahren arbeitet Hollywood an einer Technologie, die solche Hindernisse nicht kennt: StageCraft, eine Art Lichtkoppel, die zum ersten Mal in der Disney+-Serie «The Mandalorian» zum Einsatz kam. Der sechs Meter hohe Raum hat einen Durchmesser von 23 Metern, seine Wände werden von 1300 hochauflösenden Bildschirmen vollkommen bedeckt.

Legende: Im StageCraft-Studio steht das Razor-Crest-Raumschiff aus «The Mandalorian» wie vor einer echten Landschaft. Industrial Light & Magic

Diese Bildschirmen zeigen Landschaften, Hintergründe, computergenerierte Figuren und Spezialeffekte. Von der Kamera aufgenommen scheinen die Darstellerinnen tatsächlich in diesen Landschaften zu stehen.

Der Eindruck wird noch verstärkt, weil die Bildschirme so hell sind, dass darauf gezeigte Spezialeffekte wie Explosionen auf die Schauspieler oder Gegenstände im Raum reflektieren.

Legende: Vor einem Green Screen würde sich das Grün der Leinwand auf der Metallrüstung des Mandalorianers (rechts) spiegeln und müsste danach mühsam am Computer wieder weggerechnet werden. Industrial Light & Magic

Game-Technologie sorgt für die richtige Perspektive

StageCraft lässt das Spiel der Darsteller natürlicher werden, auch die Regisseurinnen haben schon beim Dreh das fertige Bild vor Augen und können spontan auf Probleme reagieren.

Ein Berg im Hintergrund steht an der falschen Stelle? Eine Technikerin am Computer kann ihn augenblicklich an eine andere Stelle schieben.

Legende: Die Böden und Decken des StageCraft-Studios müssen so gestaltet sein, dass der Übergang zu den mit Bildschirmen ausgekleideten Wänden nicht zu sehen ist. Industrial Light & Magic

Damit sich Hintergründe und künstlichen Figuren auf der Leinwand perspektivisch korrekt bewegen, kommt Technologie aus Computer-Games zum Einsatz: Auf Hochleistungsrechnern läuft während den Dreharbeiten die UnrealEngine – eine Software, die auch Games wie etwa «Fortnite» antreibt. Sie berechnet in Echtzeit jeden einzelnen Pixel der 1300 hochauflösenden Bildschirme und stellt sicher, dass sich alles, was dort zu sehen ist, entsprechend der Fahrt der Kamera bewegt.

Kommende Superhelden-Blockbuster setzen auf StageCraft

Ein StageCraft-Studio soll laut Hollywood-Kennern über 100 Millionen Dollar kosten. Für die Studios kann sich die Investition lohnen, denn damit lässt sich auch viel Geld sparen: Statt etwa Schauspieler und Team für Aussenaufnahmen in die Wüste zu fliegen, kann nun eine einzelne Kamerafrau dort Aufnahmen macht. Vor den Bildschirm-Wänden des Studios sieht es dann aus, als würden die Darsteller tatsächlich in der Wüste stehen.

Bislang ist «The Mandalorian» das prominenteste Beispiel für den Einsatz von StageCraft. Doch die Vorteile der neuen Technologie sind zu gross, als dass sie dem Green Screen nicht längerfristig Konkurrenz machen würde.

Bereits sind einige grosse Titel angekündigt, die zumindest Teilweise in einem solchen Studio gedreht werden: Der neue «Batman»-Film mit Robert Pattinson gehört dazu aber auch Fortsetzungen von Superhelden-Filmen wie «Thor», «Ant-Man» und den «Guardians of the Galaxy».

SRF 3, 30. September 2021, 16:10 Uhr;

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Wie eine echte Landschaft? Entweder wird die "echte Landschaft" danach trotzdem noch zusätzlich hineingerechnet, oder ich weiss leider nicht was die heutigen Filmemacher unter einer echten Landschaft verstehen.
    1. Antwort von Mike Pünt  (Scientist)
      Der Unterschied ist, dass die Schauspieler den Hintergrund sehen und ihn sich nicht vorstellen müssen wie bei einem green screen.
  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Hi, hi! Das gibts doch schon bei uns: Das Bourbaki Panorama in Luzern. Bloss nicht im Hintergrund animiert.
    Ja, ja, es kommt ja auch wieder die Vinyl Schallplatte und alle Tonstudios die ihre Plattenpressen weggeworfen haben, so altmodisches Zeugs, beissen sich nun in den Hintern!
  • Kommentar von Remo Bosin  (Marvin)
    Wurde eine solche Technik nicht bereits beim, nicht mehr ganz neuen, Film Oblivion (2013) eingesetzt?