Der Eingang zur Ausstellung gleicht einer Hotelrezeption. Die Besucherin oder der Besucher checkt ein und erhält einen Brustbeutel, gefüllt mit fünf Batzen «Ferienbudget». Den ersten kann man, wenn man will, gleich wieder ausgeben: Dafür darf man sich auf einen Sessellift setzen, der einen virtuell auf einen Berggipfel trägt.
Oben angekommen, erklingt eine Stimme: «Oh, wie schön. Sie haben es geschafft. Der erste Ferienbatzen ist verpulvert. Ich sage es Ihnen aber gleich. Die Schweiz ist teuer.»
Doch auf welche Bergkette blickt man vom Sessellift aus? Es sind keine echten Berge; es handelt sich um ein Kunstwerk.
Lange vor KI-Zeiten hat das Künstlerduo Studer / van den Berg künstliche Welten geschaffen, die irritieren. Ihre computergenerierten Bilder wirken vertraut und fremd zugleich. Ein passendes Sinnbild als Einstieg in eine Ausstellung, die die Errungenschaften des Tourismus ebenso feiert wie hinterfragt.
Anna Wälli, eine der beiden Kuratorinnen der Ausstellung, sagt: «Das Ziel dieser Ausstellung ist es, durch diese Check-in-Situation zu zeigen: Die meisten von uns sind Touristinnen und Touristen.»
Luxushotels und Camping im Tessin
Die Diskussion dreht sich um die Frage: Was nehmen wir in Kauf für das wirtschaftliche Erfolgsmodell Tourismus? Denn Tourismus stützt zwar den Wohlstand der Schweiz, hat aber seinen Preis. Diese Ambivalenz liege dem Tourismus natürlich bei, meint Wälli. «Das können wir nicht schönreden. Dieser Aspekt hat uns von Anfang an interessiert.»
So führt die Ausstellung anhand von 23 Stationen quer durch die Schweizer Tourismusgeschichte. Ausgelöst wird diese im 19. Jahrhundert durch reiche, abenteuerlustige Engländer. Sie führt zu den ersten Luxushotels in den Bergen, wird ausgebremst durch zwei Weltkriege. Sie erfindet sich neu und etabliert die Schweiz der 1960er- und 70er-Jahre als eine Nation von Skifahrerinnen und Skifahrern – und nicht zuletzt auch von Campern im Tessin.
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Bild 1 von 3. Gute Aussicht: Postkarte mit Touristen auf der Rigi-Kulm mit Blick auf die Berner-Hochalpen um 1910. Bildquelle: Schweizerisches Nationalmuseum.
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Bild 2 von 3. Ab in die Ferien! (Vermutlich Zug, 1962). Bildquelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Com_L11-0212-0003.
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Bild 3 von 3. Ein Koffer voller Aufkleber aus diversen Hotels (1900–1920). Bildquelle: Museum für Kommunikation, Bern, Tur_0163.
Später wird die Schweiz wieder mehr und mehr international. Heute gehört unser Land nicht zuletzt dank Social Media zu den touristischen Hotspots dieser Welt.
Und die Tourismusbranche steht im Spannungsfeld zwischen Erfolg und Verantwortung: Globale Krisen und Digitalisierung verändern das Reisen. «Was wir leisten können als kulturhistorisches Museum, ist, die Entwicklung aufzuzeigen. Und uns die Frage zu stellen: Was könnte in Zukunft passieren?», so Anna Wälli.
Overtourism und Klimawandel
Diese Fragen zeigen: Die Ausstellung ist keine harmlos-schöne Schau zum Tourismusland Schweiz. So blicken in einer Videoinstallation zum Beispiel vier Tourismusfachleute in eben diese Zukunft und äussern sich nicht zuletzt auch kritisch zum vorherrschenden Geschäftsmodell.
Die brennenden Themen liegen auf der Hand und werden publikumsnah aufgegriffen. Dazu gehören nicht zuletzt mancherorts kalte Betten, Übertourismus, Klimawandel.
Für Anna Wälli wirft das nicht nur Fragen für die Branche auf, sondern auch für die Reisenden selbst. «Das ist das, was wir mit der Ausstellung aussagen möchten. Man wird sich in Zukunft diese Fragen immer mehr stellen: Wie möchte ich reisen, wohin möchte ich reisen?»