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Erfolg mit gebrauchten Büchern Noch lange nicht ausgelesen: Das «Bücher-Brocky» wird 30

Bücher suchen und finden: Damit ist man beim «Bücher-Brocky» seit nunmehr 30 Jahren gut aufgehoben. Es ist unter Lesebegeisterten eine Institution. Ein Rundgang.

Gleich vorweg: Ich bin voreingenommen, ich besuche das Basler «Bücher-Brocky» regelmässig und habe auf Spaziergängen auch die Filialen Luzern, Aarau, Zürich und Bern kennengelernt. Weshalb? Weil ich das breite Angebot und die Preise schätze, in Ruhe stöbern kann und den Zufall mag. Stosse ich nicht auf Werke der Autorinnen und Autoren, die ich im Kopf habe, springt mich stets anderer Lesestoff an.

«Es darf nicht riechen»

Belletristik, Sachbücher, Kunstbücher, Lyrik, Comics, Bücher in Fremdsprachen, meist gebraucht, aber auch Neuware und DVDs, CDs und Vinyl – die Auswahl ist gross und in gutem Zustand. Das liegt daran, wie die Eingänge sortiert werden. Beschädigtes landet im Altpapier. Und: «Es darf nicht riechen», sagt Firmeninhaber Clemens Ribler. «Wenn eine Tasche hereinkommt mit Büchern, die gammeln oder Kellermief haben, in denen Katzen- oder Hundehaare sind, schmeissen wir die weg.» Sie hätten genügend Nachschub, so dass sie nur «die Spitze des Eisberges in die Regale stellen» könnten.

Die Idee fürs «Bücher-Brocky» haben sie einst bei einem Zürcher Brockenhaus abgekupfert: «Dort ging morgens um acht der Rollladen hoch, und die Antiquare strömten darunter hindurch. Es gab Vitrinen mit Raritäten. Die mussten mehrmals repariert werden, weil der Run auf die günstigen antiquarischen Bücher so gross war.»

Innenraum einer Buchhandlung mit vollen Bücherregalen.
Legende: Das Bücher-Brocky in Luzern ist im alten Gemeindehaus in Littau untergebracht. Jeden Tag kommen neue Bücher hinzu und verlassen den Laden wieder. Ein Paradies für preisbewusste Leseratten. KEYSTONE/Sigi Tischler

Das Konzept könnte auch in Luzern funktionieren, war der Grundgedanke. So entstand dort 1996 in einem Schuppen beim Bahnhof das erste «Bücher-Brocky». 1997 stiess Clemens Ribler dazu. Als gelernter Kaufmann wollte er selbständig arbeiten. Er sei eher der «Buchhändler als der Buchhändler».

Ribler beteiligte sich an der Firma, mit seinem Anteil eröffnete 1998 die Filiale in Basel. Schliesslich übernahm er alle Geschäftsanteile. In den fünf Läden arbeiten 25 Personen. Die Fluktuation ist gering, eingespielte Teams sind am Werk.

Ribler liegt die Kreislaufwirtschaft am Herzen: Die Bücher kommen in neue Hände. Alle kauften bei ihm, Kinder, die alleinerziehende Mutter und der kunstbeflissene Fotograf ebenso wie der Bergsteiger und die Literaturprofessorin.

Das gesamte Sortiment verkaufe sich gut, sagt Ribler, hebt aber Kinder-, Koch- und Kunstbücher besonders hervor – und Krimis.

Lese-Revival sei Dank

Besonders freue ihn, dass viele junge Leute lesen. Das nehme er beim Spaziergang am Vierwaldstättersee ebenso wahr wie in seinen Filialen. «Die bibliophile Generation, die sich eine Bibliothek aufbaut, stirbt langsam aus.» Unter den Jungen dagegen sei – auch dank Booktok – ein regelrechtes Lese-Revival im Gang, ähnlich dem Vinyl-Boom unter Musikfans. Schallplatten bieten die Filialen übrigens auch an. In Aarau etwa fand ich zu einem moderaten Preis eine LP von The Smiths.

Clemens Ribler liest selbst auch. Regionalkrimis wie «Das verschwundene Einser-Tram» von Beat Grossrieder. Der Roman spielt zum Teil im «Bücher-Brocky» in Zürich-Enge. Und er habe angefangen, Klassiker wie Hermann Hesse und Max Frischs «Biedermann und die Brandstifter» wieder zu lesen. «Im heutigen Zusammenhang von Politik und Krieg erkennt man da wieder einen ganz anderen Kontext.»

Veranstaltungshinweis

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Zum 30-jährigen Jubiläum des «Bücher-Brockys» finden dieses Jahr in allen Filialen Aktionen und Veranstaltungen statt. Den Auftakt macht Luzern (Ruopigenstrasse 18) am Samstag, 7. Februar: Zur Mittagszeit gibt es portugiesisches Essen, Musik und um 14 Uhr eine Lesung von Beat Grossrieder aus seinem Krimi «Das verschwundene Einser-Tram», der teilweise in der Filiale in Zürich-Enge spielt.

Seine persönliche Bilanz nach fast 30 Jahren mit dem «Bücher-Brocky» formuliert der 63-Jährige klipp und klar: «Das war die schönste Zeit meines Lebens.» Eines Tages, sagt Ribler, sollen Jüngere das Unternehmen weiterführen. Aber erst eines Tages.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 3.2.2026, 7:06 Uhr

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