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Doku-Reihe über DSDS-Star Verehrt, verhasst, verschwunden: der Fall Daniel Küblböck

Mensch über Bord: Eine Doku-Reihe über Daniel Küblböck zeigt ein Leben zwischen Hype und Hetze – und den Fall eines feinen Menschen.

«Ich fühle mich nicht männlich, ich fühle mich nicht weiblich. Ich fühle mich gut», sagt Daniel Küblböck in einem Interview mit Barbara Schöneberger. Die Aussage sorgte bei der sonst so glatten Schöneberger für Stirnrunzeln. Küblböck tanzte aus der Reihe, fiel auf. Das gefiel vielen, aber längst nicht allen. 

Daniel Küblböck mit offenem Mund (singend) im Scheinwerferlicht
Legende: Daniel Küblböck war queer, bevor viele den Begriff kannten. Er wurde unter dem männlichen Namen bekannt, outete sich aber später als Transfrau: Lana Kaiser. (8.5.2003) KEYSTONE/AP/BERND KAMMERER

Daniel Küblböck betrat die Bühne, als klare Stereotypen – zumindest im Popbusiness – den Takt angaben. In den 2000ern, als Boybands oder Girlgroups die Kassen klingeln liessen. Wo Frau vor sexy Mann in Ohnmacht fiel und Mann sich Poster von Pop-Girls – bevorzugt in Dessous – an die Wand hing. Überspitzt formuliert.

«Ich habe meine eigenen Regeln», schreibt Küblböck in seiner Autobiografie «Ich lebe meine Töne», die man immer wieder in der Doku hört. Es war seine Haltung, die ihn anziehend machte: «Er weitete Stereotypen aus, weil er anders war», sagt Lucy Diakovska, Ex-Mitglied der «No Angels». Es sind Wegbeobachter und Weggefährten Küblböcks, die in der Doku-Serie zur Sprache kommen. 

Kein Star, der vom Himmel fiel 

Beim ersten DSDS-Casting Ende 2002 sang Küblböck «Stand by me». Und man wollte ihm zur Seite sehen. Das Publikum sah und hörte: Mit Küblböck, damals blutjunge 17 Jahre, war kein Star vom Himmel gefallen, auch wenn er im erzkatholischen Bayern gross wurde.

Er war süss mit seiner Karo-Krawatte; etwas schräg, wie die Töne, die er anschlug. Küblböck kam durch. «Du bist eine coole Maschine auf deine Art», urteile Juror Thomas Bug damals. Pop-Proll Dieter Bohlen ergänzte: «eine gefühlvolle Maschine». Die Zerbrechlichkeit schimmerte beim angehenden Sternchen durch. Ein perfektes Fressen für alle, die einen Riecher für Business und Schlagzeilen hatten. 

Sensible Rampensau 

Küblböcks Auftritte: ein Ereignis. Er sei «wild wie ein junges Fohlen», sagte der sonst strenge Juror Thomas Stein. Küblböck war eine Rampensau, um es weniger süss zu formulieren. Wurde gefeiert, aber auch zur Sau gemacht. Vom Publikum, aber auch von und in den Medien. 

Daniel Küblböck auf «Sugar»-Cover
Legende: «Finde raus, wie Kübi wirklich tickt!» – so preist die «Sugar» Daniel Küblböck 2003 bei ihren Leserinnen und Lesern an. IMAGO/teutopress

Bezeichnend: eine TV-Runde, wo Tanz-Coach Detlef D. Soost gewohnt selbstgerecht auf ihm rumtrampelte: «Du hast bewiesen, dass du nicht singen kannst.» Küblböck erwiderte unbeirrt: «Man muss nicht perfekt sein. Das ist meine Lebenseinstellung.»

Dass Küblböck früh lernen musste, sich durchzuschlagen, ist in der Doku auch Thema. Alkohol, psychischer Missbrauch, Schläge: Stichworte, die seine Kindheit resümieren. Ein Kind, kleingemacht, das unten durch musste, bis es endlich oben ankam.

Im Käfig 

«Oben» sorgte er als «Paradiesvogel», als der er gern bezeichnet wurde, für Rambazamba in der öden Realität. «Ich hasse dieses Wort. Als Paradiesvogel darf man dabei sein, lustig, unterhaltsam sein. Es klingt aber auch so, als hätte man einen extra Käfig im Zoo, wo man auch schön bleiben soll», sagt Anja Rützel vom «Spiegel», erwartet treffsicher.

Nach DSDS lebte Küblböck seine Freiheit aus, erfand sich immer wieder neu – als Schauspieler, als Jazz-Sänger, investierte gar in Solar-Energie. Immer wieder kam ihm Begeisterung, Bewunderung, aber auch Hass entgegen. Auch, als er sich als Transfrau outete, als Lana Kaiser.

2018 verschwand Lana Kaiser während einer Kreuzfahrt in der Labradorsee. In ihrer letzten Sprachnachricht sagte sie: «Ich möchte gerne von diesem Schiff herunter.» Mit ihr ging ein feiner Mensch über Bord – wüst von der Gesellschaft behandelt. Das zeigt die Doku eindrücklich.

Streaminghinweis

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Die dreiteilige Doku-Serie «Die Küblböck-Story – Eure Lana Kaiser», zeigt die berührende Lebensgeschichte von Lana Kaiser, die durch die Castingshow «Deutschland sucht den Superstar» (DSDS) berühmt wurde.

Sie erzählt die Coming-of-Age-Geschichte eines Teenagers aus Niederbayern, der ein Star werden wollte und wurde, und sich im Laufe seines Lebens immer wieder neu erfand. Und der sich zuletzt, kurz vor seinem Verschwinden von einem Kreuzfahrtschiff, unter dem selbst gewählten Namen Lana Kaiser als Transfrau sichtbar machte.

Die erste Episode der dreiteiligen ARD-Produktion lässt sich in der Schweiz auf dem Youtube-Kanal von WDR Doku streamen.

Radio SRF 3, 27.08.2025, 17:20 Uhr

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