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Computerspiele sorgen für Abwechslung im Altersheim
Aus Kultur kompakt vom 27.11.2019.
abspielen. Laufzeit 03:33 Minuten.
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Gamen im Altersheim Betagte begeistern sich für Computerspiele

Besuche im Altersheim können rasch langweilig werden. Eine Anbieterin von Spielnachmittagen mit Tablets schafft Abhilfe.

Ein langgezogener Dackel erscheint auf einem Tablet. Tippt man auf den Bauch, verrenkt er sich zu einem Knoten. Den gilt es wieder zu lösen. Über das Tablet beugt sich eine Gruppe von Heimbewohnerinnen – es ist Nachmittag in einem Pflegeheim.

Am Tisch nebenan wird fleissig geraten: «Das ist eine Fichte.» – «Es könnte auch eine Tanne sein.» – «Doch, eine Fichte.» – «Du sagst Fichte, ich sage Tanne.»

«Probieren Sie doch mal!»

Die Spiele hat Bettina Wegenast ins Pflegeheim mitgebracht. Sie war früher Primarschullehrerin und führt heute ihre «Fabelfabrik». Sie hat das Projekt «Myosotis-Game» entwickelt. Das sind Spielnachmittage in Alters- und Pflegeheimen – eben mit Tablets und geeigneten Spielen darauf.

Die Spiele müssen einfach sein, dürfen aber nicht zu kindlich wirken, sonst fühlten sich die alten Leute nicht ernst genommen, sagt Bettina Wegenast. Doch betagte Leute und Computerspiele – gibt es da nicht Berührungsängste?

«Ich komme natürlich nicht ins Altersheim und sage: möchten wir nicht zusammen Computerspiele spielen?», erklärt Wegenast. «Ich lege das Tablet auf den Tisch, öffne ein Spiel und sage: Probieren Sie doch mal! Fassen Sie aufs Tablet und schauen Sie, was passiert.»

Spielen als willkommene Abwechslung

Nicht Skepsis überwiegt also, wenn da Tablets mit den Apps darauf auf dem Tisch liegen, sondern die Neugier, sagt Wegenast.

Auf die Idee, Spiele auf Tablets zu laden und diese ins Heim mitzunehmen, kam sie aus eigener Erfahrung. Sie selber besuchte oft ihre Mutter und ihr Schwiegermutter im Pflegeheim und fühlte sich mit den alten Frauen allein gelassen: «Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sehr wenig Angebote gibt für Angehörige im Altersheim.»

Deshalb geht es Bettina Wegenast nicht nur um die Heimbewohnerinnen und Heimbewohner, sondern um deren Angehörige: «Mir geht es in erster Linie darum, dass sie mit Altersheim-Bewohnern in Kontakt kommen können. Das Fotoalbum hat man vielleicht schon 20 Mal angeschaut und da kommen immer wieder dieselben Geschichten. Aber wenn man zusammen spielt, passiert immer was anderes.»

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Es braucht Überzeugungsarbeit

Um immer wieder neue Spiele auf die Tablets zu laden, stöbert Bettina Wegenast in den App-Stores. Parallel dazu hat die Fachhochschule Nordwestschweiz ihre Idee aufgenommen und entwickelt im Rahmen von Studienprojekten neue Spiele, die Wegenast versuchsweise an die Spielnachmittage mitnimmt. Mittlerweile entwickelt sich aus dem Projekt ein Start-up, in das Wegenast ebenfalls involviert ist.

Nun gilt es, möglichst viele Alters- und Pflegeheime von solchen Spielangeboten und Spielnachmittagen zu überzeugen. Das ist nicht immer einfach: «Sachen, die von aussen kommen sind oft zu viel, zu kompliziert. Ich biete die Spielnachmittage für 300 Franken an und gebe Empfehlungen, zeige auch, wie man spielt. Das finden sie oft eine unnötige Investition.»

Dort, wo Bettina Wegenast bereits Spielnachmittage durchführen konnte, hat sie durchwegs positive Erfahrungen gesammelt – und von den alten Gamerinnen viel Freude erfahren.

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