Darum geht es: Im November 2025 wurde bekannt, dass der heute 79-jährige Liedermacher, Komponist, Schauspieler und Autor mit 63 eine sexuelle Beziehung mit einer 15-jährigen Schülerin geführt hatte. Die «Süddeutsche Zeitung» («SZ») hat damals berichtet. Wecker gestand, entschuldigte sich und sprach von Einvernehmlichkeit – und davon, dass es dennoch «gänzlich unangemessen gewesen» sei. Wegen seiner damaligen Alkoholsucht könne er sich aber nicht an Details erinnern. Jetzt haben drei weitere Frauen gegenüber der «SZ» berichtet, dass sie als 17-Jährige sexuelle Verhältnisse mit Konstantin Wecker gehabt hätten.
Das ist zuletzt passiert: Nachdem die Frauen die Recherche der «SZ» aus dem Jahr 2025 gelesen hatten, meldeten sie sich bei der deutschen Tageszeitung. Zwei von ihnen – Friederike Schupelius und Marie Franz – treten im neuen «SZ»-Artikel mit ihrem Klarnamen auf, die dritte – wie bereits die Frau November 2025 – unter einem Pseudonym. Alle drei inzwischen 38-Jährigen versichern ihre Schilderungen an Eides statt. Was bisher wie ein Einzelfall wirkte, folgt nach den neuen Vorwürfen offenbar einem Muster. In einem Fall soll Wecker gar eine Art «Ausgleichszahlung» in Höhe von mehreren Tausend Euro geleistet haben.
Das steckt hinter den Vorwürfen: Die Frauen schildern, als Teenagerinnen grosse Fans des Liedermachers gewesen zu sein, ihn angehimmelt zu haben und Wecker bei seinen Konzerten kennengelernt zu haben. Das Intime und Sexuelle sei von ihm ausgegangen, er habe die Mädchen etwa in sein Hotelzimmer eingeladen. Sie hätten sich aber auch physisch nicht dagegen gewehrt, berichten sie der «SZ». Teils bestanden monatelange Beziehungen, es sei dabei nicht immer nur um Sex gegangen. Die Frauen berichten von intensiven Gesprächen mit dem Künstler, aber auch davon, dass er sie gebeten habe, alles geheimzuhalten.
So beschreiben die Frauen die Auswirkungen: Bis heute würden sie unter den Folgen der Beziehung zu Wecker leiden, erzählen die Frauen. Friederike Schupelius meint, er habe «seine dominante Position als berühmter Musiker Teenagerinnen gegenüber ausgenutzt» und sie habe sich zum Sex mit ihm gedrängt gefühlt. Sie habe ihr Abitur abgebrochen und eine Zeit lang in einer psychiatrischen Klinik verbracht. Die Ärzte dort hätten bei ihr eine schwere depressive Episode und eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Marie Franz spricht von einem Machtgefälle, davon, dass man vor diesem Hintergrund nicht von Einvernehmlichkeit sprechen könnte. Für sie sei ihre Welt zusammengebrochen: «Ich habe mich benutzt gefühlt». Und: «Ich kann seine Musik bis heute nicht mehr hören.» Wecker habe keine Straftaten begangen, aber es gäbe einen Unterschied zwischen dem, was legal, und dem, was moralisch in Ordnung sei.
Das ist Weckers Reaktion: Zu der ersten Anschuldigung von Ende 2025 hatte Konstantin Wecker sich noch geäussert – diesmal lässt er einen ausführlichen Fragenkatalog und mehrfache Nachfragen der «SZ» unbeantwortet. Laut seinem Anwalt sei Wecker aktuell «aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, sich zu erinnern, daher könne er die Fragen nicht beantworten». Es sei auch eine Bescheinigung eines Arztes vorgelegt worden, die dies bestätigt. Bis Ende Oktober 2025 spielte der Liedermacher noch Konzerte, später sagte er alle Auftritte wegen der Folgen einer neurologischen Erkrankung ab.